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Destrier ist musikalisch ein vielfältiges und emotionales Werk mit harten, verträumten und sogar tanzbaren Songs. Einzig die Stimme Arnarsons mag gewöhnungsbedürftig sein, wenn man ein Fan von tiefen Stimmen oder gänzlich instrumentaler Musik ist. Die hohe Chartplatzierung haben Agent Fresco sich jedoch redlich verdient!

Nach einer fünfjährigen Wartezeit, haben Agent Fresco im August 2015 ihr zweites Album mit dem Titel Destrier veröffentlicht. Selbst einem Hörer, dem diese Band bisher doch völlig unbekannt geblieben ist, mag der typisch isländische Sound direkt auffallen. Von Beginn an strotzt der Langspieler mit 14 Songs auf knapp mehr als 50 Minuten Gesamtspielzeit vor Emotionen, einem Wechsel aus Licht und Dunkelheit, untermalt durch verträumte Pianoklänge und die bewegende Stimme des Sängers Arnór Dan Arnarson.

Das Album beginnt mit Let Them See Us und seinem langen Intro episch und orchestral, während Arnarson vorsichtig die imaginäre Bühne betritt. Erst verletztlich, doch bald hoffnungsvoll anmutend, bringt der Sänger innerhalb kürzester Zeit eine Springflut von Gefühlen zustande, die über den nichtsahnenden Hörer hineinbricht und während dieser noch nicht so recht weiß, wie ihm geschieht, schließt sich der zweite Song Dark Water mit seinen offensiven Math-Rock-Einflüssen und einem prägnanten Beat nahtlos an den Opener an.

Dass es sich bei allen Bandmitgliedern um ambitionierte und talentierte Musiker handelt, war vermutlich noch niemals ein Geheimnis, ist es aber auch spätestens nach diesen beiden Songs nicht mehr. Vom Piano/Keyboard über die Saiteninstrumente bis hin zu den Drums, vollbringen die vier Isländer ein facettenreiches Werk, in dem alle Klänge perfekt auf einander abgestimmt erscheinen. Dem kritischen Hörer roher Rockmusik mag diese Art schon beinahe zu perfekt vorkommen, da sie wenig Raum für Überraschungen bietet. Das Geheimnis dieses Albums aber liegt verborgen in seiner Gänze.

Der Titelgeber Destrier besticht durch härtere Gitarrenriffs und einen liebevollen Gesang mit Radiocharakter. Es wundert also auch nicht, dass die Band es im Sturm auf den ersten Platz der isländischen Albumcharts geschafft hat.

Schon während der ersten Songs wird klar, dass man diese Band nicht in eine Genre-Schublade stecken kann. Die Musiker aus Reykjavík verkörpern das Beste aus progressivem und experimentellem Rock, Alternative und klassischen Einflüssen, ergänzt durch manchen elektronischen Klang, wofür Pyre als Paradebeispiel gelten kann.

Sucht man nach dem für Agent Fresco am meisten aus der Art schlagenden Song, sollte man sich den zwölften Titel Angst anhören. Mit nur 01:36 Minuten Länge lässt er den Hörer in die tiefsten Ängste und Krisen abrutschen, während ihm ein verstörend harter und aggressiver Gesang entgegenschlägt.

Thematisch verarbeitet Sänger Arnarson auf dem Album eine Gewalterfahrung, die er drei Jahre zuvor gemacht hatte und durch die er nicht nur körperliche, sondern auch seelische Verletzungen erlitt. In Anbetracht dieser Hintergründe, erschließt sich auch, wieso ausgerechnet ein Destrier – ein mittelalterliches Kriegspferd – zum Namensgeber und Wegbegleiter dieses Albums ernannt wurde. Während des Kompositionsprozesses ließ sich Arnarson von seinen Emotionen wie Zorn, Wut und Angst leiten, die ihn in Panikattacken und Schlaflosigkeit hineintrieben – und in ein atemberaubendes Album, das durch seine Vielfältigkeit seinesgleichen sucht.

Die zwei Schlussstücke Death Rattle und Mono No Aware weben einen wundervoll ruhigen Klangteppich und bilden einen stimmigen und runden Abschluss dieses Albums. Es wirkt, als hätte Arnarson sein Ziel erreicht und seine belastenden Empfindungen mit der Vollendung dieses Werks tatsächlich überwunden.

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Zusammenfassung
„Destrier“ ist musikalisch ein vielfältiges und emotionales Werk mit harten, verträumten und sogar tanzbaren Songs. Einzig die Stimme Arnarsons mag gewöhnungsbedürftig sein, wenn man ein Fan von tiefen Stimmen oder gänzlich instrumentaler Musik ist. Die hohe Chartplatzierung haben Agent Fresco sich jedoch redlich verdient!
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