Höchst intensiver Dark-Kraut mit starkem, mystischen Unterton.

Seit einigen Jahren schon forsche ich immer Mal wieder im Krautrock-Universum und entdecke zeitweilen wirklich feine Musik, die hierzulande noch vor meiner Geburt populär war. Wie bei den meisten Genres, lässt sich auch dieses nicht auf eine bestimmte Spielart beschränken, sondern lebt(e) auch von vielen stilistischen Facetten. So gibt es dort Werke auf Prog-, Blues-, Hardrock-, Avantgarde-, Jazz- oder Ambient-Basis, es ist für fast jeden Geschmack etwas dabei. Killflavour aus dem Saarland bezeichnen ihre Musik selbst als „Dark-Kraut“, worunter ich mich erstmal überhaupt nichts vorstellen konnte, nach wenigen Augenblicken war jedoch klar, dass hier am ehesten die Ambient-Schiene gefahren wird. Die Band existiert bereits seit über 20 Jahren, wir haben es hier also nicht mit Neulingen, sondern eher mit alten Hasen zu tun. Und genau das hört man auch.

In, But Not Of This World beginnt mit einem mehrminütigen, schwebenden Intro. Es passiert ohrenscheinlich nicht besonders viel, hört man aber genauer hin (ab Durchlauf 2), entdeckt man immer wieder neue Akzente. Weit entfernter Gesang, sich langsam anschleichendes Schlagwerk und Tierlaute treten vorsichtig aus dem Nebel hervor und verleihen dem Ganzen eine gänsehauterzeugende, geheimnisvolle Stimmung. Nach einigen Minuten setzen die Drums und verhaltene, unverzerrte Postrock-Gitarren ein, der Aufbau und die Spannungssteigerung gelingen so ganz hervorragend. Immer wieder schweben Synthesizerteppiche durch die Peripherie, während geisterhafte Schamanengesänge ein naturmystisches Feeling erzeugen. Der Gesang wird auch in Shifting Paradigms fortgeführt, es geht allerdings insgesamt ein wenig strukturierter zu, wobei wir immer noch meilenweit von einem klassisch komponierten Song entfernt sind. Der ganze Aufbau der Instrumente, die Beckenklänge, die klagende Stimme des Sängers, alles erinnert eher an eine Messe. Nur, dass diese hier mit knarzigen Gitarren ausgeläutet wird. Hiding Nature? lebt vor allem von den hypnotischen Trommeln und den vielfältigen Synthiesounds, die hier an jeder Ecke eingestreut werden. Häufig quietschen geistesgestörte Elektrovögel durch den dusteren Wald, die in Kombination mit predigenden Schamanen einen spacigen Waldspaziergang ergeben, schalmeienartige Töne veredeln hier letztlich das Gesamtbild. Mit dem Mammutbrocken (23:48 Minuten) Word As Shape schließt Forest Mirror und beschert uns einen erstklassischen Trip durch Raum, Zeit, Psyche und Umwelt. Sprachsamples von Reden und eine runtergepitchte Erzählstimme lassen das Stück zu Beginn fiebrig herumwabern, das Element des Aufbaus wird hier zur Perfektion genutzt. Roher und aggressiver als bei den vorangegangenen Stücken geht es zu, es wird immer krasser, bis am Ende eine kaum zu durchdringende Wall Of Sound auf ewig fest gemauert in der Landschaft steht.

Freunde von Bands wie Popol Vuh oder Tangerine Dream könnten hier ihre Freude haben, wenn sie sich nicht vor ein paar moderneren oder naturbezogenen Aspekten scheuen. Wie oft in diesem Genre, wirkt das Album nicht beim ersten Hören und wenn, dann nur am Stück genossen.

Forest Mirror ist die allererste Veröffentlichung auf dem just gegründeten Ein-Mann-Indielabel „Barhill Records“, das mit diesem Album durchaus respektabel vorgelegt hat. Die Qualität des Vinyls kann sich auch ohne weiteres sehen lassen, die sauber verarbeitete Platte steckt in einem wertigen und ansehnlichen Gatefold. Ich werde zukünftige Veröffentlichungen auf alle Fälle im Auge behalten und versuchen, sie auch hier unterzubringen.

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