Da ist es nun also: Camping. Das neue Album von Candelilla wurde erwartet und herbeigesehnt, das letzte ist immerhin schon 4 Jahre alt.

Schnell fallen zwei wichtige Aspekte schon nach Sekundenschnelle auf: Die Songs sind inzwischen nicht mehr mit Zahlen betitelt, der Sound der Platte ist, vor allem im Vergleich zum Vorgänger, um einiges ausgefeilter.

Am Anfang ist es nicht so ganz klar, ob hier jetzt wirklich die neue Platte der Gruppe Candelilla spielt, erklingen recht frohe, verträumte Harmonien aus der Membran des Lautsprechers. Lange soll dieser Zweifel allerdings nicht bestehen, das Intro wird gebrochen und die Musik verfällt direkt in das Bedrohliche. Wie wir es von Candelilla gewohnt sind, üben sie sich in Dissonanz, welche trotz der Kälte eine wohlige Geborgenheit versprühen.

Kratzende Noisegitarren findet der Fan hier immer noch, der Bass und Drums wurden über die Jahre ein wenig gezügelt, sie haben sich angenähert, das Zusammenspiel erprobt und perfektioniert. Nichtsdestotrotz hauen Candelilla dem allgemeingültigen Verständnis von Popmusik mit der geballten Faust in das Gesicht. Natürlich, ab und an gibt es auf Camping Momente, welche leicht verdaubar sind, allerdings erklingen mindestens genauso häufig die geschätzten atonalen Klavierklänge, die gesungenen Wörter bohren sich durch den Gehörhang direkt in das Gehirn, erinnern an Campingsex und Mutter, wenn auch in angenehmeren und nicht ganz so zerstörerischem Gewand.

Candelilla haben es geschafft. Selbst auf ihrem dritten Album, welches nach 16 Jahren Bandgeschichte veröffentlicht wurde, können sie den Status einer ganz besonderen Band aufrecht erhalten, überzeugen mit wahnwitzigen Ideen und haben Hits geschrieben, die keine sein wollen.

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