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Meistens gelingt es Abay, die Emotionalität seiner Kunst angemessen zu inszenieren. Dort, wo es droht, in den Kitsch abzudriften, zieht er schnell genug die Bremse. Textlich geht es um die großen Gefühle: Liebe und Nostalgie, Freundschaft und enttäuschtes Vertrauen.

Was macht eigentlich Aydo Abay? Nach vielen Alben, Touren und der Trennung von Blackmail sowie seinem Projekt KEN startet der Sänger jetzt unter eigenem Namen seine Singer-Songwriter-Karriere.

Vor ein paar Monaten hatte Abay bereits durch ein Abba-Cover von „I Have A Dream“ sowie ein Scooter-Medley von sich reden gemacht. Gewagt, aber auch ein geschickter PR-Coup; die Visions sprach gar von einem „Ritterschlag von den Großmeistern des Pop“. Das lassen wir mal so stehen. Jetzt gibt es jedenfalls die neue EP.

„Blank Sheets“, das impliziert einen Neuanfang. Abay möchte sich als Künstler neu erfinden und nach unerforschten Wegen suchen. Er selbst ordnet seine Musik als „Post-Pop“ ein.

Musikalisch präsentiert sich die EP (die immerhin aus neun Songs besteht – ist das nicht schon ein Album?) durchaus zugänglich. Abays leicht belegte, Brian Molko nicht unähnliche Stimme steht im Mittelpunkt und bringt uns die melancholischen Songs näher. Immer in der Musik präsent ist eine fatalistische Grundstimmung, die einen trotz der eher sanft fließenden Klänge nicht zur Ruhe kommen lässt.

Stellenweise ruft Abay Assoziationen zu Blackfield, dem Nebenprojekt von Porcupine Tree-Mastermind Steven Wilson und Aviv Geffen hervor. Besonders „The Boat“ weist hier einige Überschneidungen auf. Es ist die Stimme, das Arrangement, die Atmosphäre und Instrumentierung. Das gefällt.

„All Sorrow“ nimmt gegen Ende Fahrt auf und bricht angenehm aus den Grenzen des akustischen Singer-Songwriter-Konzeptes aus. Der „Nanana“-Teil am Ende ist zwar etwas kitschig, gräbt sich aber erfolgreich in den Gehörgängen fest. Ein Ohrwurm, dem man nicht böse ist.

Das wunderbar leicht und sphärisch wirkende „Bloody Denmark“ schafft den versöhnenden Abschluss zu Blank Sheets. Ein schöner, leiser und lauter Song, der Anleihen beim Post-Rock macht, ohne dessen Weitläufigkeit zu überstrapazieren.

Meistens gelingt es Abay, die Emotionalität seiner Kunst angemessen zu inszenieren. Dort, wo es droht, in den Kitsch abzudriften, zieht er schnell genug die Bremse. Textlich geht es um die großen Gefühle: Liebe und Nostalgie, Freundschaft und enttäuschtes Vertrauen.

Nach dem Durchhören der EP fällt einem auf, dass sich das Klangbild der meisten Songs doch sehr ähnelt. Ein bisschen mehr Abwechslungsreichtum und Experimentierfreude hätten Blank Sheets sicher gut getan – ein paar Ecken und Kanten eben. Die Produktion ist zudem recht komprimiert und manchmal an der Grenze zum Überproduzierten. Gravierend ist das nicht, es trübt den Gesamteindruck nur ein bisschen.

Man muss am Ende sagen, dass Abay hier eine sehr stimmige, runde Sache gelungen ist. Die verträumte Stimmung und der unaufdringliche Ohrwurm-Faktor laden dazu ein, auf Repeat zu drücken. Lohnt sich!

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