Das dritte Album ist meist das schwierigste. Diese Bürde haben auch Nesseria aus Orleans in Frankreich auf sich genommen. Herausgekommen ist dabei eine schwarze Mixtur aus verschiedenen Elementen von allem was laut ist. Aber auch die ruhigeren Klänge kommen nicht zu kurz.

LP streamen Vö: 17.11.2017 Deadlight

Ehrlich gesagt ist mir die Band, die bereits seit 2003 existiert, schon seit dem ersten selbst betiteltem Album ein Begriff. Anfangs klangen die Stücke noch sehr chaotisch und betont finster, so als würden The Secret und Hierophant mit Converge jammen, was keine schlechte Vorstellung ist. Aber jede Band sollte den Mut haben, sich weiter zu entwickeln und neuen Einflüssen gegenüber offen sein. Und dieser Mut gehört belohnt.

Eröffnet wird das Album mit „On prendra l’habitude“ und in diesen drei Minuten bekommt man als Hörer einen guten Eindruck, was ihn die nächsten 38 Minuten erwartet. Viele offene Akkorde auf der Gitarre in hohem Tempo und ab der Hälfte ein atmosphärischer Part in eher doomigen Gefilden prasseln auf einen nieder. Die Vocals sind dabei sehr klar raus geschrien, auf Französisch versteht sich. „La chasse aux écureuils“ macht dort weiter, wo der Opener aufgehört hat. Melancholische Melodien durchfahren im langsameren Tempo immer wieder die hymnischen treibenden Parts des Songs. Das früher finstere Klangbild weicht einer schon fast feierlichen Stimmung. Beim Anfang von „Les ruines“ fühle ich mich leicht an The Tidal Sleep erinnert. Diese Mischung aus nach Vorne gehenden Abschnitten, die in Reverb-geschwängerten Ruhepausen übergehenden sind eine Vorgehensweise, die Nesseria gut verstehen.

„ A l’usure“ sorgt für einen starken Überraschungsmoment. Akustische Gitarren werden von harschen geschrienen Zeilen begleitet. „St. Petersburg“ bildet dann das Highlight des Albums. Nach einem sehr verzweifelten Einstieg verlieren sich die Gitarren in ewigen Weiten, um danach nur noch tiefer in Melancholie zu versinken. So schön leiden sonst nur bekannte japanische Bands.

„Forteresse“ und auch „Pris à la gorge“ nehmen danach wieder ordentlich Fahrt auf und punkten mit düsteren Leads, die klar im schwarz-metallischen Sektor zu verorten sind. Hier wird klar, wo die Wurzeln der Franzosen liegen. Allerdings klingt alles viel kontrollierter als zu Anfangstagen, jedoch auch effektiver. „Dans l’ombre et sans visage“ und der Titeltrack beschließen das Album mit eben jenen neuen Elementen, die Nesseria sehr gut zu Gesicht stehen.

„Cette érosion de nous-mêmes“ wurde erneut im Drudenhaus Studio unter Aufsicht von Neb Xort aufgenommen und klingt druckvoll und sehr differenziert, was die sehr gute Arbeit der einzelnen Musiker bestens wiedergibt. Hörer, die es düster mögen, aber auch Ruhepausen in der Raserei nicht abgeneigt sind, sollten beide Ohren riskieren. Liebhaber französisch-sprachiger Bands sollten eh zugreifen.

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