Hydra Head Records – Ende nach 17 Jahren!

Ironie ist was böses. Gerade diese Woche, die voll ist mit Rettungsschirmen, Finanzspritzen und -krisen. Länder und Banken werden gerettet und von Staaten der Gemeinschaft unterstützt, weil sie es nicht schaffen, ihr Geld beisammen zu halten. Nun, so eine Wohltat darf Hydra Head Records wohl nicht erwarten.

Nach fast zwei Jahrzehnten im Geschäft schließt das Label nun endlich seine Pforten. Zu den Veröffentlichungen zählten unter anderem Platten von Botch, Converge, Neurosis, Merzbow oder Old Man Gloom – allesamt bekannte Namen, wenn auch vermutlich nicht bekannt genug: Denn vor allem finanzielle Schwierigkeiten die „ziemlich beträchtlichen Schulden“ dürften ausschlaggebend gewesen sein, dicht zu machen – kein Wunder in diesen eh schon schwierigen Zeiten, bei einem Label, das nun wirklich keinen Pop veröffentlicht hat.

Das Musikgeschäft ist in all seinen Ausprägungen im Wandel, das trifft Labels wie auch Verlage und Bookingagenturen vor allem jenseits des Mainstreams. Während der Plastikpop der Majors trotz Schwierigkeiten gemessen an der Qualität Umsätze jenseits von gut und böse generiert, sieht es anderswo schlecht aus. Denn trotz aller alternativer Vertriebsmethoden, Konzerteinnahmen und einer loyalen Fanbase: Musik ist fast immer auch Musikindustrie, und in der Industrie geht’s um Geld, ob man will oder nicht. Nicht zuletzt müssen hart arbeitende Mitarbeiter bezahlt werden. Für Kreativität, Visionen und Idealismus ist da nicht immer viel Platz, wenn man mit Musik Geld verdienen muss oder will. Da gibt’s dann keine großzügige Finanzspritze von beispielsweise der GEMA, wenn mal was daneben geht und wie in diesem Falle mehr Idealismus denn Profit vorhanden ist: „Years of imbalance between creative ideals and financial realities, personal problems amongst the label operators, an unwillingness to compromise our aesthetic standards, a tendency towards releasing challenging (i.e. unmarketable) artists, and the steady decline of the music industry in general, are amongst the chief reasons for our inability to continue.“

Anders als im Falle des andere großen Pleiteunternehmens dieser Tage (Griechenland) geht der normale Betrieb von Hydra Head Records noch bis ultimo Dezember weiter, dann ist endgültig Schluss und nur noch die vorhandenen Überreste werden verwertet. Und ebenfalls anders als im Falle Griechenland geht, um halbwegs unbeschadet aus der Pleite hervorzugehen, jetzt der große Ausverkauf los: „In order to do this we are initiating a massive sell-off of everything we can dig up and produce for the next 6-12 months. This will include discounted bundles of CDs/LPs/posters/etc, represses of certain titles for which we still have parts, test pressings, and whatever worthwhile items we can pull together.“ – So bitter es ist: für Fans wird da vermutlich auch das eine oder andere Schnäppchen im Angebot zu finden sein.

www.hydraheadlines.blogspot.de



3 Kommentare zu diesem EintragKommentar schreiben
  1. bitter! da hab ich mir gerade erst die schöne doku “blood, sweat & vinyl” zugelegt und dann das! :(

  2. Geht uns genauso, Johanna :-(

  3. es trifft immer die falschen!

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