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Die Energie von Brian Setzer, den Charme von Gene Vincent und die Leidenschaft von Roy Hawkins!

Wenn es genetisch möglich wäre dass Brian Setzer und Roy Hawkins Kinder bekommen würden (und ich bin mir sicher dass diese musikalisch hochgradig talentiert wären) dann wären es mit Sicherheit Vierlinge geworden…und zwar die aktuelle Viermann-Besetzung der Jungs von Hole In The Head, die aus Sasse Savolainen (vocals, guitar), Brother Andy Liukko ( harmonica, saxophone, guitar, backing vocals), Tony Lehto (upright bass, backing vocals) und Joonas Hiltunen (drums) besteht.

Gegründet wurde die Band 1997 in Kuopio/Finnland von Sänger und Gitarrist Sasse Savolainen, der auch der Mann hinter den Songs ist.

Seit 1997 haben sie zusammen eine bewundernswerte musikalische Entwicklung durchgemacht und aus anfänglich Garage-Punk Tönen, die sich mit einem Schuss Rockabilly kombinierten, entwickelte sich nun eine Art heilige Dreifaltigkeit ihres Sounds, indem sie mehr denn je aufzugehen scheinen: Rock´n´Roll – Rythm´n´Blues – Country. Ein ausserordentlich gutes Rezept für ein fulminantes, vor Kraft nur so stompendes, aurales Erlebnis.

Es ist kein Wunder, dass sich die Jungs schon mit Größen wie Slim Jim Phantom Trio und The Coffinshakers die Bühne teilten.

Nach ihrem letzten Studioalbum „Primitiv Love“ (Sasse & Andy Productions/ 2015), welches großen Anklang fand, legen sie jetzt mit 7″ Single „Before Closing Time“ nach. Die Single ist ab sofort erhältlich.

Auch diese Platte wieder produziert von Sasse & Andy Productions …fleißig fleißig die beiden.

„Before Closing Time“ ist eine 2-Track lange/eher kurze 7″, die im puren Rockabilly Herzen sorgfältig gezüchtet wurde und sich vollends dem Rock`N´Roll, des Rythm´n´Blues und Country verschrieben hat. Kurz: Ja! Ergiebig: Auch ja !!

Die A-Seite fängt mit „Before Closing Time“ an. Gediegene 174 Sekunden feinster Stoff aus den Träumen aller Seelen, die sich wünschen, noch einmal in feinster Country-Montur in einer alten, mit einer Jukebox verzierte, scheunenartige Bar voller Cowboyhüten, das Tanzbein schwingen zu lassen.

Die Stimme klar und kontrolliert. Eine Geschichte erzählend. Die Drums unaufdringlich, minimal, entschlossen, genau richtig. Die sechs Saiten der Gitarre erfreuen sich eines Vor-Sich-Hin-Schreitendes Blues-Schemas. Die Mundharmonika erst akzentuiert, dann auf dem Höhepunkt des Songs kommt sie gediegen mit einem Solo vorbei, haucht dir Flirtereien ins Ohr, lädt dich auf ein Bier ein und verabschiedet sich dann von ihrem großen Auftritt und fügt sich wieder dem Strophen-Bann zu. Ein Song der definitiv bewirkt mehr hören zu wollen mit einer gewissen Spannung, also zakk, Platte umgedreht und weiter gehts mit „Holehead City Crossroads“.

Ohne weitere Umschweife schmettern die Drums sofort n schnellen Beat los, der mit Sicherheit die faulsten und arthrosesteifsten Beine aufspringen lässt um ne flotte Sohle aufs Pakett zu legen.

Die Gitarre lässt nicht lange auf sich warten und steigt solo-artig ein und macht beim zurückfahren Platz für ein grandiosen Saxophoneinsatz. Sowieso scheinen hier Saxophon, Gitarre und Mundharmonika mehr denn je Hand in Hand in Hand zu gehen um sich respektvoll die Zügel zu teilen auf dem Weg zu einem runden, rollenden, unaufhaltsamen, nicht langweilig werdenden Song der sich „Rockabilly “ auf die Brust tättowiert hat.

Aber so sehr ich ihren Sound schätze, so muss ich doch gestehen etwas zu vermissen. Etwas unikales. Die eindeutige und unwiderlegbare Präsens der eigene Note.

Man genießt die Single und kommt nicht umhin, dass sich Assoziationen breitmachen, die dich an wunderbare Menschen denken lassen, die dir bei dem Sound in den Sinn kommen und deine Rockabilly Vene pulsieren lässt. Carl Perkins, Roy Hawkins, Brian Setzer, Warren Smith.

Aber all diese wunderbaren Namen haben/hatten ihr eigenes Ding am Laufen und gerade das vermisse ich hier. Dennoch scheint ihr Sound die magische Wirkung einer Zeitmaschine zu haben…mach die Platte an, Augen zu und du findest dich Mitte der ´50er wieder, um dich herum swingende Menschen mit prächtigen, von Pomade durchtränkte Haartollen, wirbelnde Petticoats, rauchende Creepers und schwarze Lederjacken…im rechten Arm Gene Vincent und im linken Sonny Burgess.

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  • 7/10
    Autor Matthias Prawinski - 7.0/10
7/10

Kurzfassung

Man genießt die Single und kommt nicht umhin, dass sich Assoziationen breitmachen, die dich an wunderbare Menschen denken lassen, die dir bei dem Sound in den Sinn kommen und deine Rockabilly Vene pulsieren lässt. Carl Perkins, Roy Hawkins, Brian Setzer, Warren Smith.

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