Vinyl immer portofrei bei jpc.de

Im Grossen und Ganzen wirkt die Scheibe wie eine Wundertüte mit diversen musikalischen Inhalten, bei dem – je nach Glück – manchmal was Unspannendes rausgezogen wird und zuweilen was Tolles.

Fünf Jahre war es um die beiden chemischen Brüder im Geiste Ed Simons und Tom Rowlands eher ruhig. Es gab hie und da ein DJ-Set, und Simons konzentrierte sich auf seine Uni-Karriere. Nun kommen die CHEMICAL BROTHERS mit einem nicht unbedingt erwarteten (regulären) achten Album daher. Bei den ersten Hördurchläufen macht sich – zumindest bei den Dancefloor-Leuten – eventuell ein wenig Enttäuschung breit, denn es funzt bedeutend weniger als auf den letzten Longplayern der beiden Herren. Zu hören ist ein retrospektives Album mit etlichen Laid-Back-Momenten.

Ein paar Gimmicks („Just Bang“) erinnern an jene Zeit in den Neunzigern, als es so langsam uncool wurde Techno zu hören, da die Sounds platt und unaufgeräumt wurden und vor allem Atzen mit Trillerpfeifen (vier Jahre zu spät) und auswaschbarer Haarfarbe anfingen auf die Spass-Bremse zu treten, bevor Elektronik sich dann im neuen Jahrzehnt erholt, frisch und innovativ präsentierte. „I´ll see you“ klingt nach der Anfangsphase der Band: Block rockende Beats wie aus dem Poesiealbum der Musikgeschichte.

Aber es gibt natürlich auch eine ganze Menge schöner Momente und Klänge auf dem Album: da wäre zum Beispiel die erste Single „Go“ mit Q-Tip von A TRIBE CALLED QUEST am Mikro: nicht nur durch den bereits mit „Galvanize“ eingeführten Sänger eine sichere Bank, sondern generell eine typische Erstauskopplung für die THE CHEMICAL BROTHERS: perfekt produziert, tolle Beats, geile Klänge, eine Melodie welche sofort ins Ohr geht, mit lustig listigen Sprechgesängen und einem ebensolchen Video von dem auch schon früher involvierten Meister Michel Gondry.

„Reflexion“ ist ein psychedelisches, nervöses Frickel-Brett (wird wohl gerade wieder modern), welches ordentlich aufhorchen lässt, während „EML Ritual“ ein digitales Acid-House-Adventure ist.

„Under the neon lights“ funktioniert als spinnwebenverhangene Goth-Disco mit St. Vincent am Mikro. „Wide Open“ wird von Beck veredelt und erinnert leicht an NEW ORDER und noch mehr an deren Seiten-Projekt ELECTRONIC. Könnte das neue „Sky & Sand“ werden, wobei natürlich die Gefahr besteht, nach einem halben Jahr ähnlich durchgenudelt zu sein. Der Song ist nicht nur der letzte auf „Born in the Echoes“, sondern auch ein Highlight.

Nicht das wir uns falsch verstehen: „Born in the Echoes“ ist auf keinen Fall ein schlechtes Album. Im THE CHEMICAL BROTHERS-Kosmos ist es aber kein spezielles Album, da es in Bezug auf Musik, Technik und leichte Durchgedrehtheit weniger innovativ ist als jeder bisherige Longplayer in der nicht kurzen und wohlverdienten Karriere der Band. Es sind einige fein produzierte Pop-Songs (mit Gesang) an Bord, die auch im Formatradio laufen können. Ein bisschen kurz kommen die Tracks zum Abgehen im Konzert – und Live-Auftritte sind nun mal die grosse Stärke der Band. Im Grossen und Ganzen wirkt die Scheibe wie eine Wundertüte mit diversen musikalischen Inhalten, bei dem – je nach Glück – manchmal was Unspannendes rausgezogen wird und zuweilen was Tolles.

Nachbemerkung: „Immerhin viel besser als die beiden letzten Alben von THE PRODIGY!“ flüstert der kleine Mann im linken Ohr. Sogleich mault sein Artgenosse weiter rechts: „Na und? Das ist ja auch nicht besonders schwer, oder?“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Auch Interessant

Casino Royale und dessen Soundtrack

2006 gab es im Kino einen der größten Rollenwechsel in den vergangenen Jahren. Nachdem Pie…