Code Orange – I Am King

Nach elf Songs ist leider schon Schluss mit diesem kompromisslosen Meisterwerk mit einem, wie sollte es anders sein, langsamen Breakdown, der die Herzen aller Hardcore und Sludge Fans ein letztes Mal höher schlagen lässt.

Vor knapp fünf Jahren war ich für zwei Semester Student einer Ingenieurswissenschaft. Viel ist davon nicht hängengeblieben, doch an eine Sache kann ich mich noch erinnern. Sie stammt aus dem Kurs Werkstoffwissenschaften. Die Definition der Härte: Härte ist der mechanische Widerstand, den ein Werkstoff dem Eindringen eines härteren Prüfkörpers entgegensetzt. Diese Definition kann getrost gestrichen werden, denn Härte wird ab jetzt nur noch durch das neue Album von Code Orange definiert. Die Band aus Pittsburgh, Pennsylvania hat sich vor gut zwei Monaten von ihrem alten Namen Code Orange Kids getrennt und stehen nun mit dem Nachfolger von Love Is Love/Return to Dust in den Startlöchern. Im Vergleich zu diesem ist I Am King deutlich härter ausgefallen, aber dazu später mehr.

Das Album startet mit einem tiefen verzerrten Dröhnen, welches ein wenig an ein Stück von Dream is Collapsing aus Inception erinnert. Danach geht es fulminant los. Der Titeltrack I Am King erweist sich als astreiner Opener. Wilde Gitarrenriffs, dann ein ruhiger Part mit erstem Gesang in Form eines leisen Murmelns. Anschließend setzt auch das Shouting ein. Tempowechsel gibt es gefühlt alle siebzehn Sekunden und mit dem ersten Breakdown nach knapp zwei Minuten bin ich mir sicher, dass dies ein ganz großes Album wird. Unglaublich wie viel Energie und Härte in diesen kurzen Sekunden stecken. Der zweite Song Slowburn macht im Anschluss genau da weiter wo der erste Track aufgehört hat. Während im Hintergrund ein Telefonklingeln zu hören ist reißen Code Orange alles ab, was nicht niet und nagelfest ist. Der Mix aus Hardcore und Sludge ist so düster, böse und derart heftigt, dass jede möchtegernharte Deathcore oder Beatdown Band nur vor Neid erblassen kann. Dabei ist es vor allem bei den langsamen Breakdowns immer ein Tanz auf dem Drahtseil. Nur Nuancen entscheiden hier zwischen genial und einfach nur stumpf und öde, aber Code Orange meistern es perfekt.

Auch gesangstechnisch kann das Album überzeugen. Code Orange sind in dieser Hinsicht eine sehr ungewöhnliche Band aus dem Hardcorespektrum. Es gibt keinen Sänger im klassischen Sinne. Stattdessen übernehmen diesen Part Drummer Jami Morgan, Gitarristin Reba Meyers und ab und an auch der zweite Gitarrist Eric Balderose. Alle erledigen ihren Job wirklich gut. Die angepissten Stimmen unterstreichen den wütenden Sound voll und ganz. Ein weiteres Lob geht an dieser Stelle Produzent Kurt Ballou, auch bekannt als Gitarrist von Converge. Die Platte ist super abgemischt und der kompromisslose Sound kommt auf allen Ebenen zur Geltung. Auch die Gastbeiträge auf I Am King können sich wirklich sehen lassen. Unter anderem auch Scott Vogel von Terror zu hören.

Das ganze Album gipfelt in dem vorab veröffentlichten Track My World. Spätestens an dieser Stelle setzt die totale Zerstörung ein. Dazu leistet auch Eric Schaeffer, seines Zeichens Sänger bei Unit 731, mit seinen Guestvocals einen großen Beitrag. Dass ich nach diesem Song überhaupt noch in der Lage bin diese Zeilen zu tippen und nicht vorher vor lauter Wut meine Tastatur ins Nirvana befördert habe grenzt an ein Wunder. In Sachen Härte steckt I Am King seinen Vorgänger locker in die Tasche. Dass die Band aber auch eine andere Seite hat wird in Dreams in Inertia gezeigt, welches im Vergleich zu den meisten anderen Stücken deutlich entspannter daherkommt. Ruhige und melodiöse Klänge und cleaner Gesang sorgen für ein gelungenes Zwischenspiel, welches abermals mit einem so langsamen Sludge Part abgeschlossen wird, dass man fast vergisst den Kopf beim Headbangen wieder nach vorne zu bewegen. Crowbar wären stolz auf euch.
Nach elf Songs ist leider schon Schluss mit diesem kompromisslosen Meisterwerk mit einem, wie sollte es anders sein, langsamen Breakdown, der die Herzen aller Hardcore und Sludge Fans ein letztes Mal höher schlagen lässt. Dieses Album wird auf jeden Fall noch einige Durchläufe erhalten und steht auf der Liste meiner potentiellen Alben des Jahres ganz oben.





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