Seit 2004 bewerben Victoria Legrand und Alex Scally ihr musikalisches Strandhaus als Duo Beach House. 14 Jahre strömt aus den Fenstern konsequent was auch in der Quantenphysik als Dream Pop anerkannt wird.

LP kaufen iTunes Vö: 11.05.2018 Bella Union

Am elften Tag der 2018er Version des Monats Mai bringt das Gespann ihr 7. Album, „7”, via Bella Union raus. Ich hab mit der Scheibe mal angebadet und lasse das trotzdem mal ganz trocken aber mit Sand in der Badehose Revue passieren.

Mit „7” löst Beach House, gewollt oder ungewollt, endlich oder leider, Dream und Pop ein Stück weit auf und lässt den Pop einen Meter oder zwei zurück. „Fetziges” aus der Rhythmus-Sektion sucht man fast durchgängig vergeblich und auch an klassische Pop-Abläufe wird sich eklatant nicht gehalten. Dafür gibt es langsame, wabernde Notenwände satt. All you can hear.

Tonal ist „7” ein Labyrinth aus flächigen Soundwänden an einem nebligen Tag. Es ist irgendwie nie klar, wie viele und welche Instrumente, welche Noten und Akkorde spielen. Es wabert sehr dick und mehr als je schwingt schon auch arg etwas Melancholisches mit. Victoria Legrands Stimme tut wie gewohnt den Rest dazu.

Persönlich stechen für mich Tracks wie der Eröffner „Dark Spring“ heraus, der vielleicht noch am poppigsten von den elf Stücken ist, aber schon eine gute Idee vermittelt wohin die Reise geht. „Lemon Glow“ ist dann schon wieder ein paar Schritte weiter im Irrgarten mit interessant komischen Instrumental-Windungen. Besonders hervorheben möchte ich vielleicht das Stück „Dive“, das dann nach der 1. Hälfte doch auch mal mit ein paar Trommeln lockt und im weiteren Verlauf in bester Beach House Tradition harmonisch wundergut liefert. Alle Stücke sind gut abgemischt. Technisch hat da keiner geträumt.

„7” ist das „anderste” Album um Victoria Legrand und Alex Scally. Glatt runter geht hier kaum was, aber das ist auch mal gut. Aus eigener Erfahrung empfehle ich mehrere Durchläufe anzupeilen – für mich klingt „7” bei jedem Durchlauf ein Stück anders. Wer immer schon Lust auf mehr Dream und weniger Pop hatte, hat es weniger schwer, alle anderen lassen sich am besten ein bisschen Zeit . Irgendwas in Richtung „Bloom” oder gar „Teen Dream” sucht man aber vergeblich.

Beach House sind mindestens „anders“ oder einfach „gewachsen“ und probieren sich neu aus auf ihrem 7. Album. In den rund 70 Minuten Spielzeit auf Anhieb ohne Schmerzen mit zu wachsen, kann gerne schwer fallen. Mir ist es das sicherlich. Aber auch „7” wächst am Schluss wie Moose auf Felsen im Meer.

Ich persönlich gebe 8 aus 10 Strandhäusern.

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