Caterina Barbieri, wie das Ein-Frau-Projekt Missincat mit bürgerlichem Namen heißt, kommt ursprünglich aus Mailand. Im Jahre 2007 hat es die Singer/Songwriterin in unsere Hauptstadt verschlagen, in der sie seither lebt und in regelmäßigen Abständen Alben veröffentlicht. Die aktuelle Veröffentlichung „Forces“ ist eine elektrolastige EP mit allerhand interessanten Gästen und hoffentlich ein Ausblick auf ein bald erscheinendes, neues Album.

Signierte EP kaufen Vö: 15.09.2017 OWTF Records

Der Opener „Voices“ ist ein Kollaboration mit dem italienischen Komponisten, Pianisten und Produzenten Frederico Albanese und somit auch ein lupenreines Pianostück. Obwohl hier völlig auf Schlagwerk verzichtet wird, baut sich ein unheimlicher Druck auf, eine Gitarre verziert das Klangbild, der Gesang nimmt stetig an Intensität zu. Überhaupt ist die Stimme der Sängerin hier stets im Fokus und wirkt dabei makellos, unschuldig und verrucht zugleich. „Mother“ wird vom Hamburger Elektro/House/Dubstep-Duo „La Boum Fatale“ unterstützt. Anfängliches, eher unstrukturiertes Elektrogewummer wird von schrägen (Break-)Beats abgelöst, die ein recht krasses Drumgewirr heraufbeschwören, dass sich dauernd steigert und sich in sich selbst verstrickt. Dennoch passt der Gesang ganz hervorragend dazu. Die Berliner Popper von „Me And My Drummer“ haben sich an „Melt The Ice“ beteiligt, einem eher zeitgenössischen Popsong, der sich qualitativ aber eindeutig vom Radio-Einheitsbrei abhebt. Das Ganze klingt ein wenig gehetzt, etwas kunstvoll und erst auf den zweiten Durchlauf richtig harmonisch. Elektronische Akzente und analoge Gitarren, in einer Struktur, die sich nicht so leicht durchdringen lässt, aber letzten Endes immer mächtiger und immer eingängiger wird. Wenn man die Melodie einmal verinnerlicht hat, geht sie so leicht nicht mehr aus dem Kopf. Ähnliche verhält es sich da bei „Luna“, das zusammen mit dem Hamburger Duo „Hundreds“ aufgenommen wurde. Astreiner, brillanter Pop, mit geilem Beat und einer supereingängigen Melodie. Aufgrund der verwendeten Instrumente klingt alles auch eher nach einer Band und unterliegt einer greifbaren Struktur. Vor allem der Hammerchorus macht das Stück zum Besten der EP. Das von Musikproduzent und Wahlamerikaner Robot Koch veredelte „Made Of Stone“ ist im Grunde auch wieder ein Klavierstück. Von der Stimmung und vom Gesangstil erinnert es ein bisschen an Kate Bush, allerdings keineswegs so überspitzt und nervig. Epische Drums machen das balladeske Stück am Ende zu einem würdigen Kracher zum Ende der Spielzeit.
Die Kollaborationen wurden ganz offensichtlich sehr weise gewählt, es passt alles sehr gut zusammen. Ein anspruchsvolles Stück Popmusik, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

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