Eine Vertonung der Leichtigkeit des Seins – schöner kann Indie-Folk kaum sein.

Jon And Roy kommen aus Victoria, British Columbia, Kanada und haben es geschafft, seit 2005 genau sechs Studioalben an meinen Ohren vorbei zu schmuggeln. „The Road Ahead Is Golden“, das siebte Werk des Trios hat gerade eben nach Deutschland und auf meinen Plattenteller geschafft und wird dort, das kann ich vorab verraten, auch noch eine Weile seine Runden drehen.

Bereits bei den ersten Tönen von „Runner“, dem Opener und zudem auch der ersten Single, schwingt eine Mischung aus Unbeschwertheit und Melancholie mit, die sich auch über das komplette, restliche Album erstrecken soll. Interessierten sei die Nummer, am bestem in Verbindung mit dem herrlichen Video (sucht einfach auf den üblichen Kanälen) wärmstens ans Herz gelegt, um sich ein erstes Bild der Musik von „Jon And Roy“ machen zu können. „Breakdown“ lebt von einem einfachen, aber sehr wirkungsvollen Hauptriff und einem Feeling, das an Beat-Songs der frühen 60er Jahre und damit auch ein wenig an die wunderbaren The Shins erinnert. Während sich „The Better Life“ vorerst wenig hoffnungsvoll anhört, sondern eher nach Wehmut und Fernweh klingt, werden die vermeintlichen Sorgen schon bereits bei „Clever One“ wieder ins Abseits geschoben. Die erste Folkballade, auf diesem ohnehin schon sehr reduzierten Alben, besteht anfangs nur aus verhaltenen Akustikgitarrentönen und Jons sanftem Gesang. Lang, aber wirklich sehr langsam gesellen sich noch Bass und Schlagwerk dazu, die Stimme wird gedoppelt und die Musik wird durch kleine Orgeltupfer abgerundet. „How The Story Goes“ ist der vermutlich unschädlichste Song, der jemals komponiert wurde und schmiegt sich wie ein pazifisches Palmkätzchen an den Gehörgang. Nicht mal das Gitarrensolo gegen Ende lässt Aufregung aufkommen, es bleibt allem im Einklang und lässt negative Gedanken dahin schmelzen. „Window“ ist ein Folksong, der einen leichten, aber erkennbaren Reggae-Anstrich bekommen hat. Es fehlen zwar die typischen Trademarks, aber allein der Offbeat und die Stimmung lassen deutlich erkennen, dass die Band auch wenigstens eine Wurzel in diesem meist tiefenentspannten Musikstil stecken hat. Sänger Jon reizt hier auch seine Stimme etwas, aber immer noch so, dass vermessen wäre, hier von einem Ausbruch zu sprechen. Dass nicht immer alles perfekt ist, zeigt „When You’re Gone“, was den Höhepunkt der traurig, melancholischen Seite des Albums darstellt. Man kann sogar einen klitzekleinen Country-Einschlag wahrnehmen, der hier aber so dezent eingesetzt keinen Bruch mit der konzeptionellen Stimmung darstellt. Bei „Silent Lou“, wieder eine Ballade mit tollem Folk-Picking, wird komplett auf Gesang verzichtet, der aber gekonnt durch Rhodes-Klänge ersetzt wird. Freunde von Mark Oliver Everett’s leisen Nummern, könnten große Freude am Song haben. Der Titeltrack sprüht wieder nur so von Fernweh, voller Dramatik und Schönheit, bevor es aber zu Ernst wird, verfällt Sänger Jon in einem Summen und alle Leichtigkeit ist wieder hergestellt. „Nothing But Everything“ ist ein Soulsong ohne Pomp, Furz und Feuerstein, der Bass und der Leadgesang sind Eins, ganz dezente Congas schaffen ein überaus angenehmes Strandfeeling. Fast ein bisschen wie Jack Johnson, aber halt in gut! Am Ende steht „Every Night“ und folked uns mit Picking, Marching Band Snare und leichtem Mumford And Sons Einschlag in Richtung Schlafgemach. Großartig!

Das Vinyl ist absolut vorbildlich gefertigt, weder knackt es, noch ist es verformt. Das optisch sehr ansprechende Cover ist darüber hinaus auch stabil gefertigt und messerscharf bedruckt. Besonders schön finde ich, dass die Scheibe die Farbe der Sonne hat, die oben auf dem Cover prangt. Sehr stimmig, das Ganze.

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