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Tolle Songs schreiben Portugal. The Man nach wie vor, nur eben nicht für jedermann. Dafür aber für den Mainstream.

Vor mehr als elf Jahren wirbeln Portugal. The Man mit ihrem Debüt „Waiter: ‚You Vultures!‘“ ordentlich Staub auf. Der moderne Emo der Vorgängerband Anatomy Of A Ghost ist da schon kaum greifbarem Post-Irgendwas mit reichlich Charme gewichen. In den folgenden sieben Jahren liefert die Band mit dem seltsamen Namen sechs (in Zahlen: 6!) Studioalben ab. Stagnation kriegt dabei den Fuß nicht in die Tür: Zum verquasten Indie-Rock der Anfangstage gesellen sich nacheinander souliger 60s-Garage-Rock, folkiger Americana und eine stattliche Wagenladung Pop.

Nach dem letzten Werk „Evil Friends“ gönnen sich die US-Amerikaner erstmals eine längere Pause, bevor sie im März 2017 „Feel It Still“ als Vorbote des neuen Albums auf die Menschheit loslassen. So sexy darf das eigentlich nur Justin Timberlake, die Hitsingle landet prompt auf ProSieben und untermalt einen GNTM-Werbespot. Geschenkt, denn der Song ist unverschämt schmissig und gibt die Marschrichtung von „Woodstock“ vor: Kein staubiger Psychedelic-Rock, wie der Titel glauben machen will, sondern astreiner Pop mit reichlich stampfenden Beats.

Der Albumopener „Number One“ braucht zwei Minuten, bis er angenehm an Sufjan Stevens‘ „Vesuvius“ erinnert. Der Song nimmt sich Zeit, bei Portugal. The Man eilt es schon lange nicht mehr: Die hibbeligen Gitarren der Anfangsjahre sind Geschichte. „Those days are gone“ singt Gourley in „Live In The Moment“, als müsse er das nochmal klarstellen. Seine Stimme bleibt ein Alleinstellungsmerkmal der Band; sie fängt den Hörer ein, wenn die Musik im poppigen Gestrüpp falsch abbiegt. Das passiert zum Glück nicht oft, lediglich „Tidal Wave“ nutzt sich mit seinem zu offensichtlichen Refrain schnell ab. Ansonsten zeigen sich P.TM experimentierfreudig wie eh und je: es wird gerappt, französisch gesungen und Auto-Tune auf den Gesang gepackt. Nur das Grundgerüst fußt mittlerweile auf eingängigem Rock, der von dem früheren Durcheinander nichts mehr wissen will. Gerade bei den ersten Hördurchgängen freut man sich deswegen am meisten, wenn Songs wie „Easy Tiger“ die Church Mouth-Phase der Band zitieren. Auch dem Rest der Platte kann man nicht lange widerstehen: Während man sich noch fragt, ob das nach den Gorillaz oder Yeasayer oder doch bloß nach besserem Formatradio klingt, hat sich schon der nächste Refrain im Gehörgang verbissen.

Interessant ist das allemal. Ob es zum Lieblingsalbum reicht, müssen Fans der ersten Stunde für sich selbst entscheiden. Der Band kann man daraus keinen Strick drehen: sie entwickelt sich Album für Album weiter und bleibt spannend. Dass da manche auf der Strecke bleiben – erwartbar. Tolle Songs schreiben Portugal. The Man nach wie vor, nur eben nicht für jedermann. Dafür aber für den Mainstream.

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