Interview am 12.04.2015 mit Eric Jernigan von City Of Ships

Als ich pünktlich zum verabredeten Termin in den Panik Room in Essen ankam, waren noch Junius mit dem Soundcheck zugange. Ich erblickte Eric Jernigan wie er emsig neue Saiten auf seine Gitarre aufzog. Die anderen Zwei Jungs von City Of Ships wirkten auch sehr beschäftigt und irgendwie war eine leicht gestresste Atmosphäre deutlich spürbar. Es war kurz nach 19:00 und offenbar war der Zeitplan für den Auftritt (aus welchen Gründen auch immer) etwas aus den Fugen geraten. Wenig später kam der sympathische Eric Jernigan mit freundlichen Worten auf mich zu. Es würde mit unserem Interview-Termin etwas später werden da sich der Soundcheck etwas länger hinzog, sagte Eric mit einem Lächeln. Also verabredeten wir uns für 19:45 draußen vor dem Panic Room. Wer den kleinen aber unglaublich einladend und urig wirkenden Laden im Herzen Essens kennt, der wird wissen, dass im Eingangsbereich eine kleine Terrasse mit Tischen und Stühlen ist. Ich setzte mich also an diesem sonnigen Sonntagabend dorthin und wartete. Um kurz vor 20:00 erschien Eric Jernigan mit einem freundlichen „sorry…nice to meet you“ und setzte sich zu mir an den Tisch. Es konnte also losgehen…

PiN: Hallo Eric, erst einmal herzlich Willkommen und Danke für die Möglichkeit ein Interview mit Dir zu führen. Herzlich Willkommen in Europa. Wie fühlt es sich an mal wieder hier zu sein?

Eric: Ja, großartig! Es ist unsere 4. Europa-Tour und wir sind froh wieder hier zu sein. Das letzte Mal liegt ja schon wieder Jahre zurück.

PiN: Vor ein paar Tagen habt ihr das berühmte Roadburn Festival in den Niederlanden gespielt. War es schwierig vor diesem mehr Post-Metal und Stoner Rock lastigem Publikum zu spielen? Eure Musik ist ja durchaus anders…

Eric: Das stimmt. Es war nicht wirklich schwierig. Wir spielten im O13 in Tilburg mit einigen anderen Bands mit denen wir befreundet sind und die deutlich weniger düster und Metal mäßig als die typischen Roadburn Headliner sind. Es ist wirklich schön das wir in diesem Mix aus unterschiedlichen Stilen dabei sein konnten. Als wir spielten war der Saal gut gefüllt und es sah so aus, als ob die Leute es wirklich mochten. Für uns war es eine großartige Erfahrung.

PiN: Euer neues Album „Ultraluminal“ ist draußen und ich finde es wirklich unglaublich intensiv…

Eric: (Lacht) Du hast die erste deutsche Kritik dazu geschrieben, oder?…Danke dafür.

PiN: Ja, ich höre darin so viele Einflüsse aus den 90ern wie Quicksand, Failure oder Handsome…

Eric: Oh ja Handsome…leider haben die nur ein Album veröffentlicht…

PiN: Wen würdet ihr als Einfluss auf Eure Musik nennen?

Eric: Es ist ein wirklich interessanter Prozess diese vielen verschiedenen Plattenkritiken zu lesen und das, was die Schreiber in unserer Musik so alles hören. Ich denke, unsere Einflüsse haben sich nicht geändert und sind immer noch die selben wie vor Jahre. Für „Ultraluminal“ wollten wir aber mehr Uptempo Stücke schreiben…

PiN: Es scheint, als seien Eure Post-Rock Einflüsse weg, oder?

Eric: Das war anscheinend ein unterbewusster Vorgang. Durch unsere vielen Touren sind die Post-Metal oder Post-Rock Elemente immer weniger geworden. Wir haben auch festgestellt, dass es so viele Bands in diesem „Post“ Sektor gibt aber doch eher wenige, die ehrliche kraftvolle „straight forward“ Rockmusik machen. Und wir mögen alle diesen 90er Jahre Sound der ja fast schon Mainstream geworden ist. Wir sind damit aufgewachsen. Es war also ganz natürlich, dass diese Änderung im Sound passierte.

PiN: Wie sieht bei Euch die Produktion eines Albums aus? Kommt ihr mit fertigen Songs ins Studio oder entsteht auch vieles erst während der Aufnahmen?

Eric: Die Musik ist eigentlich komplett fertig wenn wir ins Studio gehen. Es passiert aber manchmal, dass wir die Lead Gitarre oder einen Basslauf noch einmal ändern wenn einer von uns im Studio plötzlich noch einen guten Vorschlag hat. In der Vergangenheit war es auch so, dass nicht alle Gesangmelodien und Texte komplett fertig waren. Da war die Frage „Wo soll der Scramo Part hin?“ oder „Was könnte ich hier noch singen?“. Das war bei den Aufnahmen zu „Ultraluminal“ anders. Dieses Mal habe ich für alle Songs Demos aufgenommen und wusste im Studio genau, was ich tun musste. Das hat den Aufnahmeprozess deutlich entspannter gemacht. Ich finde auch, dass die Vocals auf unserem neuen Album dadurch deutlich besser sind. Es ist für uns wie eine verrückte Lern – Erfahrung, weil es drei Alben gebraucht hat bis wir begriffen haben, dass das mit Demos doch deutlich einfacher funktioniert.

PiN: Wie war es zum wiederholten Male mit Andrew Schneider als Produzenten zu arbeiten?

Eric: Er ist einfach ein fantastischer Typ. Er hat unsere ersten beiden Alben gemacht. Es gab wirklich nicht den Plan, ein Drittes Album mit ihm zu machen. Nicht weil wir schlechte Erfahrungen mit ihm gemacht haben, sondern weil wir dachten ein Wechsel auf dem Produzenten Stuhl wäre nicht schlecht. Aber dann traf ich Andrew in einer Bar und wir redeten über unsere Vorstellungen bezüglich „Ultraluminal“. Wir wollten es deutlich „Heavier“ gestalten und weniger Soundspielereien haben als noch auf unserem letzten Album „Minor World“. Bei „Minor World“ gab es sehr viele kurzfristige Entscheidungen im Studio und viele Sound Experimente. Damals spielten wir nicht über unser eigenes Equipment sondern über Studio-Equiqment. Das war für uns damals vollkommen ok, aber das wollten wir bei den kommenden Aufnahmen anders machen. „Ultraluminal“ entstand mit unseren eigenen Verstärkern und Effekten. Aber auch darauf hörst Du auch ein paar feine Effekt Spielzeuge.

PiN: Das wundervolle Cover-Foto von „Ultraluminal“ stammt von dem Fotografen Andrew Weiss der u.a. schon mit Pelican, Caspian und Rosetta zusammengearbeitet hat. Wie kam es dazu?

Eric: Wir trafen Andrew auf unserer ersten Europa Tour. Damals tourten wir mit Rosetta und die haben Andrew als Tour – Fotografen engagiert. Wir waren also 2 Wochen gemeinsam unterwegs und wurden sehr schnell Freunde. Immer wenn er heute mal in New York ist, treffen wir uns bei mir, hängen gemeinsam ab und reden. Wir sind richtig gute Freunde geworden also war es nur normal, dass Andrew unsere erste Wahl war.

PiN: Wie ist so eine lange Europa Tour für Euch? Ich meine den finanziellen und auch den persönlichen Aspekt. Ist es nicht hart, wenn man so lange ohne Familie, Freundin und Freunde unterwegs ist?

Eric: Ja, das ist richtig. Es ist eine verdammt lange Tour und wir alle haben Frauen oder Freundinnen die jetzt zuhause sitzen. Aber sie unterstützen uns sehr mit unsere Musik und verstehen es absolut dass wir als Band gerne live spielen. Das ist leider nicht immer so in diesem Business und wir sind verdammt dankbar, dass wir zuhause diesen Rückhalt haben. Das finanzielle Risiko einer solchen Tour ist natürlich sehr hoch für eine Band unserer Größe. Aber wir gehen nicht auf Tour um Geld zu verdienen und wir nehmen auch keine Platten auf, um damit reich zu werden. Wir machen das alles, weil wir es lieben den Menschen unsere Musik zu präsentieren und weil so eine Tour einfach auch immer ein Riesenspaß ist. Wir sind natürlich unheimlich dankbar, dass die Leute zu unseren Shows kommen, wir gute Rezensionen zu unseren Alben bekommen und dass unsere Platten gekauft werden. Aber wir sehen die Band nicht als Job zum Geld verdienen. Wir werden das Ganze so lange machen wie wir möchten. Es macht jedenfalls viel Spaß – und das ist wichtig.

PiN: Was machst Du denn „Hauptberuflich“?

Eric: Zu Hause? Ich habe verschiedene Jobs. Ich arbeite in einem Café und das witzige ist, dass Joel von Junius da auch arbeitet. Wir haben eine Menge Spaß bei der Arbeit. Und außerdem arbeite ich mit Michael von Junius zusammen in einer Produktionsfirma. Du siehst, diese Tour mit Junius ist wie ein großes Familientreffen und wir haben eine Menge Spaß zusammen.

PiN: Ihr eröffnet nun jeden Abend die Show für Junius. Wie reagieren die Menschen auf Euch?

Eric: Es läuft bis jetzt einfach großartig. Wir haben sehr, sehr viele Crossover Fans zuhause die sowohl Post-Metal als auch unseren Sound lieben. Und auf den letzten Touren die wir in Europa gemacht haben, habe ich immer viele Junius T-Shirts im Publikum gesehen. Also, Du siehst – das funktioniert hervorragend (Lacht).

PiN: Eine letzte Frage: Hast Du den neuen Failure Song „Hot Traveller“ schon gehört?

Eric: Oh Mann, ich weiß dass der Song vot kurzem veröffentlicht wurde aber ich habe ihn noch nicht gehört. Ich kann Dir auch sagen warum. Unser Drummer will ihn mir die ganze Zeit vorspielen aber da wir keine anständigen Lautsprecher zum Hören mit auf Tour haben möchte ich den nicht hören. Ich möchte den Song in Ruhe über eine gute Anlage hören und nicht über schlechte Lautsprecher im Tourbus. Ich liebe Failure und will mir den ersten Kontakt mit dem neuen Song nicht versauen (Lacht).

Wir verabschiedeten uns und Eric verschwand ins Panic Room. Wenig später legten City Of Ships dann mit einer unbändigen Energie los. Es waren zu dem Zeitpunkt etwa 20 Zuschauer da die leicht irritiert Richtung Bühne starrten.Offenbar war nicht nur mir nach 10 Sekunden klar, dass der Sound absolut miserabel war. Schlagzeug und Bass dominierten den Soundbrei in einer Lautstärke, die für das Panic Room einfach viel zu hoch war. Ich meine, der Laden ist gerade einmal etwas größer als ein Wohnzimmer und das Schlagzeug wäre auch ohne Mikrofonierung laut genug gewesen. Die Gitarre von Eric Jernigan ließ sich nur erahnen und selbiges galt auch für seine tolle Stimme. Wie dem auch sei, die Band spielte sich durch einem schönen Querschnitt aus ihren letzten 3 Alben und nach etwa 40 Minuten war alles vorbei. Ich war wirklich enttäuscht. City Of Ships gehören einfach zu meinen absoluten Lieblingen, aber wenn der Mann hinter dem Mischpult so einen Sound fabriziert ist das einfach nur Schmerzhaft für meine Ohren. Schade.

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