Abwechslung ist immer gut. Eine in der Hinsicht wohl interessantesten Kombinationen spielte am vergangenen Freitag in Köln. Da mogeln sich doch zwischen eine „ganz normale“ Hardcore Tour mit Defeater, Landscapes und Goodtime Boys die allseits bekannten Caspian. Leider, und das musste man schon im Vorhinein sagen, fand das Konzert in der Kölner Essigfabrik statt. Die Halle ist einfach zu groß, die Bühne zu hoch und der Boden nach einem verschütteten Bier glatter als eine frisch präparierte Eisbahn. Da die Meckerei aber schlussendlich doch nichts nützt, finden wir (Fabian und Robin) uns am Ende doch in Köln ein. Was soll man auch machen, gute Konzerte zu erträglichen Zeiten (noch dazu in Köln!) sind teils spärlich gesäht. Es blieb abzuwarten, ob sich das durch dieses Konzert ändern könnte.

Da Fabian zum Zeitpunkt des Konzertbeginns noch in der Bahn sitzt und somit Goodtime Boys verpasst, werde ich, Robin, meinen Teil zum Opener beitragen. (Danke, Fabian, dass du das so schön formuliert hast!) Jedenfalls waren Goodtime Boys keine allzu große Überraschung, wenn man bedenkt, was auf dem Programm stand: (Hipper) Hardcore (und Caspian). Viel gibt es hier tatsächlich nicht zu berichten. Achtung, Geschmacksurteil: Hübsche Plattencover, ganz stimmige Musik, ein energetischer Sänger, der über die Bühne fegt und ein wenig mit dem Mikro(-Kabel) posiert, die gewohnten Ansagen zwischen den Songs („This is a song about how everything sucks and nothing’s gonna change“, „This is a song about how everyone is the same and how some people seem to forget this“). Kann man mögen, mich hat’s nicht vom Hocker gehauen – und das Publikum auch nicht, aber das wollte an diesem Abend eh eher lethargisch in der Gegend rumhüpfen. Dafür war der Sound in der Essigfabrik für meine (wiedermal durch vergessenen Gehörschutz) ungeschützten Ohren ziemlich gut und klar, was schonmal Anlass für Begeisterung sein kann. So Fabian, nun bist du wieder dran, vielleicht hast du ja durch dein ignorantes Zuspätkommen die Band des Jahrzehnts verpasst, während ich durch meine ignoranten Ohren eh keine Ahnung davon habe.

Möglich wär’s, die darauffolgende Band ist jedenfalls für einige bestimmt die Band zwar nicht des Jahrzehnts, aber zumindest vielleicht des Jahres: Landscapes wirbeln im Moment in gewissen Kreisen ziemlich viel Staub auf. Sie gehören neben Bands wie Hundreth und Counterparts zur Spitze einer Welle aus neuen modernen Melodic Hardcore Bands. Was daran allerdings so cool ist, wird sich mir auch nach diesem Liveauftritt nicht erschließen. Die Sound ist keinesfalls schlecht und die Band weiß auch mit ihren Instrumenten umzugehen, keine Frage. Aber der Funke will auf mich nicht überspringen. Die Publikumsreaktionen sind zwar vorhanden, bleiben aber eher verhalten. Nur beim letzten Song „Paradox“ kommt etwas mehr Stimmung auf. Insgesamt bleibt für mich aber das Fazit: Wenn ich Bock auf Melodic Hardcore habe, höre ich doch lieber Bane. Sorry Jungs. (Fabian) Ich hab da eh keine Ahnung. (Robin)

Nun wird es schon Zeit für Caspian und die Frage, wie das vermutlich eher an Breakdowns gewohnte Publikum auf die Band reagiert. Anscheinend haben viele Besucher den Weg extra für die Band auf sich genommen, was das ganze auf jeden Fall besser und für die Band dankbarer macht. Im Gegensatz zum Großteil des Publikums hätten Defeater mich auch nicht hinter’m Ofen hervorgelockt, aber wenn’s 40 Minuten Caspian dazu gibt, ist das schonmal ein Gewinn. Leider gibt es auch Leute, die durch möchtegernlasziven Discotanz zeigen möchten, wie langweilig Musik ohne Gesang und „Abgehen“ ist. Geht doch bitte einfach beim nächsten Mal direkt raus. Ich war’s nicht. Auch ist es gerade bei den Intros immer sehr laut, aber darüber lässt es sich durch die nachfolgenden Songs gut hinwegsehen. Caspian machen dann eben noch lauter. Der Fünfer aus Massachusetts schafft es zwischen den sphärischen Melodien mit heftigen Gitarrenriffs die Gehörgänge der Besucher komplett durchzupusten. Schon nach dem zweiten Song höre ich hinter mir Sätze wie „Hey, das ist echt cool so ganz ohne Gesang“. DUUHHHHH. Die Band scheint heute neue Fans zu gewinnen – und das völlig zu Recht. Die Handgriffe sitzen, die Songs von der neuen EP „Hymn For The Greatest Generation“ fügen sich gut ins Set ein. Der Frontmann, wenn man ihn denn so bezeichnen mag (von anderen nur ‚der Große von Caspian‘ genannt) wendet sich heute erstaunlich oft ans Publikum und bedankt sich. Die Band scheint vielleicht auch von ihrer letztjährigen Tour mit HIM zu wissen, dass man bei einem Publikum aus Nicht-Post-Rock Hörern ab und an mal eine Ansage machen sollte. Insgesamt ist dieses Set eins der besten, die ich von Caspian bisher erlebt habe – zwar kurz, aber auch heftig und imposant. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist das verhunzte Intro von Sycamore, welches aber spätestens beim obligatorischen Drumoutro völlig in Vergessenheit gerät. Diese letzte Minute ist wie immer das Highlight eines jeden Caspian Sets und in diesem Moment hat die Band nun wirklich die Aufmerksamkeit des ganzen Raumes. Den Beifall nach dem Auftitt hält noch lange an und es ist schön zu sehen, wie eine genrefremde Band eine solche Tour aufmischen kann. Trotzdem wünsche ich mir in absehbarer Zeit eine Solotour.

Defeater ließen vor der Tour bei Facebook verlauten, dass Sänger Derek ernste Hüftprobleme hat und sich nach der Tour einer Operation unterziehen wird. Deswegen wurde darum gebeten, dass man ihn nicht berühren sollte. Auch vor dem Konzert weist Derek nochmals daraufhin, allerdings ohne Erklärung. Das wirkt insofern etwas unglücklich, weil sicher nicht alle Besucher den Kommentar gelesen haben und es schon komisch wirkt, wenn man bei einer Band wie Defeater, die von Singalongs lebt, den Sänger nicht berühren darf – „If you come on stage, do not fucking touch me“. Nun, das hat erstmal sicher für einige verdutzte Gesichter gesorgt. Wie dem auch sei, beim Opener „Bastards“ ist die Stimmung gewohnt gut. Die Leute singen eifrig mir, Stage Dives sucht man zwar vergeblich, aber das kann man sicherlich auch der hohen Bühne zuschreiben. Leider sinkt die Stimmung zumindest bei mir exponentiell. Bei mir war sie zumindest gleichbleibend auf einem niedrigen Level… Spätestens beim fünften Song hat sich komplette Langeweile eingeschlichen. Die Stimmung im Publikum ist bei weitem nicht so gut wie zum Beispiel 2011 in der Matrix. Da diese wie die Essigfabrik ebenfalls nicht zu den geilsten Locations auf diesem Planeten zählt, ist es auch nicht mit der Halle zu entschuldigen. Defeater hätten sich vielleicht doch überlegen sollen, die Tour abzusagen. Die Singalongs fehlen an allen Ecken und Enden und es ist offensichtlich, wie vorsichtig Derek zu Werke geht. Die Accousticsongs in der Mitte des Sets sind zwar noch einmal eine auflockernde Abwechslung, können den Auftritt aber nicht mehr retten. Erneut, knappes Statement, persönliche Meinung: Ich versteh den Hype nicht. Da gibt’s spannendere Sachen unter der Sonne, ob nun Hardcore oder nicht Hardcore. Und wirklich Lust, sich zu bewegen hatte vorne scheinbar auch niemand. Da habe ich schon Ärztekonzerte gesehen, auf denen mehr los war… Wenn Defeater das nächste mal dann als Vorband zu Caspian touren sollten, gebe ich denen vielleicht nochmal eine Chance. Denn die wiederum waren nicht öde – und das ohne Gesang!!1111 Bis dahin schaue ich aber irritiert auf diejenigen, die diese Band feiern als wär’s was besonderes. So, genug von mir.

Man kann nur hoffen, dass Derek bei der nächsten Tour wieder fit ist. Darüber hinaus wäre es für die Stimmung von großem Vorteil bei der nächsten Tour in einer kleineren Location wie dem Underground zu spielen. Die Essigfabrik ist am heutigen Tag auch bei weitem nicht ausverkauft. Also schnell zurück zu kleineren Läden und niedrigeren Bühnen. (Und nicht mehr in Köln, denn selbst wenn wir dem Auto von der rechtsrheinischen Seite Düsseldorfs auf die rechtsrheinische Seite Kölns anreisen, waren wir gezwungen, dreimal den Rhein zu überqueren. Ich verstehe Köln einfach nicht.)

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