Was machen eigentlich OMD? Immer noch geile Elektropop-Alben!

LP kaufen Vö: 01.09.2017 100% Records

Ja nun, es dürfte hinreichend bekannt sein, dass ich nicht der ausgesprochene Popmusik-Fan bin. Manche Bands haben es mir allerdings schon seit eh und je angetan und ihr werdet es euch schon gedacht haben, OMD gehören dazu. Schon seit dem ersten Album (Organisation, 1980) ist es der Band gelungen ihren eigenen und unverkennbaren Stil zu entwickeln, der es seitdem auch blendend vermag die Geister an sich scheiden zu lassen. Dem einen mögen sie vorkommen, wie eine glattgebügelte Version der Magnaten von Depeche Mode, dem anderen sind sie vielleicht schon wieder etwas zu progressiv. Ich persönliche schätze einfach ihr Gespür für griffige, catchige Melodien und halte sie für eine der größten Popbands überhaupt.

“The Punishment Of Luxury” ist das 13. Album von Orchestral Manouevers In The Dark und es gibt absolut keinen Grund hier abergläubisch zu werden. Die Herren Humphreys und McCluskey machen genau das, was sie jetzt seit knapp 40 Jahren machen: geile Musik!

Der Titeltrack täuscht mit eher ernst wirkenden Technotönen an, bis sich gemächlich positive Melodien dazu gesellen. Der Sound wirkt weder antiquiert noch staubig, er erscheint frisch, modern und absolut typisch für die Band. Ein gelegentlich eingeworfenes „Hey, Hey“ treibt das Stück noch zusätzlich voran. „Isotype“, die erste Single, klingt mit seiner Computerstimme, den einzelnen, eingespielten Wort- bzw. Satzfetzen und den einfachen Synthiesounds schon nach den Idolen der Schöpfer, nämlich nach der Elektrolegende Kraftwerk. Ein treibender Elektrobeat, fühlige Harmonien und ein etwas seltsames, kurzes Klingeln machen den Song zum Ohrwurm und zudem äußerst tanzbar.

Der etwas unterkühlte Dancetrack „Robot Man“ wirkt wieder recht modern und klingt wie ein Werbejingle, bis es bei „What Have We Done“ wieder mit großen Gefühlen weitergeht. Eine wunderbare Ballade, die allerdings trotzdem ordentlich zu stampfen vermag. Der Chorus ist dabei derart melodiös und mächtig und zeigt, dass die Band in all den Jahren nichts von ihren Fertigkeiten eingebüßt hat, wobei die Strophe klingt wie ein 50er Jahre Rock’n’Roll Song, allerdings ohne dass auch nur ein analoges Instrument Verwendung findet. Das melancholische „Precision & Decay“ hat neben einer von einer artifiziellen Stimme vorgetragenen Spoken Word Performance sogar eine Gitarre mit an Bord und sorgt durch die Nachrichtensprecher-Einspieler für eine leicht gruselige Atmosphäre. „As we open, so we close“ ist ein klassischer OMD-Song mit allen Trademarks und Qualitäten. Über fiesen, brutzelnden Elektrosound legt sich die altbewährte, feine Stimme des Sängers. Es ist, als ob einzelne Songteile durch den Raum schweben und sich letzten Endes zu einem zuckersüßen Refrain verbinden.

Nach dem erneut aufrüttelnden Tanzflächenfüller „Art Eats Art“, begeistert das schöne „Kiss Kiss Kiss Bang Bang Bang“ mit schrägen, aber doch sehr versöhnlichen Melodien und einem völlig unerwarteten „Fuck You“ an… nunja, Mr. Hyde und Dr. Spock. Aber hat gesagt, dass schöne Popmusik tiefgründige Lyrics braucht? Richtig, niemand. Mit bester Laune und Millionenmelodie ins Bild, nur haarscharf am Kitsch vorbei zu schrammen. Das Stück wäre auf einem älteren Album der Band überhaupt nicht aufgefallen. „Bend you body to the will of the machine“ befiehlt mir „La Mitrailleuse”, geht mir auch direkt ins Ohr, verstört mich aber dann doch etwas durch Maschinengewehrsalven und Explosionssounds, wo normal Schlagwerk den Takt abgeben sollte. Das Grande Finale wird von „Ghost Star“ und „The View From Here“ gebildet, die knackige, schleppende Beats, epische Chöre und mit Gitarren unterlegte Soundtrackklangwände miteinander verbinden. Alleine die letzten beiden Stücke könnten stellvertretend für das ganze Album stehen und können hiermit als Einstieg in „The Punishment Of Luxury“ empfohlen werden.

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