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Die erste Ausgabe des Rockaway Beach am Losheimer Stausee nahm ich ein wenig durchwachsen wahr. Leider verpasste ich Blut Hirn Schranke und Schreng Schreng und Lala aufgrund von Hundesitter Problematiken. Zumindest über die Band von Love A Jörkk habe ich wie immer nur Gutes gehört, aber das war eigentlich eh klar.


Als erste Band stand bei meiner Ankunft Smile and Burn auf der Bühne. Nachdem ich hin und her gescheucht wurde damit ich meinen Namen auf der Akkreditierungsliste durchstreichen lassen konnte um ein Papierbändchen um mein Handgelenk geklebt zu bekommen, machte ich mich zum zweiten Mal auf den Weg zum Eingang. Dieser war sehr nett gestaltet, ich durchquerte die sehr lockere Sicherheitskontrolle und fand mich direkt in der Gesellschaft von Pinguinen, Grashüpfern, Pferden und unzähligen anderem Holzgetier wieder. Eine wirklich nette Deko Idee! Schon vom Eingang aus konnte ich erahnen, dass noch nicht wirklich viele Besucher den Weg zum Festival angetreten hatte, ebenso war ich von der Größe des eingezäunten Bereichs ein wenig verwundert, hätte ich vor meiner Ankunft noch gedacht, dass weitaus mehr Menschen erwartet werden.

Leicht gestresst konnte ich mich nicht wirklich auf die einzige englischsprachige Band des Abends einlassen, vielleicht lag es auch daran, dass es überhaupt nicht mein Ding war, was die Jungs auf der Bühne durchgezogen haben. Irgendwie erinnerte mich die Musik an einen kuriosen Mix aus At the Drive-In, Billy Talent, Staccato-Indiedisco-Breaks und Melodic Hardcore. Höchstwahrscheinlich wird die Band von vielen gemocht, mir bleiben sie aber wahrscheinlich nur noch wenige Wochen in Erinnerung.

Als nächstes sollte dann Fatoni die Bühne betreten, der einzige Gast, der musikalisch (fast) ohne Instrumente auskommt und stattdessen mit einer Holztheke anreiste, auf der zwei Turntables standen. Natürlich ist es immer gewagt auf einem Rockfestival einen Rapper auftreten zu lassen und spätestens nach zwei Songs hat sich das leider auch bemerkbar gemacht. Fatoni überzeugte als Entertainer in Gänze, machte seine Späße mit dem Publikum und ließ sich nicht anmerken, dass vielleicht gerade mal die Hälfte der Anwesenden vor der Bühne stand. Meinen vollsten Respekt erhält er aufgrund einer Freestyle Nummer: Der Rapper kletterte von der Bühne auf den Wellenbrecher und nahm alle möglichen Gegenstände aus dem Publikum an, um darüber zu rappen. Ziemlich amüsant und ausgeklügelt kam er ohne irgendwelche Füllwörter aus, wie es bei anderen Freestyle Sessions wohl oft der Fall zu sein scheint. Irgendwann packte er eine Akustikgitarre aus und spielte einen drei Akkord Song mit dem Refrain „Lassen sie mich Arzt, ich bin durch.“ Das fand die Mehrheit anscheinend noch ganz lustig und so bekam Fatoni gegen Ende mehr Applaus als noch im ersten Drittel seines Sets.

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Nachdem die Holztheke wieder von der Bühne getragen wurde ging der Aufbau für die Saarland-Stammgäste Turbostaat ziemlich flott. Zum Glück wurde es langsam ein wenig dunkler. Leider wurde es langsam ein wenig kälter. Ein Datum Mitte/Ende August hätte dem Festival sicherlich gut getan. Nachdem ich Turbostaat schon gefühlte 20 Mal live gesehen habe, lassen sie mich inzwischen leider ein wenig kalt. Der Sound war brillant und hatte Druck, ich kann schon so viel vorweg nehmen: es war der beste Sound des ganzen Tages. Die Setlist war ähnlich wie in den letzten Jahren, die Band spielt nahezu perfekt. Bei den älteren Songs bremsten sie das Tempo, aber auch das bin ich inzwischen gewohnt. Das Zusammenspiel von Geschwindigkeit und fast perfektem Sound nimmt aber genau diesen Liedern das Gefühl, klangen Flamingo und Schwan noch schön punkig und rotzig, klingen eben diese Songs von den beiden ersten Platten der Flensburger heute irgendwie herzlos, was ich sehr schade finde. Nichtsdestotrotz haben Turbostaat gut abgeliefert.

Als Co-Headliner standen dann Pascow auf der Bühne, die einzige saarländische Band an diesem Abend. Wenn Pascow im Saarland spielen, ist die Stimmung immer grandios… Bisher. Leider schossen die Besucherzahlen nicht wirklich in die Höhe, klar, es war inzwischen mehr los als noch um 18 Uhr, trotzdem hätte ich mir ein paar mehr Zuschauer gewünscht. Auswirkungen auf die Stimmung hatte dies insofern, dass sich die ersten 10 Reihen zur Musik bewegten und dahinter nicht wirklich viel passierte. Die Band mit P aus Gimbweiler mit G ballerte sich durch ihr Set und packte unglaublich viele Songs in ihre Spielzeit, alle Achtung! Leider konnte der Sound hier nicht ganz so überzeugen wie bei Turbostaat, die Gitarren gingen teilweise ein wenig unter. Obwohl ich die Person in meinem Freundeskreis bin, die sich am wenigsten mit Pascow auskennt kann ich behaupten, dass die Setliste ziemlich gut gewählt war und vor Hits nur so strotze. Der Band beim spielen zuzusehen macht immer wieder Spaß, selten habe ich eine Gruppe gesehen die nach so langem Bestehen noch so viel Lust hat ihre Songs zu spielen.

Jetzt war es endlich soweit. Die Fehlfarben sollten jeden Augenblick die Bühne betreten und ihr Debütalbum Monarchie und Alltag in voller Länger performen. Lange habe ich mich auf dieses Konzert gefreut. Die Band spielte ab dem ersten Akkord fantastisch, leider musste ich aber feststellen, dass der Sänger genau das Gegenteil macht. Peter Hein, welcher die Texte zu dem grandiosen Erstwerk der Band vor 37 Jahren schrieb, konnte sich wohl kaum noch daran erinnern. Falsche Passagen, fürchterliche Einsatzfehler, Aussetzer und eine Attitüde die vermuten ließ, dass er sich nichts sehnsüchtiger wünscht als von der Bühne zu gehen. Seine Mitmusiker taten mir richtig leid. Ich hätte nicht vermutet, dass sich die Band dazu entscheidet nach einer solchen Darbietung von Monarchie und Alltag nochmals auf die Bühne zu kommen. Herr Hein blieb auch einfach hinter dem Bassverstärker um noch die letzten verwirrten Worte ins Mikrofon zu krakeelen um die Band mit den Worten „So hatten wir uns das nicht vorgestellt“ zu verabschieden. Ob er meine Antwort verstanden hat, mag ich zu bezweifeln. Ich hab mir das nämlich auch ganz, ganz anders vorgestellt. Einige Bands sollten ihre alten Meisterwerke lieber ruhen lassen.

Alles in Allem hat sich das Team vom Rockaway Beach viel Mühe gegeben. Das Gelände ist super geeignet für ein Open Air Festival, hätten die Temperaturen mitgespielt, wären sicherlich auch einige Menschen in den See baden gegangen, eventuell mit einem von 500! kostenlosen alkoholfreien Cocktails. Das Gastronomieangebot war auch ausgereift: Es gab vegetarisch/vegane Stände, Bratwurst, Pommes, Waffeln, Cocktails, Bier, Softdrinks und Schnaps. Ebenfalls ein großes Plus: Es waren überdurchschnittlich viele Sanitäranlagen vor Ort, was bei anderen Festival, vor allem bei der ersten Ausgabe, oft ein großer Kritikpunkt ist. Lediglich die Anbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln war ein Desaster, aber das liegt wirklich nicht in der Macht der OrganisatorInnen.

Ich hoffe wirklich, dass sich die Besucherzahlen nicht negativ auf das Festival auswirken und das Team Lust hat, nächstes Jahr das Rockaway Beach in die zweite Runde zu schicken. Ich freue mich schon darauf den ersten Bestätigungen für das Jahr 2018 entgegenblicken zu können (hoffentlich!!)

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