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Nicht umsonst benennt Ex-Aereogramme Kopf Craig B. sein neues Projekt nach den Reflexionen des Astronomen Carl Sagan. In dessen Aufzeichnungen wird die Erde als blasser blauer Punkt und unsere Existenz als Staubkorn im Weltraum bezeichnet – also: „A Mote Of Dust“.


Genau in dieser kathartisch-versöhnlichen, bescheidenen, in sich gekehrten Stimmung kommen auch die neuen Songs daher. Mögen sie aus der Ferne aber noch so minimalistisch erscheinen, sind manche von ihnen übergroß.

Was haben wir ihn vermisst, Herrn Craig B., der nach knapp 10 Jahren Bandgeschichte mit dem dritten Aereogramme-Album „My Heart Has A Wish That You Would Not Go“ erst einmal von der Bildfläche verschwand. Und für viele von uns Aereogramme-Fans – trotz des bestimmt wichtigen Zwischenspiels bei The Unwinding Hours – erst jetzt so richtig zurückkehrte.

Als am 15. Januar die „Kassette“ bereits um 19.00 Uhr so übervoll ist, dass Betreiber und Booker Tobi an die 20 Leute draußen stehen lassen muss, betritt ein alter Schulfreund und heutiger Blackmail-Frontman Matz Reetz die Bühne und bringt alle schon einmal in mollige Stimmung.

Kassette
Nach einer halben Stunde übernehmen „A Mote of Dust“, wobei viele Besucher den in der Ecke sitzenden Pianisten Graeme Smillie erst gar nicht sehen und sich wundern, von welchem „WE“ der kleine, hemdsärmelige Schotte mit dem trockenen Humor wohl spricht. Craig’s lockere, kurz und knackige Art ist ein schöner Kontrast zu dem elegisch-tiefen Repertoire von „A Mote of Dust“. Weil es von diesem bisher nur 9 Songs gibt (aber was für welche!), darunter auch das unter alle Hautschichten gehende, eindringliche „Wolves in the Valley“, spielen die Männer auch die mehr stillen Aereogramme Melodien wie „Trenches“ und Unwinding Hours Material. Zudem erfüllt Craig nun die im Vorfeld abgefragten Facebook-Song-Wünsche sogar mit verbindlichen dedications.

Craig B.
Craig B. ist zurück, er hat einiges zu erzählen und noch mehr zu geben, und draußen schneit es. Beides unglaublich und schön zugleich. Schöner Kummer und Trost in einem. Aber wenn man immer so ein bisschen zärtlich-verletzlich bleibt wie Craig, dann wird man auch nicht einfach so gebrochen. Wer sich also jemals gefragt hat, wie man echten Optimismus mit fragiler Melancholie kreuzt, sollte noch schnell zu den restlichen Live-Terminen eilen und so richtig still sein und zuhören – wie in der kleinsten Kassette der Welt.

Craig B.

Fotos: (c) Franc Tippach

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