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Es ist der Klang dichter Ängste, trostloser Gedanken und bedrückender Schwere, der „Uncomfortable Skin“, das neue Album von All Your Sisters, verströmt.

Das Duo aus San Francisco wickelt mit seinem durchdringenden Post-Punk die Welt in einen tiefstehenden, undurchlässigen Nebel ein. Mechanische Beats stehen mit ihrem gefühllosen Marsch im Kontrast zu den leidenschaftlichen, abgrundtiefen Bass- und Gitarrenriffs und Gesang. Genau dieses Spiel zwischen kalten, elektronischen Elementen und der Intensität der Riffs und Vocals machen den Sound von All Your Sisters aus. Man hört die vielen Einflüsse aus Darkwave, Industrial, Post-Punk und auch Metal heraus, und wie alles zu einem in sich geschlossenen, eigenen Charakter gemischt wird.

Im Vergleich zum Debüt-Album, „Modern Failures“ haben hier Jordan Morrison (Gitarre, Synths, Vocals) und Mario Armando Ruiz (Bass, Synths) einen volleren Sound kreiert: Es gibt mehr Bass, mehr Dichte, mehr Spannung. Gleichzeitig ist auch das Gefühl der Hoffnungslosigkeit stärker, die vor allem die Lyrics vermitteln. Diese spiegeln das „own Hell“ vom Sänger und Gitarrist Jordan Morrison: Er nahm Inspiration von seinen Erlebnissen als Rettungssanitäter, als er die verletzlichsten Seiten des Lebens mit den eigenen Augen sah.

Harte, schnelle, heftige Songs wie der Industrial angehauchte „Black God“ oder der verzerrte „Reconcile“ , die wie eine Peitsche umhauen, wechseln sich mit langsameren Stücken wie „Loss“ und „Open Wide“ ab, die eine andere Art von Wucht besitzen. Sie strahlen eine seelenfressende Dunkelheit aus, die gefühlt tiefer wirkt. 80er Post-Punk Stimmung kommt dann bei „Remains“ oder „Shame“ hoch. So bleibt das ganze Album spannend. Die Songs sind unterschiedlich, doch gemeinsam haben haben sie einen beunruhigenden, aggressiven Grundton, der an Schicksal und Unentrinnbarkeit denken lässt.

Ein Intro mit Störgeräuschen und Verzerrungen leitet in die Atmosphäre des Albums. Danach kommt die erste Single „Open Wide“. Die nostalgischen Gitarren- und Bassriffs und der Gesang mit dem starken Echo sorgen für ein beklemmendes Gefühl, während die Beats der Drum-Machine straight und erbarmungslos weiter rattern. Der aggressivste Song der Platte, „Black God“, folgt wie ein Schlag. Von dem ersten Ton an spürt man Erbitterung: Die Stimme ist wütend, die Riffs fett und abrasiv, die Stimmung rast und pocht. Nach dieser Rage atmet man für einige Sekunden bei dem sanfteren, doch schneidende Synths von „Heater“. Es dauert nicht lange bevor es wieder harte Beats herunter regnen.

Noch dunkler in der Schattierung wird es mit „Loss“. Der Track ist pure, fassbare Trauer, die die Brust implodieren lässt, die einen toten Punkt im Herzen berührt. Elektro-Beats machen den Song auf, der dann eine unerwartete Richtung mit der prägenden Gitarre nimmt. Schön baut der Bass einen dichten Teppich, lässt keinen Ausweg. Langsam nimmt „Loss“ Anlauf, um dann zerreißend mit dem Gesang an Verletzlichkeit zu gewinnen. Der Sound ist wie schwarze Seide: fließend, doch auch fest und fesselnd.

Der eingängige und im Sinne von Wave/Post-Punk eher traditionellere„Remains“ folgt. Sehr schön klingt hier das Zusammenwachsen von Gitarre und Bass. Ähnlich in dem Stil ist auch „Shame“ mit einer weicheren Gesangslinie und flatternden Synths. Dazwischen und danach wird es mit „Filled With Waste“ und „No Hope“ gespenstisch, dissonant und schwermütig.
Mit einem Bass-Einstieg und schleifenden Gitarrenriffs erreicht das Album wieder einen Höhepunkt – gerade am Ende. „Reconcile“ ist Anspannung, Beklemmung, Klaustrophobie im Klang. Mit einem starken und dramatischen Aufbau schließt der Song den Hörer zwischen den treibenden und schnellen Beats und Bassline ein, um ihn dann mit Energie zu rütteln. Ganz am Ende ist dann ein Schrei. Ein Schrei aus der Tiefe dieser Wolke, die man auf der Haut fühlen kann. Ein Schrei aus der Hölle, die gesungen wird, in deren man sich zehn Tracks lang verliert.

All Your Sisters kommen im Herbst nach Europa.

Diese sind die zurzeit bestätigten Shows in Deutschland:
12. Oktober – Noch besser Leben, Leipzig
5. November – Haus Minusch, Mainz
22. November – Urban Spree, Berlin

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