BERICHT: Red Apollo, Argos, Withers / Emo-Keller Essen, 22.01.2014

Für den ersten Konzertbericht des Jahres haben wir (Fabian und Robin) uns entschlossen klein anzufangen – wie sollte das besser funktionieren als mit einem beschaulichen Konzert im Emo-Keller in Essen? Die Location im Stadtteil Rüttenscheid ist mit der Bahn zumindest schnell erreichbar und ist von der Größe her mit dem Wohnzimmer eines durchschnittlichen Einfamilienhauses vergleichbar. So ein kleiner Raum versprüht natürlich Charme und sorgt für eine persönliche Atmosphäre. Zusätzlich sorgen Essen und günstige Getränke für einen rundum gelungenen Start in den Abend.

Für die Bands ist der Raum natürlich ein Segen. Wo sich bei anderen Konzerten die Besucher zuerst einmal im hinteren Teil des Raumes sammeln ist es hier schlicht und einfach nicht möglich sich weit weg vom Geschehen zu positionieren.

Als erste Band betreten Withers die Bühne. Wobei von „betreten“ und „Bühne“ jetzt bei dieser Floorshow eher als Metapher zu verstehen sein sollte – abgesehen davon, dass bei der niedrigen Höhe des Emo-Kellers wenig Platz zwischen Bühnenboden und Betondecke für die Band wäre. Die Schweizer sind im Moment auf einer kurzen Tour durch Deutschland und werden dabei von den nachfolgenden Argos und Red Apollo begleitet. Ihr Sound bewegt sich irgendwo im chaotischen Hardcore. Auf schnelle Abschnitte folgen immer wieder langsame Sludge Parts. Die Band, die letztes Jahr in Debütalbum „Lightmares“ veröffentlicht hat, weiß, bietet einen soliden halbstündigen Auftritt.

Was den Sound angeht, kann der Besucher ruhig zwiegespalten sein. Insgesamt für so eine kleine Location durchaus in Ordnung, war vor allem zu Anfang der Bass viel zu laut. Klar, Bass ist schön und gut, aber wenn man stellenweise von den anderen Instrumenten nur noch ein leises Knistern vernimmt, dann ist’s definitiv zu viel Bass. Glücklicherweise hat sich das im Verlaufe des Abends geändert und der Sound bei der zweiten Band, Argos, war dann stellenweise sehr schön (wobei dann wieder ein Stück zu leise).

Was Argos angeht, nun – die kann man durchaus mögen. Ich (Robin) zumindest tu’s. Sehr. Und ich lehne mich nicht aus dem Fenster, wenn ich sage, dass die bisher die Entdeckung 2014 für mich sind. Aber gut, ist ja auch erst bisschen mehr als drei Wochen alt, das Jahr. Andere mögen die vielleicht langweilig finden, aber nunja. Jedenfalls: Nicht nur, dass die Herren es schaffen, zu dritt (Gitarre, Bass, Schlagzeug – Standard.) ziemlich viel Druck zu erzeugen, sie zwingen mich auch zu einem vielleicht etwas abstrusen Vergleich mit einer meiner ehemaligen Lieblingsbands. Schon bei den ersten argos’schen Tönen fühlte ich mich tatsächlich unwillig an die früheren Long Distance Calling erinnert – druckvoll, teils verträumt, melodisch, aber besonders doublebass, nochmal druckvoll, nochmal Doublebass. Auch wenn Argos weniger auf fette Einzelriffs als eher auf komplett fette Passagen setzen, zeigen sie, wo Long Distance Calling hätten hinkommen können. Paradox, ich weiß. Eine der erfolgreichsten Bands des deutschen (ehemals-)Instrumentalverzerrtgitarrengenres mit einer Gruppe zu vergleichen, von der vielleicht viele noch nicht gehört haben, grenzt zumindest für Fans ersterer Band sicher an ein Sakrileg. Ein weiterer Vorteil, den Argos gegenüber den Münsteranern haben: Ihr Sänger macht die Songs tatsächlich besser. Der schreit nämlich schön rum, anstatt suboptimal zu singen. Kein Affront gegen LDC, nur ein unbedeutendes Geschmacksurteil. Jedenfalls, ich find’s schön. Zumal Argos sich auch mal trauen, einen Song lauter und dann NOCH lauter werden zu lassen, um DANN auch mal tatsächlich ein Finale abzufahren. Gehört ja sonst im irgendwie-post-rock schon fast zum guten Ton, Songs zu steigern und dann… einfach aufzuhören.

Nach der ausschweifenden Beschreibung von Robin bleibt mir (Fabian) wenig Raum, um noch viel beizutragen. Ich fühle mich zwar nicht so stark an die Münsteraner Band erinnert, trotzdem weiß der Auftritt zu gefallen. Die Titel für die bisherige Entdeckung des Jahres geht allerdings an Benchpress, die ich letzte Woche in Düsseldorf sah. Man möge mir verzeihen. Es sei dir verziehen.

Zu Red Apollo fällt mir (Robin) zumindest nicht viel ein – die konnte man in der letzten Zeit ja schon mehrfach besichtigen, waren immer begeisternd und so war’s auch dieses mal wieder. Die Band weiß in der Tat mit ihrem Dark Hardcore jedes Mal aufs Neue zu überzeugen. Der Emo-Keller hat sich mittlerweile auch gut gefüllt. Man kann also schon auf eine treue Fanbase vertrauen. Eine kleinere Enttäuschung muss diese allerdings verkraften, denn die Split mit Withers ist leider nicht rechtzeitig zur Mini-Tour vom fertiggeworden. Den Auftritt beeinflusst dies aber in keinster Weise, denn die neuen Songs zünden live genauso wie ältere Sachen von der Split mit Sundowning.

Leider können wir den Auftritt nicht bis zum Schluss verfolgen, da der Rückweg sich ab 23:00 Uhr schwierig gestaltet. Hier könnte man dann natürlich wieder mal drüber meckern, wie schlecht man aus irgendeiner Stadt des Ruhrgebiets in eine andere Stadt des Ruhrgebiets kommt, wenn es denn mal später als 20 Uhr ist. Aber man könnte auch… einfach aufhören.



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