Cargo-Vinylaktion

Theoretisch mag es zwar der direkte Apologies, I Have None Nachfolger von „London“ sein, praktisch ist auf „Pharmacie“ jedoch nicht mehr allzu viel vom Debüt-Album übrig.


Nach dem Ausstieg zweier Mitglieder und der 2014 veröffentlichten EP „Black Everything“ hatte es sich bereits abgezeichnet: Apologies, I Have None existieren ab sofort nicht mehr als Punkrock-Kombo, sondern widmen sich nahezu gänzlich düsteren, deutlich ruhigeren Klängen.

Wer sich auf einen krachenden Opener der Platte eingestellt hatte, wird direkt auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Mit Piano-Parts, Mid-Tempo-Melodien und klarem Gesang gibt „Love & Medication“ den Takt für die folgende Dreiviertelstunde an. Auch lyrisch dient das eröffnende Stück als Wegweiser für leidende Nachdenklichkeit und Depression, gepaart mit konstanten Selbstzweifeln und Selbsthass („Why the fuck am I like this?“). „Wraith“ kommt anschließend ein Stück weit rockiger und vor allem eingängiger daher, hat inhaltlich aber die gleiche Tendenz: „What the fuck did I wake up for when each and all my actions, every step I take are just slow motion replays of previous mistakes?”

Musikalisch pendelt sich die Platte daraufhin so langsam zwischen Emo, Punk-Balladen und klassischem Rock ein, hat aber immer mal wieder (positive) Ausreißer in Richtung Post-Rock. Mit Stücklängen von über fünf Minuten („Anything Chemical“) und unerwartet atmosphärischen Gitarrenparts („Goodbye, Peace of Mind“) wissen die Briten die Spannung aufrecht zu erhalten und für das entscheidende Quäntchen Abwechslung zu sorgen.

Nach der Quoten-Ballade „Crooked Teeth“ wird die einzige, aber leider nicht unerhebliche Schwäche des Albums deutlich: „Everybody Wants to Talk About Mental Health“ klingt ausgesprochen ähnlich zu den anfänglichen Songs. Mal wieder angesiedelt im mittleren Geschwindigkeitsbereich, plätschert der Track ein wenig vor sich hin bis – und das sei an dieser Stelle bitte ebenso explizit dargestellt – die Band eindrucksvoll ihr Gespür für Abwechslungsreichtum unter Beweis stellt und mit „It’s Never the Words You Say“ das punkigste und am ehesten an „London“ erinnernde Lied hinlegt.

Abgerundet wird die Platte von zwei Epos-artigen Songs mit Überlänge: Während sich „Killer“ während seiner stolzen acht Minuten insbesondere durch die pralle Soundwand der schweren, langsamen Gitarren zum stärksten Track der Platte entwickelt, stellen die recht poppigen sechs Minuten von „A Pharmacy in Paris“ ein perfektes Outro dar. Man weiß nun nicht so recht, was man von dem Ganzen halten soll – einerseits war „London“ wesentlich schneller, facettenreicher, interessanter, andererseits ist deutlich zu merken, dass auch auf „Pharmacie“ jeder Handgriff sitzt und jedes seiner Fragmente die Umsetzung einer bewussten Planung ist. Selbst wer also in Erinnerungen an das Debüt schwelgt, kann dessen Nachfolger definitiv nicht nicht mögen.


Zum Release von „Pharmacie“ verlost Pretty in Noise eine Pillendose (streng limitiert auf 120 Stück, gefüllt mit Lakritzpastillen) und ein T-Shirt in Größe L. Zur Teilnahme an der Verlosung einfach bis zum 03.09.2016 eine E-Mail mit Namen und dem Stichwort „Apologies“ an redaktion[at]prettyinnoise.de schicken.

Apologies, I Have None

APOLOGIES, I HAVE NONE – live 2016
Support: Blackout Problems*
21.09. BE – Antwerpen – Kavka
23.09. DE – Münster – Sputnikhalle (The M-Pire Strikes Back Festival +Moose Blood +Pup)
24.09. DE – Bremen – Tower*
25.09. DE – Hamburg – Hafenklang*
26.09. DE – Berlin – Musik & Frieden*
27.09. CZ – Prag – 007*
28.09. DE – Leipzig – Conne Island*
29.09. AT – Wien – Arena*
30.09. CH – Luzern – Treibhaus
01.01. FR – Strassbourg – Caj Molodoi
03.10. CH – Genf – Kalvingrad/Usine*
04.10. CH – Bern – Rössli*
05.10. CH – Rorschach – Treppenhaus*
06.10. DE – München – Sunny Red*
07.10. DE – Lindau – Club Vaudeville*
08.10. DE – Karlsruhe – Alte Hackerei
09.10. DE – Wiesbaden – Schlachthof*
11.10. DE – Trier – Exhaus*
12.10. DE – Koblenz – Circus Maximus*
13.10. DE – Hannover – Lux*
14.10. DE – Köln – MTC*
15.10. NL – Amsterdam – Sugarfactory*
16.10. NL – Eindhoven – Dynamo*

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