„Peripheral Vision“ stellt vor gerade mal zwei Jahren einen amtlichen Bruch im Schaffen der US-Amerikaner Turnover dar.

Vorbei die Zeiten von poppigem Punk mit Emo-Anleihen, stattdessen verträumter, tieftrauriger Indie-Rock, der schon mit dem ersten Song einlullt und es trotzdem schafft, dringlich zu wirken. Das Albumcover passt zum Sound: Schwarz- und Rottöne in verschiedenen Abstufungen formen das Gesicht einer Frau, das sich hinter gesplittertem Glas abzeichnet.

Das Artwork des neuen Albums zeigt eine kunterbunte Dschungellandschaft vor grellem Abendhimmel. Was das kindlich anmutende Cover vermuten lässt, bestätigt jeder einzelne der neuen Songs: Turnover klingen fröhlicher und haben sich ihren Dream-Pop weiter zurechtgelegt. Das Schlagzeug gibt wenig abwechslungsreich den Takt vor, die Gitarren klimpern vergnügt vor sich hin und Sänger Austin Getz haucht dazu seine Songtexte, die von neuen und alten Liebschaften und längst vergangenen Sommerabenden handeln. Für eben solche lauen Spätsommerabende ist „Good Nature“ der perfekte Soundtrack, das Album gehört ans knisternde Lagerfeuer, unter den Sternenhimmel oder ins Autoradio auf der Fahrt in den Sonnenuntergang – weil man sich als Hörer nur zu gerne einhüllen lässt in diese Mischung aus Wohlklang und latenter Melancholie.

In weniger romantischer Szenerie kränkelt „Good Nature“ jedoch an seiner Monotonie. Wo der Vorgänger noch den ein oder anderen Übersong auffährt und bei Zeiten dezent angeraut um die Ecke kommt, verlässt sich der aktuelle Longplayer auf die Geschlossenheit des neuen Materials. Hier gibt es keine Ausreißer, „nur“ elf schöne Songs, denen man jederzeit das Talent der Musiker anhört.

Turnover haben sich mit dem herausragenden Vorgänger in eine missliche Lage und an die Spitze des Emo-Revivals gebracht. „Good Nature“ macht Spaß, die limitierenden Grenzen des Dream-Pop sollten Turnover trotzdem bald hinter sich lassen, wenn sie sich nicht in eine Sackgasse manövrieren wollen. Nach den Aufnahmen des Albums trennt sich die Band im vergangenen Frühjahr von Gitarrist Eric Soucy. Wenn das mal nicht den nächsten amtlichen Bruch im Sound der Band nach sich zieht…

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