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Es gibt Bands, die die Welt brennen sehen wollen – und es gibt Amenra aus dem beschaulichen Belgien. Trotz aller Brachialität gibt es immer wieder Hoffnung in der Musik des Kollektivs. Der Kampf zwischen Gut und Böse steht im Vordergrund. Und auf welcher Seite Amenra stehen sollte mittlerweile klar sein.

LP kaufen Vö: 20.10.2017 Neurot Recordings

Fünf Jahre sind seit dem letzen Album „Mass V“ vergangen. Eine Zeit, in der die Band immer wieder mit Verlusten im engsten Familienkreis zu kämpfen hatte. Aber einen Grund zum Aufhören hat es für die fünf Musiker nie gegeben. Die Musik war immer ein Ventil zum Verarbeiten sämtlicher Emotionen. Und das neuste Ergebnis gilt es nun etwas genauer zu betrachten.

Wie die Ruhe vor dem Sturm wirken die immer lauter werden Gitarren am Anfang von „Children Of The Eye“. Nach zwei Minuten bricht zum ersten mal der Himmel ein und Sänger Colin schreit gegen meterhohe Gitarrenwände an. Wuchtig wirken Bass und Schlagzeug dazu, treiben das Stück voran. Monotonie wirkt hierbei hypnotisch. Man taucht langsam aber sicher in den ewig wärenden Kampf ein. Ab der Hälfte nehmen sich die Gitarren zurück und zerbrechlicher Klargesang durchleuchtet die Finsternis der vorangegangenen Minuten. Und trotz des harten Riffings wirken die Harmonien hoffnungsvoll. Alles Leid wird weg gebrüllt und leise klingen die Gitarren aus.

Das auf flämisch gesprochene „Edelkroone“ leitet kurz zum folgenden „Plus près de toi (Closer to you)“ über. Und der Einstieg hier ist umso heftiger. Eine schon Black-Metal-artige Melodie begrüßt den Hörer mit seiner finsteren Fratze. Recht schnell schlägt das Stück jedoch in melancholische Klänge um und fährt die Lautstärke komplett runter. Schlagzeug und sanfte, zerbrechliche Töne untermalen den französischen Gesang, der sehr eindringlich vorgetragen wird und sich Stück für Stück steigert. Gegen Ende erschlägt die Dramatik den Hörer regelrecht. Wie eine Reinigung wirkt der Schlusspart.

„Spijt“ wird eröffnet von einem ebenfalls auf flämisch gesprochenen Teil, der fließend in ein sich wiederholendes Riff übergeht. Nach zweieinhalb Minuten ist auch schon alles vorbei. Die Wirkung bleibt.

„A Solitary Reign“ beginnt ruhig mit klarem Gesang. Wenn die Band komplett einsetzt bleibt es aber erstaunlich ruhig und Sänger Colin liefert eine seiner besten Gesangsleistungen in diesem Rahmen ab. Die Band verliert sich immer mehr in ihren Melodien, die der Finsternis nie ganz das Feld überlassen. Gegen Ende übernimmt die Hoffnung das gesamte Stück und vermittelt ein positives Gefühl. Man kann sich hierbei sehr gut die aufgehende Sonne vorstellen, die langsam die Kälte der Nacht vertreibt.

„Daiken“ fängt mit zurückhaltenden Gitarren an, steigert sich dann aber in die bekannten Wände. Majestätisch kämpfen sich die Melodien voran. Doch zwischenzeitlich taucht der Hörer nochmal in die dunklen Abgründe ein, die es zu überwinden gibt. Zur Hälfte fährt die Band nochmal etwas runter, aber nur, damit man umso mehr überrannt wird von der Urgewalt, die hier entfacht wird. Dieses Wechselbad treiben die Belgier auf die Spitze und demonstrieren hier, warum zu einer der besten Bands in ihrem Genre gehören.

Amenra melden sich mit „Mass VI“ zurück und beanspruchen den Thron für sich. Es ist unglaublich, wie sich das Kollektiv weiter steigern konnte. Jede Melodie trifft voll ins Schwarze, der Gesang ist verdammt gut und passend eingesetzt, das Schreien geht durch den gesamten Körper. Das Album wurde von Billy Anderson perfekt in Szene gesetzt und das Artwork von Stephan Vanfleteren setzt in stimmungsvollen Bildern das Gesamtkonzept um. „Mass VI“ kommt einer Seelenreinigung gleich, nicht mehr, nicht weniger.

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