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Viel Aufsehen wurde zum Ende des vergangenen Jahres vonseiten der Swansea Constellation gemacht: Ein erstes großes Jahreshighlight wurde für den 15.02. in der Leipziger Peterskirche angekündigt.

Und ohne zu wissen, was da genau auf einen zukommen würde, gab es gleich eine große Schar an Neugierigen, die auf Facebook vorsichtshalber mal ihr Interesse an der Veranstaltung bekundeten. Dieses Interesse kam natürlich nicht von ungefähr, denn die Konzertagentur Swansea Constellation gehört sicherlich zur Sperrspitze im Bereich Post-Rock, Drone, Ambient und artverwandten Genres, die es im Raum Leipzig und Umland aktuell gibt.

Nach und nach wurden erste Informationen über die bevorstehende Veranstaltung gestreut, die von Interessierten mit entsprechendem Nerd-Potenzial zu einem vielschichtigen Puzzle zusammengefügt werden konnten. Am 04. November wurde das Geheimnis dann schließlich gelüftet: Goblin, eine italienische Progressive-Rock-Band mit Vorliebe für die Vertonung diverser Splatter-Movies, würden den altehrwürdigen und von vielen kultisch gefeierten Streifen Suspiria aus dem Jahr 1977 neu vertonen.

Wie bei einigen anderen Veranstaltungen aus dem Hause Swansea Constellation (etwa bei Bells Echo im vergangenen Jahr) gab es auch im Vorfeld dieses Events einen kleinen Prolog am Abend zuvor, bei dem das Remake aus dem Jahr 2018 ebenso auf dem Plan stand wie eine theoretische Einführung des Berliner Filmwissenschaftlers Marcus Stiglegger.

Die Hauptveranstaltung selbst begann am Samstag mit einer kurzen, aber überaus gelungenen Performance unter der Federführung der Leipziger Band DŌMU. Das Trio ist bekannt für seine audiovisuellen Shows, doch wurden die üblichen Visuals am Samstag noch zusätzlich gerahmt von einer randständigen Tanzperformance, die wiederum per Video aufgezeichnet und in Echtzeit mit einer Fülle verschiedenster Effekte an die Leinwand auf der Hauptbühne projiziert wurde. Dazu baute sich ein schaurig-nervöses Konglomerat aus Synthies und vertrackten Drums auf, bis dieses nach ca. 25 Minuten abrupt implodierte und nahezu nahtlos abgelöst wurde von Goblin, die dann ein kurzes Intro anstimmten, das den Weg zum Vorspann des Films ebnete.

Der Film selber hat eine recht einfache Handlung: Ein US-amerikanisches Mädchen namens Suzy macht sich auf den Weg nach Freiburg im Breisgau, wo sie fortan eine Ballettschule besuchen möchte. Doch statt eines reibungslosen Schulablaufs stößt sie schon bald eine Reihe mysteriöser Ereignisse, etwa eine Mitschülerin, der sie begegnet und die völlig unzusammenhängende Worte von sich gibt, bevor sie von einer fremden Gestalt auf brutale Art niedergestochen wird. Nach dem sich weitere schaurige Ereignisse abgespielt haben, will den Suzy den Geschehnissen auf den Grund gehen, wobei sie schließlich auf satanische Sekten und Hexen stößt.

Der Film besticht besonders durch seine Ästhetik und eine Reihe spannender Effekte, etwa durch die Überbetonung der drei Primärfarben Rot, Blau und Gelb. Die Handlung selbst ist nicht an jeder Stelle schlüssig, doch erhebt sie darauf auch keinen Anspruch, denn vielmehr geht es hier – ganz im Sinne des psychoanalytisch beeinflussten Hitchcock-Kinos – um die Konstruktion einer traumähnlichen Welt, in der die irdischen Gesetze weitgehend außer Kraft gesetzt sind und das als Wirklichkeit anerkannt wird, was an Angst vorhanden ist.

Peterskirche | (c) Tina Weißer
Peterskirche | (c) Tina Weißer

Goblin hielten sich dabei musikalisch über weite Strecken auf angenehme Weise zurück und inszenierten ihre musikalischen Einschübe im Sparflammenbereich, wodurch die Möglichkeit, der Handlung des Films zu folgen, an keiner Stelle durchbrochen wurde.

Nach einer kurzen Unterbrechung stand dann ab 22:30 Uhr eine zusätzliche Mini-Best-Of-Show von Goblin auf dem Programm, die das hohe Niveau der beiden vorangegangenen Programmpunkte in keinster Weise halten konnte. In unangenehm rockistischer Pose (inkl. breitbeinig inszenierten Gitarrenriffs, diverser in die Höhe gereckter, sogenannter „Pommesgabeln“, und ähnlichem) wurde in 45 Minuten ein knappes Medley nach dem anderen präsentiert. Im Hintergrund flimmerten dazu Einsprengsel diverser Streifen auf der Leinwand, die Goblin einst vertont hatten. Stimmung konnte diese Darbietung in der Peterskirche nicht mehr erzeugen, jedenfalls nicht die, die Claudio Simonetti am Synthie und seine Bandkolleg_innen offensichtlich intendierten – was sich exemplarisch an dem kläglich gescheiterten Call-and-Response-Versuch gegen Ende der Show aufzeigen ließ.

Fazit: Gute zwei Stunden überaus gelungene Performances von DŌMU und Goblin, doch auf die letzten 45 Minuten hätte verzichtet werden sollen – im Sinne des Publikums wie der um die erhofften Begeisterungsstürme gebrachten Band.

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