Vom 29. September bis zum 1. Oktober fand in Dortmund das vierte Way Back When Festival statt. Zentrum des Clubfestivals war wieder einmal das FZW samt Halle und Club, sowie das View im angrenzenden Dortmunder U und die Pauluskirche. Neben Portugal. The Man, Slowdive, Drangsal und Roosevelt gab es noch genüg andere Acts; einiges zum Entdecken, manches ungewollt zum Verpassen.


Los geht es Freitag im Dortmunder FZW. Im kleineren Club spielen gerade Her’s. Vintage-Gitarre, Vintage-Bass und keine Drums. Stattdessen programmierte Beats, zwei zufrieden nickende Typen, schwebende Gitarrensounds und Mac DeMarcos Scheißegalhaltung. Am Ende liegen die beiden auf dem Schlagzeugpodest. Großartig!

Nach einer kurzen Pause sind Fazerdaze dran, Amelia Murray mit Band. Es geht weiter mit LoFi-Indie, etwas Dreampop. Dreiminütige Songs, bescheidene Instrumente, und manchmal dann doch etwas lauter: take it slow zieht sich programmatisch durch das Set. Wo andere an ihrer Eintönigkeit scheitern, gewinnt ihr Amelia etwas ab. Alles ist reduziert, nahezu bescheiden. »Can you hear my guitar?« Diese könnte wirklich lauter sein, es gibt kein Grund für ihre Bescheidenheit. Am Ende hat sie Bock auf Slowdive. Ich auch!

Kurz darauf geht es nebenan in der Halle mit Slowdive weiter. Ihr neues Album ist self-titled, üblicher Weise das erste das eine Band veröffentlicht. Für Slowdive markiert es vielleicht etwas wie einen Neuanfang. Wieso alte Sachen spielen wenn die neuen gut sind? Die meisten die in der Halle stehen konnten Slowdive mit ihren wahnsinnig guten Platten vermutlich sowieso nicht live sehen. Trotzdem ist eine Reunion meist schwierig. Entweder die neuen Songs unterscheiden sich für jahrelange Fans zu sehr von ihren alten und sind sehr gewöhnungsbedürftig oder aber klingen nach eher schlechteren Coverversionen ihrer selbst. Nicht bei Slowdive. Es mangelt an nichts. Der Sound ist eben so wie er sein sollte. Die meisten tanzen mit geschlossen Augen und verlieren sich in wabernden Wellen. Die wall of sound gibt es noch, wenn auch nicht gleich so druckvoll wie bei anderen Shoegaze Bands ihrer Zeit, dafür aber mit prägnanten Melodien (das mag vielleicht daran liegen, dass Slowdive nicht dreißig Verstärker à la Kevin Shields auf der Bühne stapeln). Auch brechen sie mit eingesessenen Bühnenformationen: außen jeweils der Gesang und der Bass in der Mitte.

Der Sonntag beginnt ebenfalls im FZW Club, allerdings diesmal vor der Tür. Gurr ziehen direkt einen Einlassstop mit sich. Macht aber nichts, spricht ja auch irgendwie für sich. Draußen klingt es jedenfalls super!

Weiter zu Drangsal in der Halle. Es ist nicht das erste Mal, dass ich ihn sehe, wahrscheinlich aber das beste. Der Sound ist gut, die Performance sitz und die Band raucht als einzige auf der Bühne. Nicht weil es cool ist, eher why not. Auch die Liveumsetzung überzeugt diesmal wirklich. Im Gegensatz zum Album glaube ich mehr Details und Feinheiten im Gesamtsound wahrzunehmen, stellenweise geht das Elektronische schon in Richtung Electronic Body Music. Zumindest der Druck stimmt. Gabi Delgado würde zumindest grinsen, wenn auch vielleicht über das Outfit: Jogginghose, Unterhemd, keine Schuhe. Der letzte Song ist natürlich wieder For Whom The Bell Tolls von Metallica. Interessanter Weise klingt Max Gruber fast wie James Hetfield, ist dann doch aber irgendwie besser.

Es geht direkt weiter in die Spitze des Dortmunder U in den View Club. Ducktails wurden mir stark empfohlen. Der Club ist recht groß und Ducktails steht alleine auf der Bühne. Alles programmiert, darüber Gesang, Gitarre und eine beachtliche Menge an Effekten. Spricht man wieder von Chorus will man gleich Mac DeMarco nennen, aber es kommt an Sound noch einiges obendrauf. Leider verlassen zwischenzeitig einige den Club während sich die anderen die Ohren zuhalten. Es wird einige dB zu laut und die Höhen gehen kurz ins kaum Erträgliche. Kann immer mal passieren. »Could someone get me a Jägermeister? I will give you a t-shirt. I love this drink.«

Den Abschluss am letzten Tag leitet Roosevelt in der FZW Halle ein. Leider ist nicht mehr ganz so viel los und scheinbar verfallen einige in eine seltsame Sonntagsstimmung. Synthpop, Electro, und teils straighte Beats sorgen trotzdem für ein gelungenes Discofinale. Für mich neben Ducktails die persönliche Neuentdeckung!

Titelbild: © Marcus Wojatschke

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