Vomit Heat ist das Soloprojekt des Esseners Nils Herzogenrath. Dem geneigten Musikhörer ist er ein Begriff als einer der fünf Jungs von Oracles.

Herzogenrath ist Epitom für psychedelischen Neo-Krautrock, afrikanischen Beats und Disco, der immer mit einem Herz für Melodien und großer Spielfreude fusioniert. Diesem Motto bleibt sich Herzogenrath auch bei Vomit Heat treu. Das Projekt ist nicht, wie man denken könnte, eine Punkband aus dem Ruhrpott, sondern hausgemachter, experimenteller Shoegaze.

Am Freitag erscheint das neue Machwerk „Spirit Desire“ mit acht Stücken auf dem Label Ana Ott. Bereits der erste Titel „Little Love/Little Light“ beinhaltet bereits sämtliche Elemente des Albums. Schicht über Schicht werden einprägsame Stringloops über geisterbeschwörenden Dub Reggae Vocals gelegt, dabei mit eine ordentlichen Portion umzogen. Hier wabbert kein Klangteppich vor sich hin, sondern die fein gesetzten Meoldien, oft überraschend daherkommend, strömen in die Ohren und setzen sich im Hirn fest. Bei „Miriam“ wird sich bei der britischen Indie-Rock-Band The Jesus and Mary Chain bedient. Die Vocals aus der hintersten Ecke eines dickwändigen Proberaums treffen auf eine leichtfüßig agierende Drumbox. Stück Nummer drei beginnt so, wie es heißt: „In Levitation“. Frei schwebend lässt es den Hörer zunächst fern der Schwerkraft, schaltet dann die Gravitationsmaschine auf Ansaugen und schafft mit dezenten Gitarrenklängen einen famosen Popentwurf. Auch „Pretender“ bedient sich musikalischer Anleihen, in diesem Fall TJ&MC. Prominent sind bei diesem Track Unmengen von Fuzzeffekten und einem unerschüttlich gleichmutigen Beat. „Daydream Maschine“ fährt langsam den Rechner hoch, zeigt sich mit einem fast klarem Gitarrenklang, der den Akkord wie ein Mantra vor sich herträgt. Über neun Minuten zieht sich die Tagestraummaschine aus dem Hause autogenes Training ohne Klangschale. Fuzziger wird es dann wieder in dem knackig daherkommenden „Broken Heartscape“. Den Herzschlag gibt der Drumcomputer vor und die Reise geht durch einen Side-Scroller mit montypython’esken Pop-Art-Anstrich. „Wrong Place“ ist der richtige Ort, um keinen Pop-Song zu finden. Irgendwo im Hintergrund versteckt sich Melodiöses, doch 1LIVE liegt zwischen Frequenzen, die aus Guitar Noise und Verzerrung bestehen. Zu guter Letzt: „Rotten“. Was einladend beginnt, mutiert zum Alptraum. Hängengeblieben auf halluzinogen Drogentrip ruft eine Stimme aus der Ferne. Dann wieder Stille und immer die Angst, die Stimme kröche schreiend aus den Boxen. Doch die Magie des Songs entsteht aus der Foltertechnik der Ruhe in einem schalldichten Raum. Wäre da nicht Vomit Heat, um am Ende mit dieser Vorstellung aufzuräumen.

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