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Zeitloser Progressive-Rock einiger schwedischer Urgesteine – so darf der zweite Frühling klingen.

LP kaufen Vö: 22.09.2017 S-Rock Music Production

Die Future Elephants? bestehen aus einigen schwedischen Musikern, die im Laufe ihrer Karriere schon mit mehr oder weniger großen Bands durch die Lande gezogen sind. Leadsänger und Gitarrist Roger Holegard war in den 1970er Jahren Mitglied bei den Hardrockern „Neon Rose“ und bei den Jazzrockern von „WASA EXPRESS“ und kehrt mit seiner aktuellen Band wieder zu seinen Wurzeln zurück. Dabei gelingt es ihm und seinen Mistreitern nicht nur, völlig unverstaubt und modern, sondern auch gleichzeitig authentisch zu klingen. Was jetzt verquer klingt, lässt sich wie folgt erklären: Das Album wirkt musikalisch, also sei es in den Siebzigern entstanden, aber erst 2017 aufgenommen worden.

„Damaged Child“ schält sich ganz langsam aus einem leisen, melodischen Gitarrenlick, das nur von hellen Klaviertönen und einigen Beckenschlägen getragen wird. Während Holegard noch leise haucht, baut sich immer mehr Druck auf und mutiert zum klassischen, fetten Progrocker. Die Gitarre klingt dabei ein bisschen moderner als seinerzeit, recht trocken und direkt und wird genau wie der Gesang zunehmend härter und rockiger. Spitze, kernige Riffs beschwören einen Solopart herauf, bei dem die doppelstimmigen Gitarren vor ihrem bluesrockigen Hintergrund an die Ikonen von Wishbone Ash erinnern. Am Ende heult ein Kind, was etwas verstörend wirkt, aber natürlich inhaltlich absolut dazu passt. „The Tide Is Rollin‘ In“ ist eher im Heavyprog zuhause und klingt mit dem coolen Bass-WahWah-Riff schon sehr Britisch, vielleicht am besten mit Uriah Heeps „Very eavy, very umble“-Album zu vergleichen, nur erheblich nüchterner produziert. Die Gesangsstimme hat zudem einen Ticken mehr Schmiss als im Opener, was sich hier besonders gut macht. Das eher psychedelische „Ivory Dance“ beginnt ein wenig dezenter und balladesker, bevor satte Distortion und sehr direkte Drums recht eingängige, progressive Melodien nach vorne peitschen. Vor allem die Verwendung von Bariton-Gitarren kann hier als absolut positive wie ungewöhnliche Innovation verbucht werden, es fehlen zum Glück die oftmals in diesem Genre zu dick aufgetragenen Keyboards. Bei „In This Town“ hört man Samples eines Linienbusses, bevor ein mit Pink Floydscher Psychedelica gespicktes Bluesgewand angelegt wird. Es geht ordentlich voran, bluesige und progressive Ausbrüche geben sich die Klinke in die Hand, trotzdem passt alles wunderbar zusammen. Der Skit „Sundown in Matobo N P“ ist einfach nur seltsam, es spricht jemand in einer Sprache die ich aufgrund der Bandherkunft messerscharf kombiniert als Schwedisch bezeichnen würde. Nun, warum nicht?

„November Pain“ hat selbstverständlich nichts mit der schmalzigen Pianoballade einer amerikanischen Stadionband zu tun, sondern eher mit finsterem, harten Heavyprog, wie ihn seinerzeit die großen Black Sabbath gemacht haben. Zwischendrin wird es mal ruhig und schweifend, es taucht sogar mal ein Synthesizer auf, der hier allerdings gar nicht als störend empfunden wird. Ein leichter Wandel hin zum Bluesrock wird gen Ende des Stücks vollzogen und gibt dem Ganzen eine ganze Kelle Coolness mit. „And The Mountain Kissed The Sky“ mit wanderndem Bass und geilem Riff erinnert wieder ein bisschen an Wishbone Ash mit einem Gruß an frühe Deep Purple. Erst recht aufgeregt, dann wieder etwas ruhiger und ausschweifender. Gegen Ende spricht eine Frauenstimme mahnende Worte auf Deutsch, was mich zugegeben ein wenig erschreckt hat. Der Schreck war aber nicht von Dauer, keine Sorge. Groovigen Hardrock gibt es bei „Don’t Raise That Gun“, der sich vielleicht ganz gut mit „The Sweet“ zu Zeit von „Off The Record“ vergleichen lässt. Das Ding macht Spaß, man möchte sich bewegen! Für Abwechslung sorgen wechselnde, knackige Riffs und Ausflüge in den klassischen Progrock.

Etwas einfacher bzw. weniger komplex kommt „The Pilot“ daher. Langsam, bedächtig, aber sehr stimmungsvoll, die obligatorisch gewordenen Rockausbrüche lassen nicht lange auf sich warten. Leichte spätsechsziger Psychedelic Rock Anleihen blitzen hervor, Melodien überschlagen sich förmlich, an der Temposchraube wird in beide Richtungen gedreht. Ein wirklich schönes und passendes Finale. „4U9525“ ist ein Piano-Outtro mit Vogelgezwischer. Ja…

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