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Nach einer ganzen Reihe von Singles und Splits bescheren uns die Münchner Postrocker Duct Hearts ihr langerwartetes, erstes Album „Feathers“.

Was Duct Hearts von den meisten anderen Genrekollegen abhebt ist, dass hier nicht wie üblich ausschließlich mit Instrumenten, sondern auch mit Gesang gearbeitet wird. Dabei ist ein wirklich abwechslungsreiches Album entstanden, das seine Spannung vor allem durch die zahlreichen Ausflüge in verwandte Genres erhält und sich das Stilelement des Stimmungsaufbaus wirklich gekonnt zu Nutzen gemacht hat.

Der Opener und Titeltrack lässt bereits in den ersten Sekunden Feedbacks durch den Raum fliegen, die sich nach und nach in eine Melodie verwandeln. Erste Gitarrentöne mit leichtem Delay treten hervor, bis ewig zu klingen scheinende, fette Akkorde vorpreschen und die superangenehme Stimme des Sängers zum Vorschein kommt. Bevor es zu harmonisch wird, werden druckvolle, etwas dissonante Töne angeschlagen, die aufgebaute, verträumte Stimmung wird fast zum Fiebertraum gesteigert und kurz vor der Schmerzgrenze wieder durch die positiven Töne des Mainriffs abgelöst. Der Einstieg ist hiermit gänzlich geglückt. „Spinae“ täuscht mit einem leichten Wink in den Shoegaze an, ergießt sich dann aber schnell in mächtigen Gitarrensound voller tiefer Melancholie. In einem unverzerrten Gitarrenpart wird sanft und stimmig gesungen, bis ein derber werdender Part die Posthardcore-Wurzeln der Band erahnen lässt, der sich auch wunderbar in den Song einfügt. Es folgen kürzere, stets variierende Einzelparts die am Ende in einen mehrstimmigen Chor vor fetter Gitarrenfassade münden. Das kurze aber bündige „Cera“ schafft es in nur gut zweieinhalb Minuten mehr zu sagen, als manche Postrocksongs in einer Viertelstunde. Effektbeladene Gitarre und ein Snare-Marsch leiten zu einem schwer melodischen Chorus über. Für die Kürze ein ganz schönes Brett, muss man schon sagen. „Hide“ kommt anfangs völlig ohne Zerre aus und wirkt durch die umherschweifenden Sounds angenehm balladesk. Erstmals bekommt der Bass mehr Präsenz und treibt das Stück im Hintergrund voran, während die Drums ein leicht vertracktes Muster vorgeben. Die Rhythmusfraktion steht hier wie eine Mauer. Ein Part der nur aus mehrstimmigem Gesang und Bass besteht sorgt für echte Gänsehaut, wird dann aber wieder in Richtung Postrock umgeleitet. Das ultrageile, gedoppelte Riff von „Piuma“ darf kurz Stimmung verbreiten, bevor zum ersten Mal der Metal Einzug in das bisher zurückhaltende „Feathers“ hält und hier ordentlich Druck macht. Rückblickend hätte man sich schon früher ein wenig mehr Härte gewünscht, sie steht dem Album nämlich wirklich sehr gut zu Gesicht. Der Gesang ist so sanft wie immer und auch hier hätte ein bisschen Geschrei keineswegs geschadet, aber das soll hier keine Kritik bedeuten. Die Stimmung wirkt durch einige „geheimnisvoll“ klingende Töne etwas paranoid und psychedelisch und die Parts um den epischen Chorus lassen Vergleiche zum Sound von Pink Floyd zu. Sehr geil, aber der Vogel wird erst mit „Shell“ gekonnt aus der Luft geholt. Das eindeutig intensivste Stück Musik hat sich ans Ende der Platte gemogelt. Hier wird reinster Post- bzw. Emohardcore zelebriert und das in Form eines wirklich betörenden Riffs. Klar, das Stammgenre lässt nicht besonders lange auf sich warten, wird hier aber durch aufrüttelnde, rhythmische Parts veredelt. Es wird kurz ruhiger und verspielter, der doppelstimmige Gesang hilft beim Aufbau eines superdramatischen, emotionalen Finales und lässt uns zufrieden zurück.

Das Vinyl ist übrigens ohne jegliche Mängel und in jeder Hinsicht super verarbeitet. Ganz besonders ist der Klang im Vergleich zum Stream zu erwähnen. Wenn man das Album mit dem bestmöglichen Klang genießen will, sollte man einen Plattenspieler besitzen.

Ganz frisch erscheint übrigens gerade eine weitere Split-Veröffentlichung der Duct Hearts mit den Kanadiern von TDOAFS im ungewöhnlichen 6“-Format. Die Münchner hauen mit „Enduring War“ einen astreinen, sehr ausladenden und fetten Postrocker, die Kanadier mit „Kids“ einen etwas sperrigen, aber sehr melodiösen Posthardcoresong raus. Auch hier ist die Qualität von Scheibe und Artwork hervorragend. Möglich gemacht wurde das Kleinod übrigens von ZILPZALP RECORDS (D), TIME AS A COLOR (D), DASEIN RECORDS (DEN), CIVIC DUTY (AUS), DON‘T LIVE LIKE ME RECORDS (US), DINGLEBERRY RECORDS (D), À FOND D’CALE (F), HARDCORE FOR THE LOSERS (A) und ADORNO RECORDS (UK).

Duct Hearts präsentieren ihr neues Album „Feathers“ exklusiv im Stream

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