Vier Jahre nach Welt in Klammern ist Max Rieger mit Andere, Album Nummer drei seines Soloprojekts All diese Gewalt tatsächlich in eine (pardon) andere Richtung gegangen, als man erwartet hätte.

Grundsätzlich kann man einen Großteil der Musik in zwei Gruppen einteilen: Atmosphäre oder Melodie. Stones oder Beatles. Wo Welt in Klammern und seine Vorgänger düstere Drone-Teppiche woben, macht Andere auf kompaktes Songwriting. Wo All diese Gewalt vor vier Jahren noch in abstrakten Bildern sprach, eröffnet das neue Album mit „Ich weiß ich bin allein / und werd‘ es immer sein“. Nackter geht es kaum.

Halte mich ist ein echter Introsong, bahnt sich langsam seinen weg, steigert sich, explodiert und verebbt – schlägt die Brücke zu den Songs von Welt in Klammern. Erfolgreiche Life, Riegers mürrischer Kommentar zu Karriereleitern stößt die Tür dann aber weit auf in kompaktes Songwriting. Ein düsterer Zwilling zu Deichkinds Bück dich hoch.



Zwischen Persönlichem (Dein, Etwas passiert, Sich ergeben), Gesellschaftlichem (Echokammer, Erfolgreiche Life und gelegentlichen Die Nerven-B-Seiten (Grenzen, Maske) oszilliert Andere. Mit Blind kommt kurz vor Schluss noch einmal die Rückbesinnung auf die früheren All diese Gewalt-Alben, thematisch wie musikalisch. Bevor das Album mit einem Befreiungsschlag endet.

Wie es Rieger im Interview mit PiN (erscheint in Kürze) sagte, ist das Lied, was am meisten heraussticht, überrascht, eine neue Richtung einschlägt tatsächlich Titeltrack Andere. Der Soundteppich, der hier gewoben wird, ist dichter, glitzernder und epischer als alles, was Rieger bisher gemacht hat. Wie das Finale eines Sci-Fi-Epos schreitet er in Richtung Licht. Und entlässt uns, so ganz kann er das Kryptische nicht lassen, mit Bluetooth-Verbindungs-Meldungen, die man im Öffi-Alltag für eine Weile für die Fehlermeldung der eigenen Kopfhörer hält, bevor man im Musikvideo zum Song die selben Meldungen hört. „Ready to pair“ – aber sowas von.

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