So wirklich bekannt geworden ist der Österreicher erst durch seinen Image-Wechsel: Früher als einer von vielen abgestumpften Deutschrappern unterwegs, bekommt man aus Chakuzas Mund heutzutage nur noch Ernsthaftes zu hören. Was mit der Veröffentlichung vom Erfolgsalbum „Magnolia“ begann, wurde auf „Exit“ weitergeführt – und somit geht der neuerdings in den Niederlanden lebende Musiker auch nicht mehr mit DJ und Backup-Rapper auf Tour, sondern bringt stattdessen die Band In Vallis mit. Auch in Hamburg scheint man die Entscheidungen von Peter Pangerl, so Chakuza bürgerlich, zu begrüßen: Das Knust war bereits Tage zuvor restlos ausverkauft.

Im Vorprogramm des Abends stand der Rapper Maxat, der eine vergleichsweise schwache Performance lieferte. Texte und Beats des Paderborners machen sich auf Platte sicher gut, live war das Ganze allerdings wenig überzeugend. Zusammen mit seinem DJ philosophierte der Paderborner eine halbe Stunde lang Songs über positive wie negative Dinge des alltäglichen Lebens (von Selbstzweifeln über Partys bis hin zu Frauen und Liebe) und nutzte die Chance, seine aktuelle EP „Schwarzwälder Kirsch“ zu promoten. Für echte Rap-Fans sicher ein sehr guter Auftakt, aber objektiv betrachtet ein Act mit viel zu wenig Tiefgang.

Nach der obligatorischen Umbaupause spielten Chakuza und In Vallis als Entschädigung genau das fast perfekte Set, das sich jeder im Raum erhofft hat: „Exit“ wurde gefühlt in seiner Gesamtheit zum Besten gegeben, aus „Magnolia“ reichte es immerhin für die Hits. Nach kurzem Intro eröffneten die Männer mit „Drehscheibe“; mit „OFF“, „1000 Dinge“ sowie dem Titeltrack „EXIT“ folgten im weiteren Verlauf noch weitere großartige Songs der neuen Platte. Die Abwesenheit des Kölner Sängers Maxim wurde vom Publikum natürlich kurz bedauert, dessen Part im Song „Glas – Beton“ wurde mit lautstarkem Gesang dann aber kurzerhand selber übernommen.

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Apropos Publikum: Die musikalische Klasse von In Vallis ging oft genug wortwörtlich im Applaus unter. Klar, für Hip-Hopper ist der Song nach der letzten Zeile beendet, und man klatscht Beifall – dass, wie am Beispiel Chakuza deutlich zu erkennen ist, die Songs anschließend noch weitergehen oder sogar dann erst ihre eigentliche Wirkung entfalten, spielt oft genug keine Rolle. Der Post-Rock-Anteil, der sowohl „Magnolia“ als auch „Exit“ überhaupt erst zu ihrer eigentlichen Qualität verhelfen, kam in Hamburg fast gar nicht zum Vorschein; der Versuch, mit Effekten und Melodien Atmosphäre zu erzeugen, scheiterte leider schon im Ansatz. Ein Highlight gab es dennoch: Die Männer spielten als zweite Zugabe „Windmühlen“ als neu arrangierte Piano-Version und schafften es so wenigstens ein Mal, sich auch auf dieser musikalischen Ebene dem Publikum zu beweisen.

Wenn man die erwähnten Kleinigkeiten im Rückblick nun also ausblendet (von Publikum und Support-Act sollte man sich grundsätzlich schließlich nicht stören lassen), kommt man an einem positiven Feedback gar nicht vorbei. Chakuza: Top. In Vallis: Top. Setlist: Top. Sound: Top. Klingt mehr als zufriedenstellend, oder?

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