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Aufregendes Posthardcore/Screamo Gemisch mit gut durchdachtem Inhalt.

LP kaufen Vö: 01.10.2017 Koepfen

Die Wahlhamburger Belka haben ihre Debut-LP zwar bereits im März veröffentlicht, der physische Tonträger wurde gerade erst nachgelegt und erreichte mich vor ein paar Tagen. Eine feine 12“ LP mit Textblatt und Posterbeilage, gut verarbeitet und klanglich einwandfrei, so mag ich das. Das Internet verrät mir, dass es sich bei der Musik um Screamo handeln soll. Wer jetzt an die überschminkten Trauerfuzzis mit ihren Pappfrisuren denkt, die mit ihren pseudo-deepen Lyrics die mittleren 2000er heimgesucht haben, irrt natürlich gewaltig. Ich finde die Genrebezeichnung allein aufgrund dieser Verwechslungsgefahr unpassend, aber nun, der guten Musik auf „Ermitage“ tut das keinen Abbruch.

„First Grade Marathon“ bedient sich gekonnt dem Stilmittel des Aufbaus, nachdem schwirrende Gitarrentöne langsam in fetter werdende Riffs münden. Sich überlagerndes, mehrstimmiges und durchaus gekonntes Geschrei ist die Kirsche auf dem recht bitteren Shake. Die Gitarren kreieren schöne, aber schwer zu ergründende Melodien im Hintergrund. Das mit Postrock-Riffs ausgekleidete „Needles“ erinnert mich ein wenig an die großartigen La Dispute mit ihrem Storytelling-Hardcore, die Melodien gehen hier direkt ins Ohr. Die Taktzahl wird gesteigert und mit doppelten, aufeinander antwortenden Grunts belegt, was sich hier wirklich sehr gut macht. Der leise Gesang am Ende steht dem Sänger allerdings auch gar nicht schlecht zu Gesicht. Ich würde sogar so weit gehen, dass es mir gefallen würde, wenn er öfter mal in eine cleane Gangart verfallen würde. Es folgt eine Interlude in der uns kein Geringerer als Werner Herzog in bestem Denglisch über existenzielle Krisen von Pinguinen berichtet. Klingt schräg, ist es auch, aber ich finde es grandios! „Tristan De Cunha“ spielt mit Chören und der Musik die abwechselnd in den Vorder- bzw. Hintergrund tritt. Dabei würde ich die Gitarrenarbeit wieder eher in den Posthardcore-Bereich stecken, zu der das obligatorische Geschrei natürlich sehr gut passt. Zwischendurch wird immer mal wieder kurz gesungen, wie gesagt, die etwas spezielle Stimme des Sängers würde ich gerne öfter hören. Ein absolut wirkungsvolles, melancholisches Stück, das für mich klar zu den Favoriten des Albums zählt.

Wir widmen uns der Forellenzucht, also zumindest im Titel. Die Musik funktioniert auch in unserer Muttersprache, was mich tatsächlich ein wenig überrascht. Wieder doppelstimmiges Gebrüll und Erzählhardcore mit Stimme, dazu hervorragende, melodische postrockige Parts und ein ausleitender, rhythmischer Schlussteil tun hier absolut ihren Zweck. „Somersault“ scheint vorerst wie die Vertonung eines Sprachsamples aus einem Film und wird auch wieder sanft gesteigert. Ganz harmlose Gitarren und gestreichelte Drums mutieren nach dem Ende des Samples zu einem fetten Emopunksong, der ordentlich an Geschwindigkeit zunimmt und an ältere Touche Amore erinnert. Zum Ende gibt sich „Simple Things“ stimmungsvoll und auf- bzw. erlösend eingeleitet, entwickelt sich aber nach und nach zu einem Punksong, der vor allem durch die beiden Sänger im Zwiegespräch an Spannung gewinnt.

So, ich muss es schon wieder sagen, es ist schade, dass das Ganz so kurz ausgefallen ist. Auf der anderen Seite ist es ja auch das erste Lebenszeichen der Band und auch hier kommt bestimmt bald mehr Material bei uns an.

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