BERICHT: Birds in Row | Aussitôt Mort & Nine Eleven I10.07.2012 I AK 44 Gießen

Von wegen Sommerpause – Birds in Row, Aussitôt Mort, Nine Eleven

Was ist das bloß für ein Sommer dieses Jahr? Richtig warm will es nicht werden. Nein, sogar Graupel und Gewitter gibt es in regelmäßigen Abständen. Und dabei dachten wir 2011 wäre schon nicht mehr zu unterbieten gewesen. Nichts desto trotz boomt das Festivalgeschäft. Das Melt ist ausverkauft. Das Hurricane ist ausverkauft. Heißt es nicht immer, dass man im Sommer Clubshows vergessen kann und Bands gar nicht erst versuchen sollten auf Tour zu gehen? Sommerpause und so! Birds in Row, Aussitôt Mort und Nine Eleven scheinen nicht viel darauf zu geben. Dann werden die Festivalshows halt einfach mit der Tour zusammengelegt. Die einen traf man vorher beim New Noise in Karlsruhe, die anderen beim Kraake Sommerfest in Köln. Beim Fluff in Tschechien wird man Birds in Row und Nine Eleven auch wieder antreffen können. heute Dienstag darf ich sie im AK 44 in Gießen bewundern.

Trotz des Wetters. Es ist immer noch Sommer. Und da das AK 44 Fenster hat, scheint die trübe Sonne noch bis halb Elf durchhaltewillig durch die Fenster auf Birds in Row, die grade noch letzte Hände an ihr Equipment legen. Dann geht’s endlich los. „Fill up the masses, and leave us alone. Among these ashes, there’s no place to grow.“ Aber hey, Moment mal. Birds in Row beginnen? Das scheint doch arg verwunderlich, haben die Deahtwish Neulinge doch noch vor ein paar Wochen Converge, Touché Amoré und Defeater auf einer US-Tour supportet. Damit hatte wohl auch niemand aus dem Publikum gerechnet. Gerade einmal die Hälfte der Besucher des Abends war bis dato eingetroffen und somit haben viele die – wie man vom modernen Hardcore gewohnt – kurze Set von Birds in Row verpasst.

„Ja, ja. Immer kürzer als alle anderen spielen. Mann, das is‘ so ein Trend in der mir echt auf die Nerven geht!“, höre ich jemanden hinter mir flüstern, just in dem Moment als die Franzosen nach knapp 18 Minuten ihren letzten Song ansagen. In diesen 20 Minuten haben diese aber auch echt alles gegeben. Knapp die Hälfte neues Material. Stereo geht’s über zwei Orangeboxen. Die Ohren sagen Danke. Man darf sich auf den ersten richtigen Langspieler nach zwei Eps freuen. Gewohnt rhythmisch und vertrackt und sogar mehrmals mehrstimmig wird’s dann in Zukunft wohl werden. Eine kleine Trübung bleibt jedoch: Zwischenzeitlich scheint sich die 300 Watt Vollröhre des Bassisten immer wieder zu verabschieden. Ein Kumpel erzählt mir witzigerweise am Tag danach unabhängig davon und ohne Vorwissen, wie unzuverlässig die Fender Bassmann Topteile wohl sein sollen.

Nach kurzer Pause geht es dann weiter mit Aussitot Môrt. Mhh. Kannte ich ja noch gar nicht. Mal rein hören denk ich mir. Doch was die vier Jungs aus unserem Nachbarland – allesamt im Gegenteil zu den jungen Birds in Row schon weit hinter der Dreißig – bereits in den ersten 60 Sekunden aus dem Ärmel schütteln ist derart großartig, dass ich fast erschrecke, diese Band noch nicht zu kennen. Doomiger Postrock mit minutenlangen hypnotischen Parts ohne viele Schnörkel aber dafür Groove ohne Ende. (Hab ich das Wort Groove grad ernsthaft verwendet? Es passt!) Darüber schwebt brachiales Delaygitarrenflimmern und partiell gibt’s Schreifetzen von Schlagzeug und Bass. Und ich dachte schon Birds in Row waren laut. Kurzum: Soundtechnisch das absolute Brett, was nicht verwunderlich ist bei einem Marshall JCM 800, einem Sovtek MIG 50 und einem Sunn O))) 300t. Um mich herum sehe ich Köpfe nicken, vor mir höre ich die Welt untergehen – mit Verzweiflung und unaufhaltsam. Ein Kollege meint nach dem Konzert zu mir: „Oh mann. Solch einen Sound habe ich im AK ja noch nie erlebt.“

Gegen halb Eins sind nun noch Nine Eleven dran. Leider ist nun schon wieder ein Großteil des Publikums nach Hause aufgebrochen, was den Jungs nicht gerecht wird. Moderner Hardcorepunk der Sorte Bane, Verse und diversen Bridge Nine Konsorten mit französischen Texten. Die Jungs machen ihre Sache wirklich sehr gut. Unter dem Eindruck der beiden vorherigen Bands fällt mir mal wieder auf, wie Oldschool dieser moderne Hardcore im Stile von H20 in den Zeiten des Crust und Post geworden ist. Auch bei den Nine Eleven Jungs zeigt sich die Liebe zur Szene und das was Hardcore 2012 ausmacht. Späßchen mit dem Publikum (da wird auch gern mal die Brille geklaut), DIY Siebdruckplakate, selbstgestaltete Kassetten und schweres Doppelvinyl. Birds in Row verkauften ihr Merch sogar auf Spendenbasis.

Was bleibt also noch zu sagen über diesem kühlen, vernieselten Sommerabend. Der Hardcore bleibt und kämpft. Er bleibt und kämpft unbezwingbar für seine Wurzeln und das macht ihn stark. Da passt so ein Sommer eigentlich ganz gut ins Bild. Für jeden der Birds in Row noch einmal im kleineren Kreise sehen will, die Band ist den ganzen August über noch auf Europatour, wieder mit Touché Amoré und Converge. Wer schon mal einen Eindruck vom Neuen Album bekommen möchte, ein Link zum neuen Musikvideo findet man hier. Aussitôt Mort bieten ihre neue Platte übrigens zum kostenlosen Download auf bandcamp an. Undbedingt herunterladen und anhören. Es lohnt sich wirklich. Der Link ist unten vorzufinden.

Birds in Row auf Tour in D/AUS/CH

04/08/12 – Hannover, DE @ Chez Heinz /w Converge, Rise and fall, Oathbreaker
08/08/12 – Munchen, DE @ Feierwerk /w Converge, Rise and fall,
09/08/12 – Wien, AU @ Szene /w Converge, Darkest hour, Rise and fall
11/08/12 – Karlsruhe, DE @ Statmitte /w Converge, Rise and fall
19/08/12 – Berlin, DE @ Magnet /w Touche Amore
20/08/12 – Wiesbaden, DE @ Schlachthof /w Touche Amore
21/08/12 – Zurich, CH @ Dynamo /w Touche Amore
22/08/12 – Stuttgart, DE @ Juha West /w Touche Amore



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