Sonntagskolumne: Heute Kneippgang mit Dälek/FAUST und Annamateur

Sonntagskolumne – Die mieseste Kredithaibande der Stadt


Hier bleibt von Ostern nicht so viel, ausser vielleicht die freien Tage, die mit irgendwas gefüllt werden wollen. Der rituelle Rest ist im Wechsel der Systeme verschwunden. Freitags gab es Schwein vom Grill, wo sonst gottesfürchtiger Fisch angebracht wäre. (Am Nachbartisch Entsetzen: Sünde! Die wenigen bayerischen Gäste sind brav katholisch, so wird dann diskutiert, ob das Kotelett jetzt der Leib Christi sei, man also den Heiland verspeist) Wird nicht weiter verfolgt, das Gespräch.

Jedenfalls den Tag mit nackten Füßen im Flusswasser verbracht, nach weissem Gold suchen. Irgendwann vor Braun und Rot gab es hier eine Porzellanmanufaktur, deren Ausschuss im Fluss landete, so ist das Flussbett voller Fehlgüsse aller Art. Ich finde sie beim meditativen rumwaten durch am ende arschkaltes Bergwasser, bald spüre ich meine Zehen nicht mehr. Eine Einheimische mit großem, überzüchteten Schäferhund gibt mir Feuer und warnt vor den Spätfolgen des Kaltwassertretens, die aber erst mit 60 spürbar sind. (…) Wir rauchen gemeinsam, der Schäferhund sieht krank aus, die Hüfte, jaja. Bevor das Thema auf irgendwas kontroverseres kommt, wechsel ich den Flussabschnitt. Kein Feuerzeug zu haben heisst automatisch Smalltalk mit Menschen, die sich mit großen Hunden bewaffnet haben. Manche sehen so ganz tiefsitzend wütend aus, sogar deren Kinder und Hunde erben diesen Blick, den sie dann allem zuwerfen, was sie nicht kennen oder mögen oder kennen aber hassen oder wie auch immer. Sie haben sich für den Waldspaziergang Kleidung zurechtgelegt mit gelben und grünen Zierstreifen und Walkingstöcke und Wasserflaschen und halt diesen Blick dabei, den sie auch haben, wenn sie dann im Ort ins Eiscafe gehen und eine frühe Kugel Eis essen, die immer viel billiger war, was ja auch stimmt. Am Ufer gegenüber liegt ein altes Ausflugslokal, es liegt wirklich so rum, jemand soll einen Stützpfeiler entfernt haben, da ist es gefallen und liegengeblieben. Jetzt liegt es da und gibt Anlass für den Blick und Worte über früher und heute und das das alles schade ist, dann findet jemand die Verbindung zur deutschen Politik (früher, heute) man nickt wissend. Überhaupt dieses politische Nicken-Schweigen ist sonderbar, so als ob hier alle irgendwas wissen, was man nicht ausspricht, weil es noch zu früh ist oder schon zu spät und eh alles den Bach runter geht und dies und das und ganz viel jenes. Satte, funktionsbekleidete Empärung, jemand öffnet eine Dose Würstchen, Kindern wird hinterhergeschrien, sie heißen wie man sich das vorstellt und dürfen den Hund nicht streicheln oder sollen die bunten Plastikschuhe zumachen oder auf die Wurzel achten oder sich ein Würstchen holen oder was auch immer. Irgendwie alles neu aber nostalgisch kombiniert, Männer mit Undercut, Frauen mit Strähnen in Farben, Damen mit blaugespülten Haaren (lilasilbergrau) Herren mit Kunstlederjacken, die ihren Vorgängern in Sachen Speckigkeit in nichts nachstehen. Jemand sagt „So helle wie zehn Dunkle“, man lacht.

Dälek / Faust: T-Electronique

Sonderbare Kollaboration von 2002. Stimmung!

Ton Steine Scherben: Alles verändert sich

Joar, wenn „Wir müssen hier raus“ nicht geht.

Annamateur: Gut sortiert

Sollte in Freital in Dauerschleife laufen.



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