Die Musiker von KUMMER entstammen dem Künstlerkollektiv „Institut für Zeitgenossenschaft“, das aus Musikern, Schauspielern und Autoren besteht und sich mit mehr oder minder ernstzunehmenden, philosophischen Themen auseinandersetzt.

LP kaufen Vö: 08.09.2017 Z-Muzic

Anders als der der Bandname vermuten lässt, geht es hier recht ausgelassen und ganz und gar nicht schwermütig zu. Allein die graphische Gestaltung der EP gibt schon einen deutlichen Hinweis darauf, dass es hier nicht besonders düster zur Sache geht: vor einem Hintergrund in Pink und Weiß steht ein antiquiertes, goldenes Dupont-Feuerzeug. Warum? Darum. Keine weiteren Fragen, bitte.

So klingt „Cinema“ mit seiner schleppenden Gitarre und der wirklich wunderbaren, kraftvollen Frauenstimme wie eine Mischung aus James Bond Song der 70er-Jahre und klassischem Britpop. Der poppige Drumbeat verleiht dem Ganzen eine überaus gefällige Note, währende sich der verträumte Chorus an die Strophe schmiegt, als wolle er sie nicht stören. Das Titelstück beginnt mit einem scheppernden Kontrabass und entwickelt sich kurzerhand zum einem Gypsyfolkstück mit lateinamerikanischem Charakter, angenehm rhythmisch und tanzbar. Eine etwas quakende Männerstimme wechselt sich mit wieder sehr angenehmen weiblichen Vocals ab. Das überwiegend von einer Akustikgitarre getragene „Sadness Suits You“ kommt unter Einsatz einer Mundharmonika ein wenig countryesk rüber, allerdings keineswegs albern oder pathetisch. Die männliche Gesangstimme passt hier ganz hervorragend dazu, der Song nimmt stetig Fahrt auf, wozu auch der Einsatz eines dezenten Schlagzeugs seinen Teil beiträgt. Das Ende veredelt ein stimmungsvoller Streicherpart und gehauchter Gesang. „Atlantic City“ ist eine Ode an die etwas abgehalfterte Glückspielstadt an der US-Ostküste und glänze vor allem durch die nur durch ein E-Piano unterstützten Vocals der Sängerin, deren Stimme bis zum Ende im Vordergrund bleibt. Musikalisch bewegen wir uns hier irgendwo zwischen Soul und Dreampop, was erst mal seltsam klingt, aber dennoch richtig Spaß macht. Das letzte Stück „Drink Kiss Fuck“ ist ein verruchtes Elektrogaragestück, bei dem Bass und Drums schön präsent auftreten und Synthesizerklänge den stöhnenden, wie immer in geschlechtlichem Wechsel gehaltenen Gesang untermalen. Es klingt lasziv und irgendwie dekadent.

Kummer haben hier eine ganz schön abgefahrene Debut-EP gebastelt, die sicherlich einiges an Aufmerksamkeit erregen wird. Man darf gespannt sein, wann der erste Longplayer nachgereicht wird. Ich bin jedenfalls gespannt.

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