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Mit „Suspended in Reflections“ kehrt eine der außergewöhnlichsten Rockbands, die dieser Planet jemals hervorgebracht hat, zurück auf die Bildfläche.

Vö: 24.08.2018 Pelagic Records iTunes LP kaufen

6 Jahre nach ihrem letzten, großartigen Album „In Dreams and Time“ auf TeePee Records erscheint nun der vierte Geniestreich der mittlerweile zum Trio geschrumpften Band „Ancestors“ aus Los Angeles auf dem Berliner Label Pelagic Records von Robin Staps, seines Zeichens ebenfalls Gründer des Post-Metal Kollektivs The Ocean.

Die Legierung, aus der Ancestors ihre Songs gießen, war schon immer eine ganz besondere. Von Album zu Album wurde bei Ancestors an einem Konzept von Rockmusik mit möglichst langer Halbwertszeit gearbeitet, an einem Sound der nach allen Seiten hin geöffnet werden kann, dem Elemente hinzugefügt werden können und stetig weiterentwickelt werden kann und dem Hörer von Durchlauf zu Durchlauf neue Hörerlebnisse beschert. Angefangen bei „Neptune with Fire“, dem 2008er Debut auf TeePee, welches noch sehr im psychedelic Stoner/Doom verortet war, über dessen Nachfolger „Of Sound Mind“, welcher schon eine deutliche Evolution hin zu Post-Rock und floydischer Musikalität aufwies, bis zum hochgelobten dritten Album „In Dreams and Time“ aus 2012, auf dem die Verschmelzung von langsamen, schweren Post- Riffs und wuchtigen, atmosphärischen, psychedelischen und melodiösen Instrumentalpassagen à la Pink Floyd ihre bisherige Vollendung fand. Zurecht wurden seinerzeit große Vergleiche herangezogen, um diese bombastische Soundlegierung zu beschreiben. Für Freunde von u.a. Mastodon, Neurosis, Pink Floyd hieß es da recht stimmig, vermochte dieses aber nur im Ansatz zu verdeutlichen, auf welchen Pfaden sich Ancestors anno 2012 bereits befanden. Man höre hierzu einfach nur nochmal in den letzten Track von „In Dreams and Time“ rein, um sich nochmal zu verdeutlichen, welch fantastische Legierung Ancestors da schon in Sound gegossen hatten.

Schwer vorstellbar also, daß Ancestors dieses Superlativ nochmal zu steigern wissen, doch genau dieses ist ihnen mit „Suspended In Reflections“ gelungen. Die 6 Songs des aktuellen Albums mit einer Gesamtspielzeit von 37 Minuten weisen eine atmosphärische Dichte auf, wie sie nur wenige Bands auf gesamter Albumlänge aufrechterhalten können. Würde die Titelanzeige nicht umspringen, könnte man meinen, hier einem einzigen, durchgängigen Stück zu folgen, das sich in seiner Intensität immer weiter steigert. Anfang und Ende, Alpha und Omega sind hier auf einen Punkt komprimiert, so daß es den Anschein macht, als könne man „Suspended In Reflections“ auch in einer Endlosschleife abspielen. Ein Sound, der in die Tiefe geht, an dem man mit dem Ohr kleben bleibt und bei dem es von Durchlauf zu Durchlauf immer wieder neue Nuancen zu entdecken gibt, die die Sinne des Zuhörers zu berühren. Mit verkleinerter Bandbesetzung wurde hier ein Sound auf das Notwendigste reduziert um dabei den größtmöglichen Soundgewinn zu erzielen. Bei einer so fast beispiellosen Homogenität eines Bandsounds ist es natürlich schwierig, hier einen bestimmten Track zwingend zu empfehlen, denn „Suspended in Refletions“ genießt man am besten in voller Gänze. Ein Album nicht für Zwischendurch sondern für die Ewigkeit. Wären die Ancestors vor 50 Jahren mit so einem Sound herausgekommen, hätten sie heute mit ziemlicher Sicherheit einen Status wie Pink Floyd.

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