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Ausnahmealbum der Österreicher Ambient-Rocker – Free Like Tonight wird die Lager spalten.

Es gibt sie bei nahezu jeder namhaften Band, diese Besetzungswechsel die immer eine Veränderung im Sound des ganzen Gefüges verursachen. Im Falle des Innsbrucker Postrock-Exports Our Ceasing Voice und deren nunmehr dritten Album „Free Like Tonight“ ist vor allem die neubesetzte Stelle des Sängers ein absoluter Gamechanger. Dominik Dörfer heißt er und seine Stimme und deren Klangfarbe dürfte derzeit einzigartig in Haupt- und Nebengenres sein. Verglichen mit den letzten Album „That Day Last November“ (2013) kann man schon von einer sehr deutlichen Entwicklung der Musik sprechen. Die cineastisch anmutenden Parts in den Songs der früheren Alben wurden beibehalten, jedoch recht drastisch verkürzt, was sich auch in den Spielzeiten der einzelnen Songs niederschlägt. Der Metalanteil auch etwas reduziert oder zumindest merklich entschärft. Neu sind Elemente, die sich vielleicht am besten mit Gothic-Rock umschreiben lassen und dem ganzen mitunter eine sehr düstere Stimmung verleihen.

Der mächtige und dunkle Gesamtsound, liebliche Melodien und die soundtrackartige Stimmung machen einfach den Reiz von Our Ceasing Voice aus und fehlen auch beim aktuellen Album nicht. Songs wie „Annabelle“ oder „Times Of Regret“ machen mit tiefen, anschwellenden Gitarren und ihrem ultralangen Sustain Druck und formen undurchdringliche Gitarrenwände. Gern verwendete 80s Synthrhythmen und anspruchsvolle Drumspatterns sorgen für ausreichend Dynamik. Sich ständig im Aufbau befindende Muster zünden einen großen Postrock-Chorus nach dem anderen („The Arsonists“, „Delusion Of Love“), machen aber immer deutlicher, dass wir es hier nicht mit dem Gute-Laune-Album des Jahres zu tun haben, sondern mit einer überaus nachdenklichen, melancholischen Platte, die ganz bestimmt vor allem bei Fans eher düsterer und nicht allzu lebensbejahender Musik kräftig einschlagen wird. Die traurige Klavierballade „Countings“ generiert förmlich Fernweh, die Stimme haucht kratzig und wirkt als wolle sie laut schreien. Dramatisch. Man leidet manchmal, aber überhaupt nicht im negativen Sinne, man findet sich rasch ab mit seiner Situation, weil zwischendrin immer wieder kleine Hoffnungstupfer durch das emotionale Dickicht scheinen. In die Elektrorock-Richtung geht „Everything We’ll Ever Be“ und liegt dabei mit seiner Mischung aus Verzweiflung und düsterem Pathos schwer auf meinem Gemüt, dabei gefällt aber vor allem der doppelstimmige Gesang. Was den Sänger angeht, wird er sich in einer Reihe aufstellen müssen mit den Corgans oder Hegartys/Anohnis dieser Welt, deren Stimme man entweder mag, oder eben nicht, auch wenn die Musik in jeder Hinsicht gefällt. Es ist der Preis den man für Charisma und Alleinstellung zahlen muss!

„Free Like Tonight“ ist ein überaus stimmungsvolles Ambientrock-Album, dem man vor allem aufgrund der gewöhnungsbedürftigen Stimme des neuen Sängers einfach seine Zeit geben muss. Man wird letztlich mit einem sauguten Rockalbum belohnt, das sicherlich den Weg für eine neue Richtung geebnet hat, in die sich Our Ceasing Voice zukünftig bewegen wird.

Die Österreichische Post-Rock-Szene im Porträt

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