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Wie sicherlich einige schon bei meiner Ankündigung feststellen konnten: Ich bin großer Kate Nash Fan. Bisher gefiel mir jedes Album, ja ich behaupte sogar, dass sie immer besser wurden. Einzig und allein die vor kurzem veröffentlichte EP „Agenda“ konnte sich bei mir nicht durchsetzen. Nichtsdestotrotz ein ziemlicher guter Schnitt!


Als ich damals die Ankündigung zur Geburtstagstour zum ersten Album „Made of Bricks“ auf Facebook sah schlug mein Herz höher. Dieses Album habe ich unzählige Male gehört, kann noch heute den Großteil der Texte auswendig und mag es nicht weniger als vor 10 Jahren. Noch dazu habe ich schöne Erinnerungen an andere Konzerte in dem nicht allzu großen Zoom Club in Frankfurt. Alles Anzeichen für einen ziemlich guten Abend! Nach nicht allzu langer Zeit wurden dann auch noch „Skating Polly“ als Tour Support bestätigt, was mich auch total freute, da die junge Band bisher noch kein einziges Konzert in Deutschland gegeben hat.

Das Konzert war, logischerweise, schnell ausverkauft. Zum Einen ist der Zoom Club nicht gerade der größte Laden, zum Anderen ist der Anlass wie schon öfters vorgeschwärmt einfach wunderbar.

Skating Polly, inzwischen als Trio unterwegs, fingen pünktlich an. Vor Jahren schon habe ich das erste Mal von der Band gehört, deren Sängerin damals 11 Jahre alt war, die Drummerin war zu diesem Zeitpunkt nicht wesentlich älter. Auf dem zweiten Album aus dem Jahr 2013 befand sich der Song „Placer“, welcher nur so vor 90s Energie strotzte. Ich fand das damals ziemlich beachtlich, doch irgendwann verlor ich die Band aus den Augen. Als die drei Teenies die Bühne betraten war der Applaus verhalten. Die ersten Takte reichten allerdings aus, um mich zu überzeugen. Ein von Distortion zerfetzter Bass trifft auf eine lofi-punkige Gitarre, Skating Polly klingen noch mehr nach den 90ern als es manche Bands aus dieser Zeit selbst tun. Höchstwahrscheinlich hören die drei am allerliebsten Hole, Nirvana, Yeah Yeah Yeahs und zwischendrin auch ab und zu mal die Halo Benders oder die Talking Heads. Schon lange habe ich keine Band mehr gesehen, die mit so wenigen Mitteln so viel Energie auf die Bühne brachte. Nach wenigen Songs tropft den MusikerInnen der Schweiss, die Stimmen kratzen, die Haare sind verknotet und die Songs werden immer besser. Leider konnte sich diese Energie kaum auf das Publikum übertragen. Der Applaus sollte so verhalten wie Anfangs bleiben, was mir sehr leid tat, denn hier wurden die Besucher gerade Zeuge eines wahnsinnig guten Konzerts. Höhepunkt für viele war wohl der letzte Song, eine Ballade bei der Kate Nash als Special Guest auf die Bühne kam. Plötzlich gab es auch mehr Applaus. Seltsam.

Nach einer zum Glück nicht allzu langen Pause gingen die Scheinwerfer aus um kurz danach in einem kühlen Licht die mit Blumen dekorierte Bühne zu erstrahlen und Kate Nash und ihrer Band den Aufgang zu ermöglichen. Die Besetzung von ihrer Band ist seit einigen Jahren konstant, lediglich die Drummerin stieß neu dazu, worüber ich sehr dankbar bin.Kate Nash

Kate Nash begrüßte die Fans mit den Worten „This is motherfucking Made of Bricks!“ und es ging schlagartig los. Ich fühlte mich genauso schlagartig wie 17. Die Band strahlte auf dem ersten Deutschland Konzert der Geburtstagstour eine unglaubliche Sympathie und eine wahnsinnige Lust zu spielen aus. Durch die spärlichere Besetzung als bei den Aufnahmen zum Album klangen die Songs anders, ich gehe soweit zu sagen: die Songs klangen besser, die Band verleiht ihnen mehr Energie und mehr Druck. Natürlich hoffte ich, dass das Album am Stück gespielt wird. Glücklicherweise wurde mein Wunsch erfüllt. Die 13 Songs des Debüts der Engländerin wurden in der Reihenfolge gespielt wie sie auch auf dem Tonträger zu finden ist, lediglich „Foundations“ wurde am eigentlichen Platz kurz angerissen und als vorletzter Song nochmal neu aufgegriffen. Irgendwie logisch wenn bedacht wird, dass dies wohl der bekannteste Song von Kate Nash ist (Genau andersrum habe ich es bei „The Verve“ erlebt: Sie spielten auf einem Festival ihren Hit „Bittersweet Symphonie“ als ersten Song, danach leerte sich der Zuschauerraum schlagartig). Die Songs bekamen teilweise neue Strukturen, der Stil änderte sich teilweise, was meistens eine Verbesserung darstellte. Lediglich die neue Spielart des Songs „Dickhead“ wollte mir nicht ganz zusagen, erinnerte er mich in dieser Art ein wenig an lästige Crossover Dancehits, von denen Rage against the Machine wohl 98% geschrieben haben. Nichtsdestotrotz: Kate Nash und ihre Band brachten „Made of Bricks“ nach 10 Jahren perfekt auf die Bühne. Die Emotionen der Platte wurden auch liveKate Nash erreicht, die teilweise ironischen Texte wechselten sich mit nachdenklichen Piano-Pop Balladen und Indie-Dance Hits ab. Es war fantastisch. Auch die Kommunikation mit dem Publikum war ein Aushängeschild: Kate Nash ist eine Musikerin mit der ein Abend in der Kneipe bestimmt amüsant wäre. Sie geht auf Zwischenrufe ein und nimmt einige Besucher ein wenig hoch. Verständlicherweise, denn seltsame „Whoooooo“ Rufe vor einem ruhigen emotionalen Song sind nicht wirklich passend. Allgemein kann ich hier auch nur nochmals das Publikum bemängeln. Bewegt wurde sich zu ein oder zwei Songs, sonst wurde fleissig der Speicher des Smartphones gefüllt oder über WhatsApp abgeklärt wo später das Bier nach dem Konzert getrunken wird (ja, ich hab mitgelesen. Sorry!). Natürlich ist es kein Problem für mich ein paar Momente des Konzerts digital festzuhalten, neigt sich diese Tendenz allerdings dahingehend fast bei jedem Song über eine Minute das Handy Richtung Bühne zu halten hört mein Verständnis auf. Es ist einfach nur lästig ständig irgendwelche leuchtenden Bildschirme im Blickfeld zu haben, wenn ich einfach nur ein Konzert genießen will. Zur Folge hat dieses Verhalten leider auch, das kaum getanzt wurde. Und wenn nicht zu Kate Nash, zu wem dann? Die Bewegungen von maximal vier Besuchern hatten böse Blicke und „ich glaub ich kann hier nicht stehen bleiben“ Kommentare zur Folge. Vielleicht sollten in Zukunft alle Konzerte mitgeschnitten werden, dann könnten einige Leute Geld sparen und sich später gemütlich von zuhause aus, auf der Couch sitzend, das Konzert anschauen, auf das einige Leute schon seit Jahren warten ohne es ihnen in gewisser Art und Weise schlecht zu machen.

Auch wenn ich ein wenig stinkig war, mein Begeisterung konnte dadurch glücklicherweise nicht gebremst werden. Ich war vollkommen zufrieden an diesem Abend, auch wenn mich zwei von drei Songs der Zugabe, nämlich der neue „Musical Theatre“ und der Titelsong der letzten EP „Agenda“ nicht umhauen konnten. Als Abschluss spielte die Band „Merry Happy“, ein wunderbarer Ausklang.

Als die vier Girls die Bühne verließen dröhnte aus den Boxen des Clubs der „Dirty Dancing“ Hit „Time of my life“. Es ereigneten sich seltsame Szenen. Plötzlich war nahezu der ganze Raum am tanzen. Zu Musik aus der Dose. Nach einem so starken Konzert. Mir fehlten die Worte, ich trank den letzten Schluck Apfelwein aus und ging glücklich nach Hause.

Setlist:
Play
Foundations (stopped)
Mouthwash
Dickhead
Birds
We get on
Mariella
Shit Song
Pumpkin Soup
Skeleton Song
Nicest Thing
Foundations
Little Red
Musical Theatre
Agenda
Merry Happy

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