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Wenn der Name Josh Scogin fällt, erzittern immer noch Clubbesitzer. Heftig waren die Auftritte seiner vorherigen Bands auf jeden Fall. Das zweite Album seines aktuellen Spielplatzes ’68 zeigt neben dem ständig präsenten Chaos eine interessante Entwicklung zur Musik im Allgemeinen.

Das neue ’68 Album startet mit dem als Intro gestalteten „Eventually We All Win“ recht typisch. Laut und Leise wechseln sich gekonnt ab und lassen einiges hoffen. Allerdings kommt es doch etwas anders und mit „Whether Terrified or Unafraid“ wird man mit einem perfekten Südstaaten-Groove begrüßt, wie in einschlägige Bands nicht besser hinbekommen würden. Die Gitarre brät ohne Ende und das Schlagzeug von Drummer Michael McClellan klingt sehr wuchtig. Mich verwundert der Druck, der hier entfacht wird, fehlt ein Bass völlig. Aber Technik macht es möglich. Ein guter Einstieg für ein Album einer Band aus Georgia.

My Heart Speaks Again And Again Until We Understand

Der dritte Song „Without Any Words (Only Crying and Laughter)“ geht glatt als Halb-Ballade durch. Cleane Gitarren, reduziertes Schlagzeug und melodischer Gesang lässt das gute Stück in einem düsteren Country-Licht erstrahlen, Hammond-Orgel mit inbegriffen, trotzdem wirkt das Ganze leicht morbide. Doch mit dem nächsten Song geht es wieder in die groovig-rockigen Gefilde. „This Life is Old, New, Borrowed and Blue“ erinnert tatsächlich ein wenig an Led Zeppelin, was ein großes Kompliment ist. Klar erreicht man nicht die Klasse, was auch unmöglich ist, aber dieses wohle Gefühl stellt sich ein und man wippt automatisch mit dem Fuß mit.

I’ve Got The Blues But The Blues Ain’t Got Me

„No Apologies“ ist durchaus ein klassischer ’68-Song, Chaos wechselt sich mit Groove und einem tollen Refrain ab. „The Workers Are Few“ ist der Hammer. Scogin und McClennan haben wohl Spaß an einer großartigen Band aus Sacramento gefunden und das in diesem Song umgesetzt. Live und in einschlägigen Discos könnte das eine Hymne werden. „Life Has Its Design“ zeigt danach, was alles möglich ist, wenn man mit Gitarren-Effekten vertraut ist. Das Stück klingt wie ein völlig kaputter Hip-Hop-Track, schon genial. Natürlich bleibt die morbide Atmosphäre erhalten, aber damit rechnet man nicht. „Death is a Lottery“ ist nochmal ein gut aufgebauter Song, der von schweren Grooves in ein melodisches Ende wechselt und „What More Can I Say“ schließt das Album mit einem sehr emotionalen Text, bei dem Scogin nochmal seine Intentionen perfekt formuliert. Großartig wie er sich immer mehr in seine Zeilen reinsteigert.

I’ve Got The Lyrics That Don’t Mean Anything To You But They Mean Much To Me

’68s zweites Album wird einige Hörer überraschen. Ich persönlich finde es erstaunlich, was aus Scogin geworden ist, wie er seine Herangehensweise an Musik verändert hat. Die Wurzeln sind noch klar zu vernehmen, aber die Entwicklung ist wirklich unglaublich. Ende Juni kann man das ganze live auf den Bühnen in Deutschland erleben. Bis dahin bleibt eine gute halbe Stunde interessanter Musik mit der ein oder anderen Überraschung.

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