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Mehr als drei Minuten dauert es, bis Arcane Roots auf dem Albumopener aus dem elektronischen Gewaber vorsichtig eine Melodie schälen.

LP kaufen Vö: 15.09.2017 Easy Life Records

Gerade als „Before Me“ Fahrt aufzunehmen droht, bremsen die Engländer den Song aus. Klassisches Intro, möchte man meinen. Doch der Sound des Trios entwickelt sich seit jeher von Veröffentlichung zu Veröffentlichung weiter. Das Debütalbum „Blood & Chemistry“ wirkte vor fünf Jahren in seiner jugendlichen Sprunghaftigkeit unglaublich frisch, die 2015er EP „Heaven & Earth“ zeigte sich geschlossener und reihte Alternative-Rock-Epen aneinander, wie man sie von Muse gerne wieder zu hören bekäme.

Auch „Melancholia Hymns“ wartet mit einer Neuerung auf: Andrew Groves gibt sich nicht mehr damit zufrieden, lediglich seine Stimmbänder und die Gitarrensaiten zu malträtieren, er bearbeitet jetzt zusätzlich das Keyboard – und spinnt damit den roten Faden, der das Album zusammen hält. „Indigo“ wartet hinter seiner hymnischen Alternative-Rock-Fassade mit sanften 80er-Synth-Pop-Klängen auf, „Fireflies“ lässt vergeblich auf einen Ausbruch warten und bleibt seinem Elektro-Pop treu. „Curtains“ türmt atmosphärisches Geplucker auf, bis Groves im finalen Gegniedel mit seiner Stimme alles niederreißen muss. In dieselbe melancholische Wärme tunkten uns Thrice schon auf der Water-EP ihres „Alchemy Index“.

Ihre progressiv-harte Seite leben Arcane Roots trotzdem aus, meist spielen sie dabei mit der Erwartungshaltung des Hörers. Als „Arp“ sich in ungeahnte Höhen schraubt, ziehen sie dem Song den Boden unter den Füßen weg. „Everything (All At Once)“ biegt im letzen Drittel in Richtung erdigem Country ab, bis die Band alles in Grund und Boden knüppelt. Das erinnert kurz an Tesseract oder Protest The Hero, klingt hinter der nächsten Biegung aber schon wieder nach riesigen Konzerthallen mit massig Publikum.

Dass Arcane Roots die große Bühne nicht scheuen, zeigen sie im letzten Song des Albums: Die Gesangsharmonien im ausufernden Refrain schrammen haarscharf am Pathos vorbei. Andere Bands scheitern an derartigen Vorhaben, Arcane Roots machen einfach weiter, lassen den Song langsam verebben, bis nur noch Groves‘ Gesang und ein Klavier übrig bleiben. Ein weiterer von zahllosen Stilbrüchen, die sich stimmig in das Gesamtbild einfügen – Arcane Roots waren nie besser.

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