Cargo-Vinylaktion

Elf Jahre, acht Langspieler, gefühlt dutzende EPs und Remixes anderer Veröffentlichungen – dies alles hat das amerikanische Duo Arms and Sleepers bisher auf dem Buckel.

LP kaufen iTunes Vö: 13.04.2018 Pelagic Records

Stillstand gibt es bei Max Lewis und Mirza Ramic, der so gesehen das öffentliche Aushängeschild der BandArms and Sleepers ist, nicht. So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass bereits ein Jahr nach dem umwerfenden Album „Life is Everywhere“ die nächste Veröffentlichung ansteht. „Find the right Place“ erscheint am 13. April bei Pelagic Records und zeigt uns einmal mehr den Arbeitsehrgeiz, die Inspiration und Kreativität der Musiker. Koproduktion, Mix und Mastering übernahm der luxemburgische Musiker Victor Ferreira alias Sun Glitters, der im vergangenen Jahr mit Mirza Ramic gemeinsam durch Europa getourt ist und eng mit der Band zusammenarbeitet. Doch was hat es nun mit „Find the right Place“ auf sich? Wir haben für euch reingehört.

Die wichtigste Frage, die sich Fans des Duos stellen, ist wohl die nach dem grundsätzlichen Stil eines jeden neuen Albums. Über die Jahre entwickelte sich die Musik von instrumentalem, emotionalem jazzy Trip-Hop über Chillout-Hip-Hop, Electronica, Vintagekram, der nach dem Soundtrack einer amerikanischen Serie aus den 80er Jahren klang bis hin zu ganz geradlinigem Hip-Hop mit Gastrappern, die dem Vorgänger „Life is Everywhere“ ein fundiertes Konzept gegeben haben, das sich nicht nur dem Subtext entnehmen lässt. Immer wieder hat Mirza Ramic in den letzten Jahren betont, dass Arms and Sleepers sich nicht wiederholen, dass kein Album wie ein vorheriges klingen soll. Wo siedelt sich also „Find the right Place“ an? Am ehesten wohl immer noch im Hip-Hop. Mit Gastrapper_innen wie Infidelix und Amber Ryann gibt es erneut Vocals, die den Fokus des Hörers auf den Inhalt lenken. In den einzelnen Songs lassen sich hingegen starke Einflüsse vergangener Alben erkennen, die zum Teil darauf zurückzuführen sind, dass die Entwürfe bereits älter sind. Nach dem Intro „Kill First, Paint Later“ erschließt sich „It Was Us“ als sommerlicher Elektrosong, bei dem der Einfluss von Sun Glitters unüberhörbar ist. Es ist ein klares Statement zu Beginn des Albums, dass Ramic und Lewis wie immer kompromisslos machen, was ihnen gefällt. „Be This Way“ könnte hingegen ein Titel sein, der es nicht auf das 2014er Album „Swim Team“ geschafft hat, weil die Zeit dafür noch nicht reif war. Unterlegt mit dem Gesang der Sängerin Steffaloo, eher zart und verblasst hinter einem starken Beat und Loop, erschaffen Arms and Sleepers einen Eindruck von Sommerwärme, die mit dem Wechsel zu „Down“ in eine sentimentale Stimmung abdriftet. Mit „I’m Not Sour, You’re A Bitch“ erleben die Hörer im Gegensatz dazu wieder eine Stimmungsaufhellung. Wenngleich der Song bereits vor „Life is Everywhere“ komponiert wurde, scheinen dort jedoch die stärksten Einflüsse zu liegen. Innerhalb dieser wenigen Stücke bekommt man bereits einen guten Einblick in die Grundstruktur des Albums. Wir hören Einflüsse aus verschiedenen Zeiten des kreativen Schaffens der Musiker, empfangen Stimmungen und Eindrücke, die ihnen innerhalb ihrer musikalischen Laufbahn begegnet sind und bekommen langsam eine Idee davon, wofür „Find the right Place“ steht.

Es ist die Geschichte von einem Liveauftritt im Jahr 2017. In der lettischen Stadt Durbe, die mit ca. 500 Einwohnern offiziell die kleinste Stadt des Landes ist, spielte Mirza Ramic sein DJ-Set vor etwa 100 Besuchern in einem winzigen Club. An diesem Abend überkam ihn das Gefühl, dass er nach elf Jahren im Underground-Musikbusiness seinen Platz in der Welt und im Leben gefunden habe.

With about 100 people packed into a tiny space, as I was doing my usual end-of-show Q&A with the audience, it dawned on me that after 11 years of actively being involved in the underground music scene, this was my place. The music community that I’d been a part of had given me some of the most meaningful life experiences, memorable moments, and, most importantly, individuals that I now consider some of my closest friends.

Wenn wir also „Find the right Place“ als Sammlung von Erinnerungen und als stetigen Pfad betrachten, erscheint plötzlich alles stimmig, was beim ersten hören vielleicht noch klang wie eine Schnipselsammlung, die nicht recht zusammenpasst.

Die zweite Hälfte des Albums wirkt stärker durch den Hip-Hop beeinflusst als die erste; wenigstens findet sich hier der größte Anteil an Titeln mit Gastrappern. In diesem Fall wie auch auf „Life is Everywhere“ kann man Arms and Sleepers hoch anrechnen, dass die Texte nie ins Vulgäre abdriften. Für einen Menschen, der sich gar nicht mit Hip-Hop auskennt, sind die Namen der Gäste Schall und Rauch, doch Arms and Sleepers beweisen ein gutes Gespür dafür, wer zu ihren Songs passt. Auch hier lassen sich Einflüsse aus älteren Alben finden – der Song „Dead Dogs Don’t Bite“ enthält sogar das gleiche Sample wie „Time Will Tell“ des Vorgängeralbums. Eine Entscheidung, die erst zum Schluss der Aufnahme getroffen wurde, weil sich die Musiker einig waren, dass das Sample gut passen würde. Es hatte praktisch seinen rechten Platz gefunden.

Hervorzuheben ist der letzte Titel des Albums – wie immer, denn Arms and Sleepers verstehen es, ihre Alben rund zu gestalten. „A Little Larger Than The Entire Universe“ ist ein typischer, warmer, melodischer, entspannter Song, der durch das am Schluss verwendete Sample an einen früheren Titel – „Down“ – anknüpft: Find the right Place.

Arms and Sleepers machen mit ihren Alben keine Kompromisse. „Find the right Place“ ist definitiv ein Album, das man öfter als einmal anhören muss, um hineinzufinden, doch dann besticht es durch seine Variabilität, die insgesamt stimmig ist. Begleitet Arms and Sleepers durch ihre Suche nach dem richtigen Ort, verweilt dort oder geht. „Find the right Place“ steht für sich genommen genau richtig.

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  • 8/10
    Autorin Lara Void - 8.0/10
8/10

Kurzfassung

Arms and Sleepers machen mit ihren Alben keine Kompromisse. „Find the right Place“ ist definitiv ein Album, das man öfter als einmal anhören muss, um hineinzufinden, doch dann besticht es durch seine Variabilität, die insgesamt stimmig ist.

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