Abgefahrene Soundkollagen zwischen Noise-, Math- und Postrock.

LP kaufen Vö: 29.09.2017 Meta Matter Records

NYOS sind ein Gitarren/Schlagzeug-Duo, bestehend aus einem Briten und einem Finnen, „Navigation“ ist bereits ihr drittes Album. Seit 2015 sind sie mit ihrer Musik auf Dauertour und haben bereits über 20 Länder bereist. Ganz bestimmt auch meins, aber leider habe ich davon nichts mitgenommen. Nach dem Genuss des neuen Albums bin ich schon sehr gespannt, wie man ein derart undurchdringliches Rocksoundgebilde auf die Bühne bringt. Wie ich lese stammt die Band aus dem schönen Jyväskylä (Mittelfinnland) und dabei muss in augenblicklich schmunzeln. Ich habe das Städtchen vor einiger Zeit im Frühjahr besucht und war sofort begeistert. Eine Mischung aus Tristesse, Wintertemperaturen von unter -25 Grad, meterhohen Schneewänden und sackteurem Bier, aber eine wundervolle Stimmung untereinander und ein fast schon magisches Flair, das europaweit seinesgleichen sucht. Ich bilde mir ein, dass man es der Musik von NYOS anhört, wo sie entstanden ist.

„Harlem“ startet mit einem für fast eine Minute stehenden und dabei immer satter werdenden Orgelton. Erst nach und nach gesellen sich leise Gitarrentöne dazu und eine verträumte und leicht melancholische Stimmung wird verbreitet. Wie selbstverständlich fängt der eigentliche Song an und fördert noisige Dissonanz zutage, die von einem hektischen, alles erfüllenden Schlagzeug getragen wird. Bemerkenswert daran ist vor allem, dass ein sehr prägnantes Gitarrenlick nahezu den kompletten Song lang gelooped und gelegentlich verändert bzw. gesteigert wird. Das Stück hat auf jeden Fall auch etwas postrockiges, so schweifend und stimmungsvoll wie es ist, wozu die drei- oder mehrstimmige Gitarrenarbeit noch zusätzlich beiträgt. Die mantraartigen Wiederholungen des Vorgängers führt auch auch „La Playa“ fort und setzt dabei zudem auf hektische Drums. Immer wieder legen sich Melodien über das geordnete Chaos, dem wuseligen Fundament der Musik. Überaus dramatisch ergießt sich alles ein tiefes Orgelmeer und verleiht dem Ganzen einen artrockigen Charakter. Dann ist abrupt Schluss. Bei „Navigator“ wird noch eine Schippe Hektik und Chaos drauf gelegt und fette Distortion macht sich breit! Sobald sich der akustische Nebel gelegt hat, kommen satte Rockriffs zum Einsatz und vertrackter, fast schon komplizierte Mathrock hält Einzug. Mehr oder weniger ohne Vorwarnung wird es wieder ruhig, die Verzerrungen schwirren langsam davon und NYOS verneigen sich vor dem Free Jazz, vergessen dabei aber nicht die gerne verwendeten Loops.

„Bison“ schleppt sich doomig dahin, Brettgitarren mähen durch den Raum, trotzdem erkennt man durchdachte Melodien. Es folgt wieder eine Ruhephase, die zum einen spielerisch, zum anderen etwas fragend wirkt. Manische Melodiebögen treiben die Stimmung im Wechsel auf und ab, Gitarrenspuren tauchen auf, mehren sich und verknoten sich bis zuletzt in wahnsinnigen Strukturen. Die Stimmungsschwankungen setzten sich auch bei „I’m A Dream“ fort, nur wirkt alles etwas fröhlicher und sogar ein bisschen poppig. Dissonant, aber dennoch poppig. Man erkennt die gezeichneten Melodien und versteht, wie sei gemeint sind. Es beschleicht einen immer mehr der Verdacht, dass der Drummer ein überaus versierter Spinner sein muss, da seine Fills wie irrsinnig in die Musik geworfen werden. Es wird letztlich alles in einer dramatischen, soundtrackartigen Melodie zusammengefasst, die auf- und gleichermaßen erlösend wirkt. Das letzte Stück „Icon“ ist schlicht und ergreifend superschräg. Gefühlte tausend verschiedene Riffs, Anschläge und Stimmungen werden über immer das gleiche Gitarrenlick gelegt. Alles wird stetig fetter, brutzeliger und fieser, bis alles langsam im Nichts verschwindet. Ein Feedback geleitet die Musik langsam aber bestimmt nach draußen.

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