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Das New Yorker Trio Battles hat auch mit seiner dritten Full Length „La Di Da Di“ noch nicht wirklich aus einer Art künstlerischen Sackgasse gefunden, ist aber auf dem richtigen Weg.

Erste Schlacht (2004 – 2007): Ein Kunstwerk – die unfassbar prägnante Neuerzählung von Mathrock mit elektronischen Spielweisen. Das New Yorker Quartett schaffte es wie kaum eine andere Band, scheinbare Widersprüche zu vereinen: minimalistisch und verspielt, treibend und souverän entspannt, rhythmisch und ebenso melodiös.

Zweite Schlacht (2010 – 2011): Selten waren meine Freude und Erwartungshaltung gegenüber einem angekündigten Album so ausgeprägt wie bei „Gloss Drop“, welches ursprünglich schon Monate früher hätte erscheinen sollen. Doch im Vorfeld ereilte uns die Nachricht, dass ausgerechnet Tyondai Braxton (Gitarre, Keyboards, Vocals), der nicht benannte Mastermind der Formation, plötzlich ausgestiegen sei. So hatte auf einmal der eigene Name unglückliche Gestalt angenommen ¬– mitten in den Aufnahmen der neuen Stücke. Welche Differenzen genau hierzu geführt hatten, wurde nicht öffentlich gemacht, die übrig gebliebenen Drei äußerten aber später durchaus ihren Unmut. Nach kurzer Beratung entschlossen sich Williams, Stanier und Konopka weiterhin unter dem Namen „Battles“ zu agieren, allerdings die bis dato aufgenommenen Tracks zu verwerfen bzw. geändert einzuspielen. Das Ergebnis war ein in fast jeder Hinsicht heterogenes Album, eher eine Kompilation von teils überzeugenden, teils unausgereiften Versuchen. Auch Gäste wie Gary Numan und Matias Aguayo halfen nicht. Im Gegenteil: Die Kollaborationen wirkten wie die bemühte Absicht, andere den Mangel an Eingebungen mittels bereit gestellter Kampfausrüstung kaschieren zu lassen. Nach einem großen Schlachtgemälde kam also das scharmützelnde Aquarell, und welchen Anteil Braxton wirklich innehatte, wird nur allzu deutlich beim Hören seines 2009er Solowerkes „Central Market“.

Dritte Schlacht (2015): Vier Jahre sind inzwischen ins Land gezogen – Zeit genug also, die unliebsame Trennung vom ehemaligen Ideengeber hinter sich zu lassen und endlich eine losgelöste eigene Sprache zu finden. Mit Artwork und Titel zu „La Di Da Di“ beweisen Battles durchaus einen gewissen Humor, der ihrer Musik allerdings ein wenig abgeht. Zwar werfen sie einigen Ballast der „Gloss Drop“-Phase über Bord und fabrizieren zwölf ausschließlich instrumentale Tracks, die abermals mit dynamischem Sound aufwarten, aber der Rückführung auf ursprüngliche Skizzen fehlen leider wirkliche Höhepunkte und Spannungsmomente. Epigonen wie z.B. Mutiny On The Bounty haben das alles schon wesentlich weiter gedacht. Battles begnügen sich stattdessen damit, als wären sie mit starrem Korsett behaftet, um die arrangierten Loops herum zu spielen, ohne wirklich einmal auszubrechen oder gewisse Dramaturgien innerhalb ihrer Tracks zu entwickeln. Um dieses Ganze allerdings Minimalismus nennen zu können, wie die New Yorker ihn insbesondere über ihre zwei frühen EP’s schon vortrefflich zelibriert haben, sind die jeweiligen Stücke nicht reduziert und konsequent genug. Im Pressetext heißt es, den Abschluss des Longplayers beschreibend: „Dort angekommen, fragt man sich, wie man den Leuten bloß erklären soll, was „La Di Da Di“ nun eigentlich ist.“ Da sonst kaum Infos, sondern Interpretationen geliefert werden, verstärkt sich der Eindruck, die partielle Gesichtslosigkeit der Band ist – geschickt verpackt – an die Journaille weitergegeben worden.

Schlachtkapelle: Das mitreißende Konzert im Hamburger Club Übel & Gefährlich auf ihrer 2007er-Tour zum angesehenen Album „Mirrored“ endete abrupt. Zunächst bereitete nur Konopkas Bassverstärker andauernde Probleme, doch zu allem Überfluss musste Braxton kurze Zeit später konstatieren, dass der Defekt seines Laptops schlimmerer Natur war. Mit entschuldigender Geste nach etwa 35-minütigem Gig machte er dem enttäuschten Publikum klar: „It’s frozen!“. Genauso wenig wie der Neustart des Rechners gelang jener von Battles nach dem Abgang von Tyondai Braxton. Aber dieses Konzert muss alles andere sein als ein Sinnbild für die Zukunft der Band, denn der damalige Auftritt barg ein Highlight in sich, das unvergesslich bleibt und zuversichtlich stimmt. Als beim herausragenden „Tonto“ der Bass-Amp wieder aufmuckte und zwischenzeitlich sogar ausfiel, meisterten die drei Mitstreiter eine improvisierte Version des Stückes, welche die Band auf der Höhe ihrer Spielkunst erleben ließ. Ein Gefechtsfeld wird für gewöhnlich unverblümt und ohne feste Grenzen bestimmt. Daran sollten sich Battles erinnern und vielleicht ein wenig abrücken von ihrer strikten „Art Of Repitition“.


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