Pulled Apart By Horses – The Haze

Pulled Apart By Horses, zu deutsch: Von Pferden zerrissen, ist im Englischen Sprachgebrauch als mittelalterliche Foltermethode bekannt, als eine besonders Grausame.

Pulled Apart By Horses ist auch der Name einer englischen Band aus Leeds, wie sicherlich bereits einige der Leser dieser Zeilen wissen. Dem Autor dieser Zeilen war der Name der Gruppe schon länger ein Begriff bevor er die Musik schließlich hörte. Es muss sicher irgendwas Hartes sein, irgendwas mit Hardcore, voll auf die Fresse, bei so einem Namen, dachte sich der Autor. Nachdem der Autor die Gruppe schließlich als Vorgruppe eines Kasabian Konzerts auch erlebte, sprach er die Gruppe daraufhin auch an. Das denken viele von der Gruppe meinte auch die Band, und der Autor erinnerte sich daran, dass vor allem die britische Musikpresse Pulled Apart By Horses gerne mit dem Begriff ‚Hardcore‘ beschrieb – gemeint war weniger das Genre als Solches, als vielmehr eine für britische Musikmedien ungewohnt ‚harte‘ Musik, die nicht die Härteskala Richtung Metal oder Hardcore überschritten hat.

Am 17.03.2017 veröffentlicht das Quartett aus Leeds bereits seine vierte Platte, The Haze. Ross Orton produzierte die Platte, welcher für seine Arbeit mit unter anderem den Arctic Monkeys und Drenge bekannt ist. Und so in etwa klingt die Band und auch The Haze: Nach ungewohnt kräftigem, druckvollen, übersteuertem Brit-Rock. Hier wird nicht viel Zeit verloren, bevor es direkt auf die Zwölf geht und den Großteil des Albums auch dort bleibt. Die Songs stecken voller kraftvoller Riffs, bewahren aber auch den drahtigen, kantigen Groove britischer Indie-Rock Gruppen der 00er Jahre, auch der Sound der Platte ist in dieser Zeit verwurzelt. Ein aufgedrehtes Update des Britrocks eben. Da passt auch Tom Hudsons, krächzender, latent geschriener Gesang gut ins Konzept. „Einfach wieder Spaß beim Musik machen haben“, sei das Konzept der Herangehensweise an Platte Nummer Vier gewesen, betont Basser Robert Lee, weg vom analytischen Herangehen, welches den Vorgänger Blood gekennzeichnet hätte.

Das trifft The Haze auch gut, es ist eine Platte, die in erster Linie Spaß macht. Das kann man auf zwei Weisen sehen. Einerseits eben ein Album mit organischem Sound aus einem Guss, das schnell ins Blut geht, ordentlich abgeht und knallt. Spaßige, zeitgenössische, britisch-geprägte Rockmusik, die Spaß macht und auf Open-Airs ordentlich Stimmung macht. Und Anderseits ist es auch eine Platte, der schnell die Luft ausgeht, gerade weil es die Musiker wohl doch zur sehr auf das „Spaß machen“ ansetzten. Das ist nichts Schlechtes, aber The Haze fehlen im Gegensatz zum analytisch-gedachten Vorgänger Blood ein paar weitere Facetten im Songwriting, um auch zum Langstrecken- oder zumindest Mittelstreckenläufer zu werden. The Haze ist ein ordentliches Album, in dem einfach Mehr drin gewesen wäre. Die Riffs und die Refrains schieben und knallen, die Power ist da, aber insgesamt ist das Album doch zu einseitig. Die Anlage ist da, die Songs sind gut, aber nicht gut genug um die Einseitigkeit der Umsetzung und der Arrangements zu vertrösten. Auch wenn die Band aus Leeds in der zweiten Hälfte des Albums öfter mal das Tempo drosselt können sie damit keine große Abwechslung erzeugen.

Mit The Haze haben Pulled Apart By Horses ein solides Album abgeliefert. Mit ihrem vierten Album arbeitet die Band weiter am härteren Ende des britischen Indie-Rocks, lassen dabei aber Tiefgang vermissen: Der Vorgänger, Blood, hatte ein schöneres Maß an übersteuertem, aufgedrehtenIndie-Rock und tiefgreifenderem Songwriting präsentiert. Diese Balance vermisst man auf The Haze, das daher leider eher früher als später seinen Reiz verliert. Trotzdem sind einige tolle Einzeltitel dabei, die sich vor allem Live gelungen ins Set einfügen und eher in den Zufallswiedergabe einer Playlist als auf dem Plattenteller glänzen.



Schreib einen Kommentar

Bitte gib deinen Namen ein

Du musst deinen Namen eingeben

Bitte gib eine gültige Email-Adresse ein

Du musst eine Email-Adresse eingeben

Bitte gib deine Nachricht ein

Pretty in Noise © 2017 All Rights Reserved

by: Florian Dietmar Gropp & Marc Michael Mays