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Coole Werkschau eines Berliner Underground-Labels.

LP kaufen Vö: 13.11.2017 8mm Musik

Die 8mm Bar in der Hauptstadt ist eine Anlaufstelle für alle, die Bock auf zeitgenössischen Garage-, Noise- und Psychedelic Rock haben und gerne von Musikern an der Bar bedient werden. Klar, Berlin ist bekannt für sein maßloses Rumgehipstere und hat diese unsägliche Schein-Elite für alles schräge und ungewöhnliche auf den Plan gerufen. Zum Glück gibt es dennoch einige wirklich unpeinliche Szene-Institutionen, wozu die 8mm Bar natürlich gerechnet werden darf. Darüber hinaus wird von den Initiatoren auch noch ein gleichnamiges Label betrieben, dass sich auf Bands der vorgenannten Genres spezialisiert hat. Seit 2002 erscheinen regelmäßig spannende Veröffentlichungen auf 8mm, die aktuellste ist ein Jubiläums-Sampler auf orangenem 180g Vinyl, der Beiträge einiger cooler Labelbands enthält.

Die Kunst am Sampler gestalten ist, Stücke von unterschiedlichen Bands so anzuordnen, dass ein gewisser „Flow“ entsteht. Bevor ich jetzt mit unnötigen Erklärungen offenen Türen einrenne, das ist den Berlinern hier echt gut geglückt. Und das, obwohl hier alle möglichen Genres bedient werden. Bei nahezu allen Stücken schwingt ein ordentliches Maß an Psychedelica und Spacerock mit, was dem Sampler einen trippig-drogigen Charakter verleiht. Es gibt wunderbare Krautrock-Reminiszenzen, wie etwa bei den Stücken von Camra und Full Moon Fiasco. Während ersteres sehr angenehm an die Protagonisten der kosmischen Musik erinnert, mutiert letzteres zum waberigen Fiebertraum mit Post-Punk Touch und feinen Vocals.

Da wir gerade von Post-Punk sprechen, der ist natürlich auch recht präsent auf der Zusammenstellung. Maraudeur etwa schlagen mit ihrem „Scorpio“ genau in die Kerbe und versetzen ihre Musik zusätzlich mit Riot-Grrrl- und Elektroanleihen. Oder auch die Songs von Odd Couple und RÁN lassen schnell erkennen, wo die Wurzeln der Bands liegen. Seltsam aber passend kommen mit den Stücken von The Underground Youth und Gunman & The Holy Ghost leichte bis direkte Züge von staubiger Westernmusik ins Gemisch. Während die Untergrundjugend noch mit einem Bein im an The Nephilim erinnernden Dark Wave steht, herrscht beim Revolvermann düsterer Purismus. Akustikgitarre, Orgel und eine tiefe, an den großen Nick Cave erinnernde Stimme machen das Stück zu einem Highlight der Zusammenstellung. Etwas moderner geht es etwa bei LeVent oder Aporia zu. Psychedelische Popmusik, etwas diffus und vorsätzlich verwaschen, was aber weder dem Hörvergnügen, noch dem roten Faden des Samplers abträglich ist. Nach einem geil schrägen, punkigen Garage-Ausflug von Balagan, der sich gerne Vergleiche mit Protopunkern aus den 1970ern gefallen lassen kann und dynamisch-hypnotischem Spacerocker von Jawbones, findet sich mit Gurr’s „Moby Dick“ noch ein echtes Highlight, ein Aufatmen, ja, ein Farbtupfer im der nebligen Düsternis. Positiver Indierock mit zuckersüßen, weibliche Vocals.

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