Das ist mal ein Albumcover. Schmetterlingsbrille, Regenbogenkopf, Rosenaugen, Vulkaniergruß und Reptil an der Leine. Ob man davon auf die Musik dahinter schließen kann?

Mit Gin Tonic State of Mind geht es passend zum Zeitgeist los. Den State of Mind werden wir spätestens mit dem Zuhausebleibenmüssen ab kommender Woche wohl öfter anstreben. Der Opener des dritten Albums von A Tale of Golden Keys kommt auf genau die düster-launische Schrammeltour daher, die schon im Debütalbum so Spaß gemacht hat.

Hockey Pants, Vorabsingle und Verträumt-aus-dem-Fenster-guck-Hymne deluxe, biegt dann aber ab in Richtung Weilheim zu den Acherbrüdern. Es Notwistet an allen Ecken und Enden. Weniger Blumenkinderindie, mehr Melodie verpackt in zackige Grooves und verkopfte Texte. Aber nicht immer. Whirling, mit einem Feature mit Elena Steri, Ukulelenvirtuosin und Mitnürnbergerin, „Can you make her go away – can’t stand to see her whirling“ ist voller Melancholie mitten im schönsten Mitwipprhythmus.



Aber nur nicht zu lange. Mit „My hand is in quarantine“ startet Hostility um einiges schiebender, eine Prise Autotune (nicht, dass sie es nötig hätten) und ein gehöriger Sprung in der Dynamik. Da explodiert es, dass es eine Freude ist. + danach ist ein rätselhaft verträumtes, instrumentales Zwischenspiel, das die perfekte Brücke schlägt zu Rainbow Melancholy. Einen passenderen Liedtitel hat es lange nicht gegeben, mehre Sphäre geht kaum. Danach aber genug der Träumerei, Cars legt einen höheren Gang ein, holt die erste Platte auf den Rücksitz und düst in Richtung Albumfinale.

No endodontic treatment ist nach der ganzen Harmonie und Melancholie angenehm sperrig. Welche Zahnbehandlung hier genau nicht gewünscht wird, bleibt schleierhaft, der Albumtitel macht jedoch hier seine Aufwartung. Wrong fährt mit leicht klischeebeladenen Sounds und Melodien auf die Zielgerade des Albums, was hier aber mit am besten funktioniert, ist der Kontrast zwischen der ewig traurigen Stimme von Sänger Hannes Neunhoeffer. Mit Books endet ein Album, das nicht besser in den Herbst, das Einsamfühlen und Eingeschlossensein, passen könnte. Das Lied ist der perfekte Abspannsong für alle Indiefilme. Überhaupt passt hier sehr viel.

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