Wenn man das zweite Album der noch jungen Band aus England hört, könnte man meinen, dass die Sonne wirklich bald erlischt. Doch so ganz hoffnungslos sind Employed To Serve wahrlich nicht. Sie bieten sogar Lösungsansätze.

Im Sommer letzten Jahres stimmten die Bewohner der Insel mit knapper Mehrheit für einen Austritt aus der EU. Viele erhofften sich dadurch mehr Unabhängigkeit, dass es mit der Wirtschaft bald aufwärts geht. Aber der andere Teil der Wählerschaft war sich ungewiss. Sollte die Abspaltung wirklich ein Neuanfang sein? Bis heute ist nicht ganz klar, in welche Richtung die einstige Weltmacht Großbritannien rudern wird.

Das zweite Album von Employed To Serve beginnt mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch. All den Frust, der sich über Jahre aufgestaut hat, wird einem beim Opener „Void Ambition“ regelrecht entgegen gebrüllt ohne Rücksicht auf Verluste. Chaotisch und zerfahren, aber mit einem Mördergroove geht es im zweiten Song „Good for Nothing“, zu dem ein Video gedreht wurde, weiter. Hier zeigen sich erstmals auch ein paar fein eingestreute Melodien. Und die Band zeigt zum ersten Mal, wo die musikalischen Einflüsse liegen. Eine ähnliche Herangehensweise hatten schon einige Anfang der 2000er Jahre, die den Begriff Mathcore geprägt haben.

Im dritten Song „Platform 89“ gibt es tatsächlich auch ruhige Momente, die trotzdem sehr düster daherkommen. Und hier fühle ich mich an zwei meiner Lieblingsbands aus Sacramento, Kalifornien erinnert. Und das meine ich sehr positiv. „Lethargy“ bestätigt diesen Eindruck, wirkt anfangs sehr atmosphärisch, um dann wieder zwischen Chaos und Groove hin und her zu pendeln.

Die folgenden Songs halten sich wieder verstärkt an die groovigen Parts bis es in den Titelsong übergeht, der das Album sehr gut widerspiegelt. Anfangs noch zerfahren, mündet das sechseinhalb minütige Stück in einem post-rockigen Part, bei dem einer der beiden Gitarristen mit ebenfalls durch Mark und Bein gehenden Vocals im Vordergrund steht.

Die letzten drei Stücke führen die Vorherigen fort, jedes mit einem etwas anderen Schwerpunkt. Hier ist der Schlusspart von „Half Life“ nochmal hervorzuheben, der sehr dramatisch wirkt und „Apple Tree“, der mit melodischem Gesang aufwartet.

Für das zweite Album wirkt „The Warmth of a Dying Sun“ sehr reif. Man merkt der Band das häufige Spielen an. Der Sound drückt, technisch gibt es nichts zu meckern und die einzelnen Stücke wirken abwechslungsreich und haben fast immer eine Überraschung bereit. Employed To Serve haben schon vieles erreicht und rufen nun die Menschen auf, etwas zu ändern.

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