Lydia Lunch & Cypress Grove – Under The Covers

Wie man den Dreck der Jahrzehnte aus alten Gewändern schüttelt – Ein Coveralbum der besonderen Art.

Es gibt unzählige Alben auf denen sich Künstler, oder solche die es gerne wären, an den Werken anderer versuchen. Manchmal ist die Neuadaption langweilig nah am Original, manchmal auch nur sehr schwer wieder zu erkennen. Die wenigsten schaffen es allerdings, ihren Interpretationen einen eigenen Stempel aufzudrücken… Hier ist diese Kür mit Bravour geglückt!

New Yorker No-Wave Urgestein Lunch und Blues-Gitarrist Grove drehen hier Classic-Rock, Country, Traditionals und alles was ihnen sonst noch so vor die Flinte läuft, durch den rostigen Fleischwolf. „Ode To Billy Joe“, eigentlich ein harmloses Countrypopstückchen wird hier gleich eingangs zu einem lasziv-psychedelischen Fiebertraum, voller langem Feedback, Hallgitarren und Lunch’s knurrigem Gesang. Tom Petty’s Breakdown hat einige Fahrten durch die Geisterbahn hinter sich, alle glattgebügelte Beherrschung des Original wurde abgerieben und nur der rohe, garstige Kern zurückgelassen, die Reibeisenstimme wirkt hier sogar noch durchdringender. Das harmlose, aber kein Stück weniger coole „A Thousand Miles Of Bad Road“ leitet direkt über zur womöglich geilsten Coverversion ever! Erinnert ihr euch an den von Pathos nur so triefenden Früh-90er Popwestern „Blaze Of Glory“ und Jon Bon Jovis gleichnamigen Titelsong? Der wurde soeben von einem tonnenschweren Zug überrollt und direkt ins Fegefeuer geschickt. Lydia’s Stimmbänder stehen in Flammen, ihr Midwestern-Akzent schlägt dem Fass endgültig den Boden aus, hier steht kein Stein mehr auf dem andren. Einfach hervorragend, fies, gemein und abartig. Mit dem Stil wird auch bei den folgenden Stücken nicht mehr gebrochen, er wird eher weiter perfektioniert. „The Spy“ (Doors) fiept, quiekt und brummt in perfekt inszeniertem Wahn. Elvis Costello’s „I Want You“ wurde jede countryeske Romantik aus dem Leib geprügelt, Steely Dan’s „Do it again“ hat den Angriff auch mehr schlecht als recht überstanden. Aber genau das ist es, was „Under The Covers“ so großartig und so anders macht. Der Glanz und die Unbeschwertheit der Originale ist weg. Was bleibt, sind rohe, dreckige und hundsgemeine Stücke.

Das Vinyl ist ordentlich gefertigt und erstrahlt in unpassendem helllblau-weiß, das Artwork ist wiederum passender Weise sehr schlicht gehalten. Ein Download-Code wäre noch ganz nett gewesen, aber das ist Jammerei auf hohem Niveau.



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