President Bongo – Die Inspiration kommt unter’m Sternenhimmel des Kilimanjaro


Stephan Stephensen dürfte vielen Leuten von wenigstens einer anderen Band ein Begriff sein: es handelt sich um die isländische Combo GUS GUS – eine etwas schräge, genre-übergreifende und auf jeden Fall interessante Band, bei denen Stephan nicht nur Gründungsmitglied, sondern einer der Hauptmotoren war. Unter anderem ist er seit einer Weile – neben einem weiteren Zwei-Personen-Projekt namens GLUTEUS MAXIMUS – mit PRESIDENT BONGO am Start.

Im Oktober 2015 erschien das relativ konzeptionelle PRESIDENT BONGO-Album „Serengeti“ mit Gastmusikern, genannt EMOTIONAL CARPENTERS auf Albumlabel. Gemeinsam mit dessen Betreiber T. RAUMSCHMIERE, der fast zeitgleich sein erstes reguläres Album seit einigen Jahren veröffentlichte, wird es Ende November im Berliner Urban Spree eine Doppel-Record-Release-Party geben, bei denen neben den genannten Musikern auch namhafte DJs dem Publikum Vergnügen bereiten werden.

„Serengeti“ ist eine spannende Mischung aus echten Instrumenten wie Bongos, Gitarren, Akkordeon, Streichern und noch viel mehr – dazu gesellen sich elektronische wie auch clubtaugliche Sounds, zu denen sich nicht nur gut tanzen lässt. Genaues Hinhören lohnt sich, denn es gibt reichlich spannende, unerwartete und schräge Momente bei den teilweise bis zu siebzehn Minuten langen Tracks zu hören.

Stephan ist zudem vor einer Weile nach Berlin gezogen. Somit gibt es gleich mehrere Gründe, ihm per E-Mail ein paar Fragen zu stellen:

PiN: Arbeitest du nach wie vor 24/7 (englischsprachiger Ausdruck für „vierundzwanzig Stunden pro Tag und sieben Tage pro Woche“) wie du es in einem Song-Titel von GUS GUS ausgedrückt hast?

Stephan Stephensen: Nun ja…tun wir das nicht alle? Arbeitstechnisch bin ich immer auf Trab. Ich geniesse das, finde es aber genau so gut mal nichts zu tun. Meistens denke ich dabei trotzdem an meine Arbeit. Das ist bei mir wie ein ständiger Loop.

PiN: In wie vielen Bands und musikalischen Projekten bist du gerade engagiert?

Stephan: Momentan hab ich viel Spaß daran, mit Högni Egilsson an seinem Solo-Projekt zu arbeiten, dann gibt’s einiges für GLUTEUS MAXIMUS zu tun und dann natürlich meine eigenen Sachen…ich sage mal: drei Projekte gibt es derzeit und ein viertes kommt hoffentlich bald dazu…

PiN: Lass uns über dein Projekt PRESIDENT BONGO und das Album „Serengeti“ sprechen. Kannst du dich erinnern wann du die erste Idee in diese Richtung hattest?

S: „Serengeti“ steckte sehr stark in mir drin und beschäftigt mich seitdem ich den Kilimanjaro bestieg. Dabei hatte ich die Gelegenheit, einige Zeit in dortigen Nationalparks zu verbringen. Ich wurde nachts wach und lag nackt im Zelt, ging dann nach draussen und schaute die Sterne an. Das ist ein Erlebnis welches ich niemals vergessen werde. Eine Weile dachte ich sogar darüber nach, meinen Namen in „Serengeti“ zu ändern aber ich hab mich dann lieber entschieden dieses Projekt zu starten.

PiN: Wie hast du so verschiedene Künstler wie THE EMOTIONAL CARPENTERS für dieses Album zusammengebracht?

S: THE EMOTINAL CARPENTERS besteht aus einer Gruppe von Leuten mit denen ich auf diese oder jene Weise teilweise bereits seit zwanzig Jahren zusammen arbeite. Bei „Serengeti“ haben die Carpenters absolut wunderbare Streicher, Bläser und weitere Arrangements geschrieben, miteinander verknüpft und gespielt. Das trifft nicht nur auf dieses neue Projekt, sondern auch auf GUS GUS zu, und zwar über viele Jahre hinweg. Ich fand es vor allem interessant ein Projekt zu starten bei dem der Focus nicht auf dem Künstler liegt sondern auf dem Projekt, so wie es bei einem Film und einem Regisseur ist. Aus diesem Grund wird das Projekt als „Serengeti“ präsentiert, ohne auf eine bestimmte Person oder nur auf einen Charakter bezogen zu sein. Für mich liegt der Schwerpunkt bei der Musik, dem Artwork, den Videos und so weiter. Es fiel auch gar nicht schwierig dies zu realisieren…es nahm nur ziemlich viel Zeit in Anspruch…und natürlich Geduld. Aber zu jener Zeit hatte ich von beidem gerade eine Menge.

„Das ganze war eher eine Idee, die wie ein Schneeball den Hügel hinunter gerollt wurde und irgendwann immer größer wurde“

PiN: Wann und wo wurde „Serengeti“ aufgenommen?

S: „Serengeti“ wurde in Island und Berlin aufgenommen, und zwar zwischen 2013 und 2015.

PiN: Wie war der Arbeitsprozeß? Wurden eventuell Files hin- und her geschickt? Wurden Ideen und Sounds gemeinsam entwickelt?

S: Es wurde viel hin- und her geschickt, die beteiligten Leute haben sich nicht wirklich oft gesehen. Das ganze war eher eine Idee, die wie ein Schneeball den Hügel hinunter gerollt wurde und irgendwann immer größer wurde….um dann eine gelungene Richtung einzuschlagen.

PiN: Steckt eine besondere Bedeutung hinter Songtiteln wie „Mezzogiorne“ oder „Tramontana“? Letzteres ist übrigens mein Lieblingstrack vom Album.

S: Alle Songtitel sind nach Windrichtungen in Italien benannt und stammen von einem Sticker den ich für meinen Computer in einem Segel-Geschäft in Mailand gekauft habe. Meine Freundin und ich waren unterwegs von einem Gig zum nächsten und gerade unterwegs nach Innsbruck. Ein Beispiel: dein Lieblings-Lied „Tramontana“ heißt „Norden….über den Bergen….Tra…Montana.“

PiN: Wird es das ein oder andere Video zu den Songs geben?

S: Ja es gibt ein Video von den SNORRI BROS (EMOTIONAL CARPENTERS). Das war eine ziemlich lange Reise, weil wir es für den „Greco“-Track produziert haben. Es dauert ziemlich genau siebzehn Minuten. Ich würde nicht unbedingt behaupten, dass es sich um ein Video handelt – es ist eher schon ein Kurzfilm.

PiN: Da du vor einer Weile nach Berlin gezogen bist: was hat dich bei dieser Entscheidung beeinflusst?

S: Ich wollte ganz unbedingt mein Umfeld verändern und mal weg aus Reykjavik. Berlin war die perfekte Entscheidung. Meine Freundin und ich haben viele lieb gewonnenen Freunde in Berlin. Auch die Clubszene hat mit zur Entscheidung beigetragen, obwohl wir eigentlich nicht besonders häufig in dieser Richtung unterwegs sind. Aber ich möchte gerne in Venues dieser Stadt spielen und bin gerade am abchecken wo das am besten funktionieren könnte.

PiN: Wann und wie fing deine Verbindung mit Berlin an?

S: Musik hat mich nach Berlin gebracht und alle notwendigen Kontakte sind auch dadurch entstanden. Nachdem ich hier angekommen war, hier lebte, essen ging, atmete….wurde ich sehr glücklich mit all den Dingen die Berlin zu bieten hat. Das Essen ist super, die meisten Dinge sind ziemlich preiswert und im großen und ganzen wirken die Leute glücklich. Zumindest aus meiner Sicht – und bei dem was ich wahrnehme und verstehe.

PiN: Erzähl doch mal drei Dinge die du an Berlin gut findest und die du nicht magst.

S: Ich mag Berlin…es ist schwierig etwas zu benennen was besonders herausragt. Aber was ich wirklich mag ist das IPA Bier (Indian Pale Ale, Anm. des Verf.) in der Markthalle und die gebratenen Rippchen die es dort dazu gibt.

PiN: Und was Reykjavik angeht?

S: Ich liebe das Meer.

PiN: Ist es wahr oder eher ein Klischee das die isländische Musikszene wie eine Familie funktioniert wo jeder jeden kennt?

S: Mehr oder weniger kennen wir uns alle untereinander. Du kannst wahrscheinlich hundert Bands aufzählen, wenn du dir die Liste von Leuten bei den EMOTIONAL CARPENTERS anschaust. Klischee oder nicht, es ist eine simple Tatsache: wir können uns gegenseitig gar nicht ignorieren.

PiN: Möchtest du etwas dazu sagen, dass du nach etlichen Jahren nicht mehr bei GUS GUS bist?

S: Ich glaube nicht das es hier wirklich viel zu erzählen gibt. Wenn Leute ihre Vorstellungskraft benutzen ist die Antwort einfach: wir haben uns in unterschiedliche Richtungen entwickelt.

PiN: Ich war schon öfter in Island und Reykjavik und hatte den Eindruck die Stadt ist ein Schmelztiegel verschiedener Leute und Kulturen aus unterschiedlichen Ländern, was mich natürlich auch an Berlin erinnert. Wie siehst du das?

S: Da hab ich nicht wirklich ein Gefühl oder eine Meinung zu. Ich liebe Reykjavik, aber es war ein bisschen so als ob ein Glasdach über meinem Kopf wäre welches mich hinderte dahin zu gehen wo ich sein will. Allerdings ist es ein ganz wunderbarer Ort mit einer speziellen und rauhen Energie.

PiN: Stephan, vielen Dank für das Interview!

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