BERICHT: Mastodon in Stuttgart, 26.06.2017

Ein bisschen hat es schon gedauert, bis das Stuttgarter Publikum im LKA Langhorn warm geworden ist.


Die Support-Gruppe Steak Number Eight haben die Konzertbesucher mit Gleichgültigkeit gestraft. Verhaltener Applaus, kaum ein Kopf der mitnickt obwohl das LKA zu Beginn der Gruppe bereits gut gefüllt ist. Diese Reaktion haben sie nicht verdient, denn die belgische Band spielt mit ihrem Stoner-, Post-, Sludgesound vor allem Live groß auf. Auf der Bühne schaffen es die Belgier, die großen dramaturgischen Bögen ihrer Songs mit Leben und Intensität zu füllen. Die Unmittelbarkeit ihres Zusammenspiels haben sie noch nicht auf Platte einfangen können: Vor allem Sänger & Gitarrist Brent Vanneste schafft es mit viel Energie in Bühnenpräsenz und musikalischen Rollen zu überzeugen. Mit dem stürmischen Return of the Kolomon runden sie ihre Dreiviertelstunde mit viel Wucht gelungen ab – doch bleibt die Reaktion des Publikums auch nach dem eindrucksvollen Ende verhalten.

Aber dann werden sie doch noch warm, die Schwaben. Bereits nach einem guten Drittel ihres Sets bedanken sich Mastodon für die Reaktion des Stuttgarter Publikums: So eine gute Show haben sie dort bis dato noch nicht gespielt. In der Moshpit geht es hart, aber respektvoll zu und das Publikum dankt der Band auch entsprechend für ein gelungenes Set. Mastodon spielen sich quer durch ihre Bandgeschichte mit deutlichem Fokus auf Emperor of Sand, dem neuen Album. Es wird nicht viel mit dem Publikum gesprochen, eine Show gibt es auch nicht, aber das braucht es bei Mastodon auch nicht: Das Licht untermalt das Gehörte unauffällig, die Musik steht schließlich deutlich im Vordergrund, die Band aus Atlanta konzentriert sich auf das Wesentliche und überzeugt damit. Der Gitarrensound ist angenehm luftig und transparent, dadurch kommen selbst die filigranen Feinheiten des Gitarrenspiels selbst bis hin zu den schweren Riffs deutlich zur Geltung, ebenso wie die spielerische Klasse der Gitarristen Brent Hinds & Bill Kelliher.

Die Gruppe ergänzt sich live gut: Bill Kelliher & Bassist Troy Sanders bleiben dicht an dem, was sie im Studio abliefern und bilden damit ein sauberes, verlässliches Fundament für Drummer Brann Dailor und Brent Hinds, welche ihre Parts auch gerne ein wenig freier gestalten. In Drumsfills und Gitarrensoli zeigen sich die beiden angenehm verspielt, Brent Hinds sogar im Gesang. Dort variiert er gerne seine melodischen Linien, stilsicher setzt er die Bögen mal flacher, mal höher an, beispielsweise in Oblivion. Das muss er allerdings auch, allenfalls der Gesang bleibt bei Mastodon ein leidiges Thema, wenn man so sagen möchte. Das Level der instrumentalen Präzision erreichen sie im Gesang nicht immer, denn die Vocals neigen dazu, angestrengt zu klingen. Vor allem Brent Hinds kämpft mit seiner Stimme, weiß dafür allerdings durch gelungene Variationen zu kompensieren. Dagegen überzeugen Live die mehrstimmigen Gesänge umso mehr, vor allem in Ember City und Andromeda öffnen sich dem Zuhörer Perspektiven, die auf den Studioaufnahmen subtiler ausfallen.

So stilsicher und gekonnt sich die Amerikaner durch die Tempi schalten, so schnell sind die kleinen Kritikpunkte im Gesang auch wieder vergessen: Schnellere Titel wie The Wolf Is Loose oder Circle of Cysquatch werden in souveräner Gradlinigkeit präsentiert, wohingegen die Band dann in Songs wie Steambreather, Oblivion oder auch in Chimes At Midnight gemeinsam auf beeindruckende Weise punktuell das Tempo drosselt um ein dunkles, vereinnahmendes Gefühl von Schwere zu beschwören – mühelos gelingt der Gruppe das Umschalten der musikalischen Tempi.

Letztlich sind sie also doch warm geworden, die schwäbischen Fans. So quittieren sie einen beeindruckenden Konzertabend angemessen mit reichlich Applaus und Jubel – auch ohne die „Hits“ wie Motherload, Blood & Thunder oder High Road und ganz ohne Zugabe. Das dem Zuhörer deren Abwesenheit erst auf dem Heimweg bewusst wird, spricht für die Qualität des Auftritts.
Vielleicht brauchen die Stuttgarter eben ein wenig länger, bis sie warm werden. Dafür gibt es unter ihnen einige sichere Sänger – nicht jeder singt Ember City so gekonnt mit, wie der vollbärtige Nebenmanns des Autors. Und nach dem Konzert drängt sich das Publikum auch an den Merchtisch von Steak Number Eight. Vielleicht sind sie auch einfach nur schwer einzuschätzen, die Konzertbesucher der baden-würtemmberger Metropole.

Mastodon (+Steak Number Eight) sind am 28.6 in Hamburg/Docks und am 6.7 in Frankfurt/Batschkapp live zu sehen.



1 Kommentar zu diesem EintragKommentar schreiben
  1. Geiles review…geiler Abend…! Danke für’s Erwähnen 🙂 🙂 🙂

    Der vollbärtige Nebenmann

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