Kaum ein Tag ohne ein neues Duo. Kaum ein Tag ohne eine neue Sensation am Pop Firmament. Kaum ein Tag ohne den nötigen Verweis auf die 80er und ihrem beharrlich anhaltenden Einfluss auf das Tagesgeschäft aller Musikredakteure.

Umso seltener die Tage, an denen man die Starttaste seines iPods drückt und mit den ersten erklingenden Tönen eines Albums spürt, einem ganz und gar magischen Moment beiwohnen zu dürfen.

Das Ehepaar um Schauspielerin Aleksa Palladino und Multitalent Devon Church erschafft solche Momente und macht Musik für Leute, die nach einem Film noch bis zum Ende des Abspanns bleiben. „Exit Music (For a Film)“. Radiohead standen Pate für diesen Bandnamen und finden sich mehr als ebenso offensichtlich in den leicht verfremdeten Harmonien von „Creep“ im wunderbaren „Storms“ wieder. Exitmusic schmeißen jedoch mit vollen Händen so viele Goodies in diesen dunkel schimmernden, melodramatischen und herzzerreißend hoffnungslosen Abschiedsgesang, dass einem einfach die Lust vergehen muss, nach Referenzen in anderen Bands zu suchen.

Hier kann eh kein Vergleich wirklich der Einzigartigkeit Ausdruck verleihen mit der dieses Duo die Dunkelheit des New Wave, die Melodramatik des 80er Pop und die Schwerelosigkeit des Shoegazer mit dem Sound der Neuzeit in Einklang bringt und damit einen nebulösen und wehmütigen Bastard aus Synthie Arrangements und verhallten Gitarrenteppichen geschaffen hat über dem Frau Palladino mit ihren wahnsinnigen Klageliedern thront. Verzerrt, verhallt und unwirklich singt sie mit großem Gestus dem Ende einer ewigen Nacht entgegen, bittet um Beistand aus der Unterwelt und fiebert im Traum vom Ende aller Zeit.

„Hold back the pain of life“ heißt es im fulminanten Opener „Passage“ und auch am Ende des Albums angelangt, hat sich die Stimmung kaum erhellen lassen und muss sich lediglich mit „Sparks of light“ begnügen, die würdevoll den Abschluss eines kompositorisch und dramaturgisch überzeugenden Einstandes in die Twilight Zone des Pop einläuten und dieser kompromisslos romantischen Verklärung des Lebens und der Geister darin kaum einen besseren Ausklang liefern konnten.

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